Verkehr

Bau des A-7-Deckels in Stellingen beginnt

DRüdiger Kruse (CDU, v.l.), Frank Horch, Dirk Brandenburger (DEGES), Alexander Dobrindt (CSU), Niels Annen (SPD) und Nikolaus Graf von Matuschka (Hochtief Solutions) ,

DRüdiger Kruse (CDU, v.l.), Frank Horch, Dirk Brandenburger (DEGES), Alexander Dobrindt (CSU), Niels Annen (SPD) und Nikolaus Graf von Matuschka (Hochtief Solutions) ,

Foto: Bodo Marks / dpa

Verkehrsminister Alexander Dobrindt drückt symbolisch auf den Startknopf. Arbeiten sollen Ende 2020 fertig sein.

Stellingen.  Hamburgs größtes und teuerstes Lärmschutzprojekt geht in die nächste Phase: Am Wördemanns Weg in Stellingen haben am Freitag die Arbeiten zum Bau des 893 Meter langen Autobahndeckels begonnen. Zum Auftakt für das fast 210 Millionen Euro teure Bauprojekt sprach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) von einem „tollen Ereignis“. Der Ausbau der A 7 von sechs auf acht Fahrstreifen und die Überdeckelung bringe „mehr Kapazität für die Straße und mehr Lärmschutz für die Anwohner“, sagte er. „Das ist moderne Verkehrspolitik.“

Ein dritter Aspekt kommt hinzu. Das Millionenprojekt soll den zerrissenen Hamburger Westen wieder zusammenführen. Denn derzeit durchschneidet die Autobahn die Bezirke Altona und Eimsbüttel wie ein tiefer Graben. Der Bau von insgesamt drei Deckeln soll dies wenigstens teilweise rückgängig machen. Die A 7 ist vom Elbtunnel bis zur Stadtgrenze im Norden etwa elf Kilometer lang. Die drei überdeckelten Bereiche (Altona, Stellingen, Schnelsen) werden zusammen auf knapp vier Kilometer Länge kommen. Auf diesen knapp vier Kilometern sollen Parks und Kleingärten angelegt werden: Der trennende Autobahn-Graben wird so zu einem verbindenden Grünstreifen.

An zwei der drei Hamburger Deckel wird nun gearbeitet. Der Schnelsener Teil ist mit nur 560 Metern der kürzeste. Er ist am weitesten vorangeschritten. Mit der Verbreiterung und Überdeckelung der A 7 in diesem Bereich zwischen dem Autobahndreieck Hamburg-Nordwest und der Anschlussstelle Schnelsen-Nord wurde 2015 begonnen.

Zuletzt hatten sich beim Bau Probleme ergeben. Der Untergrund war weicher als angenommen. 753 Pfähle sollen dort den Deckel tragen. Wegen der Schwierigkeiten wird sich die Fertigstellung des Tunnels verzögern. In einer sehr frühen Zeitplanung war dies für 2017 vorgesehen. Nun heißt es, die erste Röhre sei Ende 2017, die zweite 2018 fertig.

Mit dem Bau des längsten, 2,3 Kilometer langen Deckels im Bereich Altona soll erst begonnen werden, sobald die beiden kleineren Abschnitte fertig sind. Dies würde bedeuten: Baubeginn im Jahr 2021. Denn Minister Dobrindt sagte am Freitag, der Stellinger Deckel werde „Ende 2020“ fertig sein. Bis dahin ist noch viel zu tun. Eine ganze Reihe von Vorarbeiten sind notwendig, um den Verkehr auf der Autobahn aufrechterhalten zu können. Der Bereich Stellingen ist mit jährlich 50 Millionen Fahrzeugen der am stärksten frequentierte Abschnitt der A 7. „Es ist ein nicht alltägliches Unterfangen“, sagte Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch am Freitag beim symbolischen Knopfdruck, „unter diesen Umständen einen Tunnel zu bauen.“

Zunächst einmal müssen die alten Lärmschutzwände abgebaut werden. Sie weichen einem Provisorium. Weil der Tunnel direkt an der Kieler Straße beginnt, muss die Autobahnauffahrt Richtung Norden umgebaut werden. Verschwinden wird außerdem auch die Brücke, die den Wördemanns Weg über die A 7 führt. Sie soll durch eine höher gelegte Behelfsbrücke ersetzt werden. Dazu wird die Autobahn im September für 55 Stunden komplett gesperrt werden müssen.

Die neue Behelfsbrücke wird nur einspurig sein, der Verkehr wird also im Wechsel hinübergeleitet. Mit Verkehrsbehinderungen ist in der Bauphase zu rechnen. Später, wenn alles fertig ist, wird der Wördemanns Weg keine Brücke mehr benötigen: Der Deckel trägt die Straße.

Auch dort, wo die Autobahn in Zukunft offenliegen wird, soll es leiser werden. Für den Abschnitt Stellingen heißt das beispielsweise: Dort werden insgesamt 20 Lärmschutzwände errichtet, die zwischen vier und neun Metern hoch sind. Die meisten dieser Wände bekommen oben eine Auskragung – also einen Schallschutz, der einen kleinen Teil der Fahrbahn überdacht. Außerdem sollen in den offenliegenden Abschnitten der A 7 lärmarme Fahrbahnoberflächen verwendet werden.

Der Stellinger Tunnel ist Teil des im September 2014 begonnenen Ausbaus der A 7 zwischen dem Elbtunnel und dem Dreieck Bordesholm in Schleswig-Holstein. Rund zwei Milliarden Euro dürfte das Bauvorhaben verschlingen. Der Abschnitt vom Autobahndreieck Nordwest bis Bordesholm soll 2018 fertig sein. Hier wird die A 7 von vier auf sechs Fahrstreifen verbreitert.

Im Abschnitt vom Dreieck Nordwest bis zum Tunnel wird es noch etwas länger dauern. Ende 2024 könnte es auch im Altonaer Bauabschnitt heißen: Der Deckel ist drauf.