Journalismus

Preisgeld gestrichen: Beim Nannen-Preis wird gespart

Nach einjähriger Pause wird der Journalistenpreis am Donnerstag wieder verliehen. Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost nominiert.

Hamburg. Der Nannen-Preis in schlankerem Gewand: Die Verleihung des Medien-Preises der Illustrierten „Stern“ am Donnerstag in Hamburg geht in einem intimeren Rahmen als sonst über die Bühne. Mit rund 550 Gästen aus Medien, Politik, Wirtschaft und Kultur werden nur halb so viele Gäste wie früher das Programm verfolgen können, durch das „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga im Curio-Haus führt.

Dennoch: „Wir verstehen den Nannen-Preis als Leistungsschau unserer Branche“, hatte „Stern“-Chefredakteur Christian Krug nach einjähriger Verleihungspause (2015) infolge eines Sparprogramm beim Mutterhaus Gruner + Jahr angekündigt.

Auch Preiskategorien fallen weg

Die Preisträger werden keine Nannen-Büste mehr bekommen, auch das Preisgeld von 35.000 Euro gibt es nicht mehr. Ausgewählt werden die besten Reportagen in Print, Foto und im Web (Internet) sowie investigative Leistung, Dokumentation und inszenierte Fotografie. Ein Sonderpreis der Chefredaktion kann hinzukommen. Verzichtet wird auf die früheren Preiskategorien Essay, Lebenswerk und Pressefreiheit. Die Jury wählt die Preisträger aus fast 1000 Arbeiten aus, ein Rekord.

„Viele der eingereichten Beiträge zeigen eine unglaubliche Recherchetiefe, die im schnelllebigen Social Media News-Business gar nicht geleistet werden kann“, sagte Krug zur Bedeutung des Preises. Einige Journalisten hätten monate- oder sogar jahrelang recherchiert, „sie sind durch die Welt gefahren, haben ihre Interviewpartner getroffen und mehrere Quellen befragt und so komplexe Hintergründe und Zusammenhänge aufgedeckt“, resümierte Krug. „Das macht herausragenden Journalismus aus.“

Interaktivteam der Berliner Morgenpost nominiert

Auch das Interaktiv-Team der Berliner Morgenpost, die wie das Hamburger Abendblatt in die Funke-Mediengruppe erscheint, gehört zu den Nominierten in der Kategorie Web-Reportage. "M29 – Berlins Buslinie der großen Unterschiede" von dem Team um Julius Tröger muss sich gegen die Produktionen "Falcianis Swissleaks" (Arte) und "Der Zaun" ein Crowdfounding-Projekt in Kooperation mit Süddeutsche.de durchsetzen.

Der Gründer der Illustrierten „Stern“, Henri Nannen (1913-1996), hatte 1977 den Egon-Erwin-Kisch-Preis für die besten deutschsprachigen Reportagen gestiftet. Dieser wurde 2005 in den bis 2014 vergebenen Henri-Nannen-Preis eingegliedert. Von 2016 an firmiert er - kürzer - als Nannen-Preis.