Big Brother Award

Schwere Vorwürfe gegen Hamburger Internet-Aktivisten

Georg Hackmack ist Deutschland-Chef der Online-Petitionsplattform change.org und Gründer von abgeordnetenwatch.de

Georg Hackmack ist Deutschland-Chef der Online-Petitionsplattform change.org und Gründer von abgeordnetenwatch.de

Foto: Frank Lehmann

Change.org soll Datenschutz vernachlässigt haben. Bei Verleihung des Big Brother Award an Deutschland-Chef Hackmack kam es zum Eklat.

Bielefeld/Hamburg. Die Petitions-Plattform change.org hat den diesjährigen „Big Brother Award“ erhalten. Dieser „Oscar für Datenkraken“ wird in Deutschland jährlich vom Verein digitalcourage vergeben, und zwar an Unternehmen oder Organisationen, die die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen. Die mit dem Negativpreis ausgezeichnete Plattform change.org gibt ihren Nutzern weltweit die Möglichkeit, im Internet Petitionen zu ihren Anliegen zu starten und Unterschriften zu sammeln. In Deutschland wird change.org von Gregor Hackmack geleitet, der in Hamburg auch die Plattform abgeordnetenwatch.de ins Leben rief und mit dem Verein „Mehr Demokratie“ wesentlich dazu beigetragen hat, die Volksgesetzgebung in Hamburg auszubauen, das Wahlrecht zu ändern und das Transparenzgesetz einzuführen.

Hackmack sitzt auch als Teil des kritischen Bündnisses „Die Kammer sind WIR“ im Plenum der Handelskammer. Datenschützer haben der Plattform change.org schon länger vorgehalten, gegen Datenschutzregeln zu verstoßen.

Vorwurf: Persönliche Daten werden gesammelt

„Der Umgang von change.org mit den Daten von Unterzeichnern ist problematisch“, konstatierten nun auch die Laudatoren des "Big Brother Award", Sönke Hilbrans und Peter Wedde, bei der Verleihung in Bielefeld. „Neben Name, Adresse und Mailadresse von Unterzeichnern sammelt das Unternehmen nämlich auch Informationen dazu, welche Petitionen konkret unterstützt wurden.“

Daraus lasse sich im Einzelfall „ableiten, welchem politischen, gesellschaftlichen oder sozialen Lager Personen zugerechnet werden können“. So könne change.org für weitere Petitionen gezielt werben. „Damit können Meinungsbildungsprozesse gezielt beeinflusst werden. Zudem ist nicht auszuschließen, dass change.org die nach individuellen Meinungen und Positionen sortierten Daten dafür nutzt, die Petitionen von zahlenden Kunden gezielt zu unterstützen“.

Big Brother Award: Eklat bei der Preisverleihung

Die Verarbeitung und Nutzung "dieser sensiblen personenbezogenen Daten“ sei aber in Deutschland und Europa "datenschutzrechtlich unzulässig“. Anders als manche anderen Empfänger von Negativpreisen reiste change.org-Chef Hackmack zur Entgegennahme des Preises selbst nach Bielefeld. Dabei kam es jedoch zunächst zu einem Eklat, weil die Veranstalter sich weigerten, Hackmack eine Gegenrede zur Laudatio halten zu lassen. Schließlich kam Hackmack aber bei einer kurzen Fragerunde zu Wort. Dabei verwies er auf die großen Erfolge von change.org.

„Mich begeistert das Modell“, so Hackmack. „Wir verkaufen keine Adressen, wir geben den NGOs die Möglichkeit, ihre Newsletter bei uns zu bewerben.“ Man könne auch unter Pseudonym Petitionen unterzeichnen, so Hackmack. „Jeder gemeinnützige Verein sammelt mehr Daten über die Unterstützer als change.org.“