Abmahnung

AfD droht Hamburger Fraktionschef Parteiausschluss an

Der Vorsitzende der AfD-Bürgerschaftsfraktion, Jörn Kruse, ist von der eigenen Partei offiziell abgemahnt worden

Der Vorsitzende der AfD-Bürgerschaftsfraktion, Jörn Kruse, ist von der eigenen Partei offiziell abgemahnt worden

Foto: dpa

Jörn Kruse ist nur noch „Fraktionschef auf Bewährung“. Grund ist seine harsche öffentliche Kritik an der AfD.

Hamburg. Der Vorsitzende der AfD-Bürgerschaftsfraktion, Jörn Kruse, ist von der eigenen Partei offiziell abgemahnt worden. Das hat der AfD-Landesvorstand beschlossen. Anlass sind Kruses Interviewäußerungen von Anfang Mai, in denen er sich sehr abfällig über das neue AfD-Programm geäußert und dieses als in Teilen „unpräzise, unsinnig, töricht, unsäglich, vorgestrig und frauenfeindlich“ oder gar als „totalen Schwachsinn“ bezeichnet hatte. „Wir haben Jörn Kruse durch den AfD-Parteivorstand abgemahnt, weil wir es bei keinem Mitglied gutheißen können, schon gar nicht bei einem Vorsitzenden der AfD-Fraktion, wenn ein neues Parteiprogramm in Teilen in dieser Weise öffentlich herabwürdigt wird“, sagte der Hamburger AfD-Vorsitzende Bernd Baumann dem Abendblatt am Freitag. "Jörn Kruse hat sein Fehlverhalten, was den Stil und die Wortwahl angeht, bereits eingeräumt. Sein Verhalten hatte die Mitglieder der Partei vor den Kopf gestoßen.“

Am Donnerstagabend hatte Kruse sich bei einer AfD-Veranstaltung im Rathaus massive Kritik von rund 70 Parteimitgliedern anhören müssen. Dort wurde ihm nach Aussagen von Teilnehmern auch klargemacht, dass weitere Ordnungsmaßnahmen bis zum Parteiausschluss gegen ihn möglich seien, wenn er sein Verhalten nicht ändere. Fraktionsvize Dirk Nockemann bezeichnete Kruse als „Fraktionschef auf Bewährung“. Ob Kruse im August bei der regulären Neuwahl des Fraktionsvorstandes wiedergewählt wird, ist angesichts dieser Lage offen. Sollte es weitere Ausfälle geben, werde die Fraktion ihn möglicherweise bereits vorher absetzen, hieß es. Wie groß das Misstrauen gegen den eigenen Frontmann ist, zeigt auch eine andere am Donnerstag verkündete Regelung: Kruse muss seine Interviews künftig von Parteifreunden gegenlesen lassen, bevor sie freigegeben werden.

Einen detaillierten Bericht lesen Sie am Sonnabend im „Hamburger Abendblatt"