Wirtschaft

Körber-Konzern setzt auf Hightech-Brillen

Mit der Hightech-Brille zum Kunden: Körber-Beschäftigte können so neue Maschinen in 3-D vorführen

Mit der Hightech-Brille zum Kunden: Körber-Beschäftigte können so neue Maschinen in 3-D vorführen

Foto: Photographer: Alexander Frank / Körber AG/Alexander Frank

Hamburger Konzern geht neue Wege bei Präsentation von Maschinen. Gewinn und Umsatz sinken. Eine Sparte muss besonders kämpfen.

Hamburg.  Die Brille ist überraschend leicht – und wer sie trägt, blickt auf das Display eines ins Gestell eingeklinkten Smartphones. Auf ihm geht es in einer dreidimensionalen Animation tief hinein in das Innere einer Maschine, die Ampullen voller flüssiger Medikamente auf mögliche Fehler und Schäden untersucht.

Diese Maschine stellt die Seidenader GmbH, ein Unternehmen der Hamburger Körber AG, her. Deren Vertriebsleute sind jetzt mit der Hightech-Brille weltweit bei Kunden aus der Pharmaindustrie unterwegs. Und jene können diesen dabei gleich erklären, dass es bald auch eine Lösung gibt, mit einer mehr geleeartigen Sub­stanz befüllte Ampullen zu überprüfen.

Umsatz des Körber-Konzerns geht zurück

Es ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie weit der Konzern sich mittlerweile vom Maschinenbauer zum Technologiekonzern gewandelt hat – mit 3100 Mitarbeitern ist er der größte in der Metropolregion.

Die Geschäfte allerdings liefen im vergangenen Jahr nicht so gut. Vor den wichtigsten Kennzahlen steht ein Minuszeichen: Der Umsatz ging von 2,342 auf 2,317 Milliarden Euro zwar nur leicht zurück, das Ergebnis vor Steuern mit 141 Millionen Euro (Vorjahr: 258 Millionen) und der Überschuss mit 34 Millionen Euro (150 Millionen) dagegen deutlicher.

Der Auftragseingang schrumpfte zudem um 130 Millionen auf knapp 2,2 Milliarden Euro. „Das niedrigere Ergebnis wurde maßgeblich beeinflusst von den Anpassungen an Marktveränderungen und den Restrukturierungskosten“, so der Konzern.

Probleme in der Tabaksparte

Vor allem in der Keimzelle der Körber AG, die eine Holding für gut 130 Unternehmen in sieben Geschäftsfeldern ist und zu 100 Prozent der Körber-Stiftung gehört, gab es größere Probleme. Beim 1946 von Kurt A. Körber gegründeten Zigarettenmaschinen-Hersteller Hauni in Bergedorf und den anderen Firmen der Tabaksparte wurden nach einem Einbruch der Auftragseingänge mehr als 400 Arbeitsplätze abgebaut, es gab sogar betriebsbedingte Kündigungen.

Die Zahl der Mitarbeiter weltweit ging in dieser Größenordnung auf knapp 11.600 zurück. Eine grundlegende Trendwende in der Tabaksparte ist nicht in Sicht, obwohl es im ersten Quartal mehr Aufträge für die Aufarbeitung gebrauchter Maschinen gab.

Seit Kurzem spielt auch in China der Gesundheitsschutz eine deutlich größere Rolle. „Die Zigarettenhersteller sind verunsichert und halten sich mit Investitionen zurück“, sagt Konzernsprecherin Henriette Viebig.

Entwicklung für 2016: „verhältnismäßig positiv“

In anderen Sparten wie Tissue (Papierverarbeitung) und Werkzeugmaschinen lief es deutlich besser. Die Logistik-Systeme – ein Feld, auf das auch Jungheinrich und Still große Hoffnungen setzen – wurden durch den Zukauf eines portugiesischen Anbieters von automatisierten Lager- und Transportsystemen verstärkt. 190 Patente wurden Körber im Jahr 2015 zuerkannt, insgesamt halten die Hamburger sogar 2500.

Für das laufende Jahr stellt sich laut Finanzvorstand Stephan Seifert die Situation besser dar. Die ersten Monate seien „verhältnismäßig positiv“ verlaufen, es habe einen Zuwachs bei den Aufträgen gegeben, sagt der Manager, der am 1. Oktober an die Vorstandsspitze rücken und den langjährigen Körber-Chef Richard Bauer ablösen wird. Umsatz und Ergebnis aber seien „aktuell noch von den Entwicklungen des Vorjahres belastet“.