Luftqualität

Grünes Kraftwerk im Hamburger Hafen steht vor dem Aus

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Martin Kopp
Damals war die Freude noch groß: Die Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei
Aida Cruises, Monika Griefahn, tauft im Oktober 2014 die LNG Barge „Hummel“

Damals war die Freude noch groß: Die Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei Aida Cruises, Monika Griefahn, tauft im Oktober 2014 die LNG Barge „Hummel“

Foto: Georg Wendt / dpa

Der Betreiber des schwimmenden Gasmotors kritisiert zu hohe Kosten und liebäugelt mit Verlagerung von Hamburg nach Rotterdam.

Hamburg.  Eines der zentralen Projekte des rot-grünen Senats zur Verbesserung der Luftqualität im Hamburger Hafen droht ein Flop zu werden. SPD und Grüne wollen eigentlich, dass Kreuzfahrtschiffe während ihrer Liegezeit eine externe Stromversorgung bekommen. Der Vorteil: Die Schadstoffemissionen würden sinken, weil die Motoren gedrosselt werden könnten. Doch die bereits eingerichtete moderne Landstromanlage in Altona wird kaum genutzt. Und das schwimmende Gaskraftwerk „Hummel“ am Kreuzfahrtterminal in der HafenCity steht nun sogar vor dem Aus: Denn der Erbauer und Betreiber der sogenannten LNG Barge, Becker Marine Systems, droht damit, die Barge in andere Häfen zu verlegen, etwa nach Rotterdam.

Das liegt an den massiven Auflagen, die nach Ansicht des Unternehmens den Betrieb der „Hummel“ in Hamburg unwirtschaftlich machen. Deren Prinzip ist relativ einfach: Auf einem Lastkahn wurde ein kleines Gaskraftwerk installiert, das mit fünf Generatoren gut sieben Megawatt Strom erzeugt. Betrieben wird das Kraftwerk mit flüssigem Erdgas, dem Liquified Natural Gas (LNG). Der Strom wird an das Kreuzfahrtschiff abgegeben, das seine Dieselmotoren dann herunterfahren kann. Der Vorteil: Bei der Verbrennung von Flüssiggas werden viel weniger Schadstoffe freigesetzt als bei der Dieselverbrennung durch die Motoren.

60 Mal sollte sie 2015 eingesetzt werden, tatsächlich lief sie nur elf Mal

Für den Senat ist die Barge ein Vorzeigeprojekt – sogar das niederländische Königspaar besuchte das schwimmende Kraftwerk bei seinem jüngsten Besuch in Hamburg. Doch wie nun aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU hervorgeht, ist der Betriebsalltag der Barge sehr mühsam. 60 Mal sollte sie 2015 eingesetzt werden, tatsächlich lief sie nur elf Mal – verbunden mit hohen Kosten für Becker Marine Systems.

Ein teures Problem: Der Senat hat zwar extra für die „Hummel“ einen Liegeplatz beim Kreuzfahrtterminal zur Versorgung der Schiffe gebaut. Doch diesen darf die Barge nur während der Betriebsdauer nutzen. Aus Sicherheitsgründen muss das schwimmende Kraftwerk anschließend zu einem anderen Liegeplatz am O’swaldkai geschleppt werden. Dafür muss jedesmal extra ein Schlepper bestellt werden. Und damit nicht genug: Um die Barge im Notfall schnell von der Kaikante wegziehen zu können, muss der Schlepper die gesamte Betriebszeit über mit laufenden Motoren neben ihr warten. Abgesehen davon, dass der erwartete umweltschonende Effekt zumindest teilweise verloren geht, ist die Bereitstellung von Schlepper und Besatzung teuer. „Die Betriebskosten erhöhen sich damit um 4000 Euro pro Tag“, sagt Dirk Lehmann, Geschäftsführer der Becker Marine Systems.

Laut der Senatsantwort sind auch die Auflagen der Feuerwehr geradezu aberwitzig. So musste ein zusätzlicher Hydrant am Liegeplatz gebaut werden, obgleich die Barge im Wasser schwimmt. Die offizielle Begründung: Bei niedrigem Wasserstand könnten die Pumpen der Feuerwehr das Wasser nicht aus dem tideabhängigen Gewässer fördern.

Gebühr für Kühlwasser aus der Elbe

Und auch die wasserrechtliche Genehmigung belastet die Wirtschaftlichkeit der LNG Barge: Um das Kreuzfahrtschiff mit sauberem Strom zu versorgen, muss die Barge Kühlwasser aus der Elbe entnehmen. Dafür muss sie eine Gebühr entrichten. Das ist eine Benachteiligung gegenüber dem Kreuzfahrtschiff, dass für die Kühlung seiner Motoren keinen Cent zahlen muss. Zuständig für diese widersinnige Auflage ist die Umweltbehörde.

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Ralf Niedmers sieht darin Methode: „Immer wieder ist es die Umweltbehörde des grünen Senators Jens Kerstan, die für Störfeuer im Hafen sorgt. Wir fordern Wirtschaftssenator Frank Horch dazu auf, sich gegen seinen Kollegen Kerstan durchzusetzen“, sagt Niedmers dem Abendblatt.

„Ich glaube, dass die Umweltbehörde mit der Genehmigung eines so innovativen schwimmenden Kraftwerks ganz einfach überfordert ist“, sagt Becker-Marine-Chef Lehmann. Die Unterstützung durch die Wirtschaftsbehörde sei derweil aus seiner Sicht gut. „Allerdings sind die Auflagen jetzt so streng, dass ein wirtschaftlicher Betrieb angesichts der niedrigen Bunkerpreise, mit denen wir konkurrieren müssen, kaum mehr möglich ist.“ Becker würde mit der „Hummel“ gerne in Hamburg bleiben. „Aber wenn sich nicht etwas ändert, müssen wir uns überlegen, sie zu verlegen.“ Aus Rotterdam gebe es bereits Interesse an dem schwimmenden Kraftwerk.

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