Abbau und Aufbau

Im Maschinenbau läuft es nicht ganz rund

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Jungheinrich-Vorstandschef Hans-Georg Frey kann zufrieden sein

Jungheinrich-Vorstandschef Hans-Georg Frey kann zufrieden sein

Foto: Pressebild.de/Bertold Fabricius

Hauni kündigt Entlassungen in Bergedorf an, Jungheinrich dagegen wächst und schafft neue Jobs. Reale Erwartungen zum Wachstum.

Hamburg.  Das zu Ende gehende Jahr war nicht eben einfach für die erfolgsverwöhnten und stark exportorientierten Maschinenbau-Unternehmen in Deutschland und in Hamburg. Die Branche stellt sich angesichts der weltweit schleppenden Nachfrage nach Maschinen und Anlagen auf ein weiteres Jahr ohne ein reales Wachstum ein.

In den wichtigen Ausfuhrmärkten China und Russland gab es 2015 deutliche Rückgänge. Die Exporte dorthin sanken um fünf Prozent (China), nach Russland sogar um 27 Prozent. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in diesen beiden wichtigen Ländern und ein Ende der Sanktionen gegen Russland sind derzeit nicht in Sicht. Nur zwei Aspekte geben der Branche etwas Hoffnung, im kommenden Jahr das Produktionsvolumen leicht zu steigern und erstmals die Marke von 200 Milliarden Euro zu überspringen: Ein gegenüber dem Dollar günstigerer Euro und eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran könnten die Exporte der Maschinenhersteller ankurbeln.

Umzug von Jungheinrich ist als deutliches Zeichen für gute Geschäfte zu sehen

Bei den größten Unternehmen der Branche mit Sitz in Hamburg ist die Situation aber durchaus unterschiedlich. Während die einen deutlich wachsen und neue Arbeitsplätze schaffen, müssen andere Auftragseinbußen im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen und Entlassungen ankündigen.

Vergleichsweise gut entwickeln sich die Geschäfte bei Jungheinrich. Der weltweit drittgrößte Hersteller von Gabelstaplern expandiert weiter im angestammten Geschäftsfeld, treibt zugleich aber seit Jahren den Wandel zum Anbieter von Intralogistik-Lösungen voran. Das sind weitgehend automatisierte Lager, in denen computergesteuerte Maschinen statt Menschen Waren transportieren und Sendungen zusammenstellen.

Kurz vor Weihnachten ist die Jungheinrich-Zentrale in ein neues Gebäude in Wandsbek umgezogen, es ist ein sichtbares Zeichen für ertragreiche Geschäfte in der Vergangenheit und optimistische Erwartungen für die nähere Zukunft. Das wird auch an den Mitarbeiterzahlen deutlich: Sie sind gewachsen und das wird auch 2016 so sein, erwartet das Unternehmen.

Hauni und Still GmbH mussten Personal abbauen

Ganz anders die Situation bei Hauni: Die Zigarettenmaschinen-Sparte der Körber AG kündigte Mitte November Entlassungen an. Etwa 175 Mitarbeiter müssen das Unternehmen verlassen, das seit Mitte 2014 einen Einbruch der Auftragseingänge um 35 Prozent hinnehmen musste. Die Nachfrage nach den Spezialmaschinen aus Bergedorf ist weltweit eingebrochen, das Unternehmen sieht sich gezwungen fast 500 Stellen abzubauen. Und weil nicht für alle Betroffenen eine einvernehmliche Lösung gefunden werden konnte, müssen fast 200 zwangsweise gehen.

Bei der Still GmbH, dem dritten großen Unternehmen der Branche in der Hamburg, und wie Jungheinrich Gabelstaplerbauer und Intralogistik-Anbieter, ging die Zahl der Mitarbeiter ebenfalls zurück – allerdings geringer und geräuschlos. Auch Still legt mit einem Bauprojekt ein Bekenntnis zum Standort Hamburg ab. In Billbrook entsteht ein Zentrallager, es soll Produktion und Auslieferung der Maschinen schneller und kostengünstiger machen. Ein anderes Traditionsunternehmen dagegen ist aus der Stadt verschwunden – zumindest sein Name. Der Kettensägen- und Gartengeräte-Hersteller Dolmar, seit Langem Teil des japanischen Makita-Konzerns, heißt jetzt Makita Engineering GmbH.

( hs )

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