Hamburg

Wo selbstständige Mütter Hilfe bekommen

Die drei Hamburgerinnen Susi Leyck, Cornelia Paul und Sylva Kairies (v. l.) sind bei Mompreneurs engagiert

Die drei Hamburgerinnen Susi Leyck, Cornelia Paul und Sylva Kairies (v. l.) sind bei Mompreneurs engagiert

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Über das Netzwerk Mompreneurs können Frauen nützliche Tipps bekommen, wie man Kinder und Beruf gut miteinander vereinbaren kann.

Hamburg.  Aus der Abfindung wurde das Startkapital. Aus dem Vollzeit-Angestelltenverhältnis die Selbstständigkeit. Nicht ganz freiwillig allerdings – ihre neue Aufgabe als Mutter war 2014 der Grund. „Bis zur Geburt meiner Töchter habe ich bei großen Unternehmen im Marketing gearbeitet“, sagt Sylva Kairies. „Dafür bin ich 25 Prozent meiner Arbeitszeit gereist und musste auch oft spontan weg.“ Unmöglich, das mit Kleinkindern zu organisieren. Gerade, wenn keine Großeltern in der Nähe sind und der Ehemann beruflich stark eingebunden ist.

Wie Kairies geht es vielen Hamburgerinnen: Sie sind bestens ausgebildet, haben anerkannte Jobs, sind beruflich erfolgreich. Die Kinder passen – dem Arbeitgeber – oftmals nicht. Eine Lösung, in Teilzeit weiterzuarbeiten, wurde Kairies nicht offeriert. „Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass bei Frauen, die das erste Kind bekommen haben, sowieso nur darauf gewartet wird, wann das zweite kommt“, sagt die 36-Jährige, die Mutter von Filippa (3,5 Jahre) und Florentine (1,5 Jahre) ist. Deshalb machte sie sich selbstständig. Eröffnete nach dem Onlineshop www.filippaflorentine.com, in dem sie hochwertige, außergewöhnlich bedruckte Cashmere-Tücher (ab 289 Euro) verkauft, vor zwei Wochen ihr erstes Ladengeschäft im Lehmweg 42. Den „Little Department Store“, wo sie neben ihren Tüchern auch Damenbekleidung anderer Marken anbietet. Selbstbestimmt, als eigene Chefin.

An der Schnittstelle zwischen Kinderkriegen und Selbstständigkeit dockt das Netzwerk Mompreneurs – zusammengesetzt aus dem englischen „Mom“ und „Entrepreneur“ – an. Gegründet von der Berlinerin Esther Eisenhardt mit dem Gedanken, Frauen zu vernetzen, die Frau, Ehefrau, Freundin, Mutter und bereits Unternehmerin sind oder es werden wollen.

Frau registriert sich dabei über Facebook kostenlos für die geschlossene Mompreneurs-Gruppe, wo dann der virtuelle Austausch stattfindet. Insgesamt 4091 Mitglieder hat die geschlossene Mompreneurs-Gruppe derzeit, 7321 Likes die Fanpage. „Wer kennt eine gute Grafikerin?“, „Hat jemand Tipps für eine bessere Website?“, „Brauche ich PR als Jungunternehmerin?“ sind Fragen, die gestellt und von Gruppenmitgliedern beantwortet werden. „Es geht um den Austausch mit Gleichgesinnten“, sagt Cornelia Paul, die reale Treffen von Hamburger Mompreneurs organisiert. Etwa 238 Mütter sind in wechselnder Besetzung und je nach Thema des Vortrags, der alle vier bis acht Wochen angeboten wird, dabei.

„Mir gibt die Gruppe unheimlich viel“, sagt Paul. Sie ist Mutter einer 10-jährigen Tochter. Nach jahrelangem Angestelltenverhältnis als Assistentin der Geschäftsführung, bei welchem sie spontan abrufbar sein musste, hat sie erst mit einer Freundin in Kita-Zeiten ihrer Tochter ein Mode-Label aufgebaut und sich dann als „Coach für Motivation und Potenzialerkennung“ selbstständig gemacht. „Es funktioniert und funktionierte gut, man wächst sozusagen mit dem Kind“, sagt sie. „Je älter meine Tochter wurde, desto einfacher konnte ich die Arbeitszeit aufstocken.“ Und auch, wenn das Geschäft gut lief, war sie nicht zufrieden. Nicht erfüllt. „Ich suchte nach einer neuen Herausforderung, denn ich hatte und habe so viel Energie. Mein Lebenslauf ist so reich, was mache ich daraus?“, fragte sie sich. Die Antwort: Die eigene Kraft weitergeben. Deshalb absolvierte sie eine Zusatzausbildung als Motivationstrainerin und berät nun diejenigen, die sich gerade verloren fühlen oder eine Analyse ihrer Stärken und Schwächen wünschen. Mit richtig und falsch habe das Ergebnis nichts zu tun. „Die Motive sind wie sie sind: Warum reise ich gern? Warum räume ich bis spät in der Nacht im Wohnzimmer das Regal auf? Warum stehe ich auf Partys immer neben der Tür?“, sagt Paul. „Zu wissen, wie man tickt, entspannt und bringt weiter.“

Bestens vorstellbar, dass ihr Können bei den Mompreneurs gefragt ist. Da, wo Selbsterkenntnis und Selbstorganisation eine durchaus übergeordnete Rolle spielen. „Auch mir gibt dieses professionelle Netzwerk viel zurück, ich wusste zum Beispiel wenig über die Nutzung von Facebook. In einem Onlineseminar wurden mir dann von einer anderen Mompreneur die Tricks erklärt“, sagt Paul. Wenn sie nun weiterführende Informationen haben wollte, so konnte sie bei der Referentin eine Zusatzstunde buchen – und sie dafür bezahlen. „Mir werden da Dinge beigebracht, die ich mir selber nicht beibringen kann. Die kann ich dort lernen“, sagt sie.

Der Grund, warum auch Susi Leyck Teil des Netzwerks Mompreneurs ist. Außerdem empfindet sie es als „zeitgemäß“. Sprich: Die Entscheidungen fallen schnell. Willst du mit mir zusammenarbeiten? Ja oder nein? „Es wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet, sondern alles ist zielgerichtet und dabei unkompliziert“, sagt die Gründerin von „Gesund & Mutter“, die ihr Business wie die anderen Unternehmerinnen auch noch abends von der Couch aus führt.

2014 machte sich die Zweifach-Mama, die zuvor in einem Musikverlag gearbeitet hatte, selbstständig. Mit etwas, das sie selbst in ihrer ersten Schwangerschaft vermisst hatte: wohltuendem Essen, das der werdenden oder stillenden Mutter guttut. „Alle Gerichte, die wir produzieren und im Weckglas verschicken, sind stillfreundlich und garantiert ohne Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker“, sagt sie. Ein Bestseller – der übrigens auch Vätern munden dürfte – ist das Rindergulasch mit Stein-Champignons und Kartoffeln für neun Euro.

Selbstverständlich dürfen die Männer mitessen – bei den Mompreneurs werden dagegen nur neue Mütter gesucht. „Nur, wenn wir alle an einer Mompreneur-Kultur arbeiten, gibt es auch eine Kultur“, sagt Leyck, die unternehmerische Hamburgerinnen einlädt, eine Mompreneur zu werden.