Hamburg

9,50 Euro! Warum die Preise für Krabbenbrötchen explodieren

Krabbenbrötchen
kosten an den
Landungsbrücken
bereits 9,50 Euro.
Die Kunden kaufen
trotzdem bei Michael
Hernandez

Krabbenbrötchen kosten an den Landungsbrücken bereits 9,50 Euro. Die Kunden kaufen trotzdem bei Michael Hernandez

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die Preise für die Meerestiere steigen rasant. Fischer in der Nordsee kehren häufig mit leeren Netzen nach Hause – aber warum?

Hamburg.  Erst reibt man sich die Augen, denkt an ein Versehen oder einen Schreibfehler: Steht da wirklich 9,50 Euro auf dem Preisschild vor den Krabbenbrötchen? „Das ist leider so“, sagt Michael Hernandez von der Fischbrötchenbude „Brücke 10“ an den St. Pauli Landungsbrücken. Grund für die Kostenexplosion an der Theke sind die deutlich gestiegenen Preise für Krabbenfleisch. 100 Gramm gehören in der „Brücke 10“ auf ein Brötchen. „Wir hatten nur die Möglichkeit, weniger Krabben auf die Brötchen zu tun oder den Preis zu erhöhen“, sagt der Verkäufer und zuckt entschuldigend die Schulter.

Krabben als Luxusartikel? „Krabben sind zurzeit Mangelware in der Nordsee“, sagt Dirk Sander von der Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischerei (EzDK). Das hat Auswirkungen auf die Fangpreise, die sich in den vergangenen Monaten nahezu verdreifacht haben. „Statt 3 bis 4 Euro für ein Kilo ungepulter Nordseekrabben erlösen die Fischer jetzt 9 bis 11 Euro“, so Sander. Die Folge: Ein Kilo Krabbenfleisch kostet im Einkauf aktuell knapp 40 Euro. Endkunden müssen inzwischen für ein 200-Gramm-Töpfchen schon mal 16 Euro zahlen – und damit deutlich mehr als etwa für Garnelen.

Würden Sie für 9,50 Euro das größte Krabbenbrötchen der Stadt kaufen?

Warum die Krabben sich gerade 2016 so rar machen, ist unklar. „Im Moment sind es noch die normalen Schwankungen in den Beständen“, sagt EzDK-Geschäftsführer Philipp Oberdörfer. Es bestehe Hoffnung, dass sich das Minus ausgleiche, wenn die nächste Krabbengeneration herangewachsen sei. „Entscheidend ist der Herbst“, so der Krabbenexperte. So seien etwa 2010 in nur zwei Wochen 20 Prozent des Jahresfangs hereingeholt worden.

Bis dahin werden die Preise hoch bleiben. Das spürt auch Fischgroßhändler Hagenah. „Wir haben Tagespreise für das Krabbenrohfleisch, die wir an die Wiederverkäufer weitergeben müssen“, sagt Vertriebsleiter Thomas Wohlert. Die Folge: „Der Absatz sinkt.“ Geld verdienen könne man mit Krabben im Moment nicht, so Wohlert. Während die ersten Händler Krabben deshalb bereits aus dem Sortiment gestrichen haben, bietet das Unternehmen, das an seinem Standort in Bahrenfeld auch an Endkunden verkauft und ein Bistro betreibt, das beliebte Meeresgetier weiter an. „Tradition verpflicht“, so der Vertriebschef.

Preise für Krabbenbrötchen steigen nicht überall

Auch in den Filialen des Fischhändlers Gosch gibt es weiter Krabbenbrötchen zu kaufen – und zwar zu den gewohnten Preisen. An dem Stand am Hamburger Hauptbahnhof etwa kostet das Brötchen mit 70 bis 80 Gramm Krabbenfleisch 4,95 Euro. Die letzte Preiserhöhung liegt mehr als ein Jahr zurück. „Wir reagieren sehr moderat auf Preisschwankungen“, sagt Rüdiger Brochonski, Leiter der Lizenzgeschäfte bei dem Sylter Unternehmen. Es werde versucht, die Preise für die Kunden so lange wie möglich stabil zu halten. Auch bei der Fischbraterei Daniel Wischer oder beim Hummerstand in der Rathauspassage kosten die Krabbenbrötchen zwischen 4 und 5 Euro.

Dass die Preise so unterschiedlich sind, hat mehrere Gründe. So gibt es Großabnehmer, die in langfristigen Verträgen und festen Garantiepreisen arbeiten. In anderen Fällen halten sich Händler, wie etwa Gosch, mit Preiserhöhungen zurück, um sich den Aufwand neuer Preisgestaltung zu ersparen und die Kunden nicht zu verschrecken. Denn bislang gehen alle davon aus, dass sich schon bald wieder mehr Krabben in den Kutternetzen finden.

Im Schnitt werden in Deutschland 13.000 Tonnen Krabben im Jahr gefangen. Zählt man holländische und dänische Krabbenfischer dazu, sind es laut EzDK zwischen 35.000 und 40.000 Tonnen. Derzeit gehen 200 Fischkutter auf Krabbenfang, davon sind 170 in deutscher Hand. Knapp 90 Prozent der Flotte sind in Familienbesitz. Nach der großen Krise 2011, als der Krabbenpreis für die Fischer auf unter 1,30 Euro gesunken war, ist „die Situation im Moment gut“, sagt EzDK-Geschäftsführer Oberdörfer.

Auch die aktuelle Krabbenknappheit ändere daran nichts. Allerdings gibt es im Moment eine Begrenzung der Fangzeiten auf 72 Stunden in der Woche, um den Druck auf den nachwachsenden Jahrgang zu nehmen. In normalen Zeiten können die Fischer bis zu 168 Stunden unterwegs sein.

Auf den Landungsbrücken haben sich die Kunden offenbar an die Luxuspreise für Krabben gewöhnt. „Unsere Brötchen werden für 9,50 Euro gekauft“, sagt Michael Hernandez von der „Brücke 10“. Genaue Zahlen will er allerdings nicht nennen. Aber, verrät er, zu den Kunden gehören Touristen genauso wie Hamburger. Und eins ist auch klar: „Wenn die Krabbenpreise sinken, werden die Brötchen auch bei uns wieder billiger.“