HafenCity

Ahoi! Der RiverBus fährt jetzt auf der Elbe

Kapitän Jan Peter „Fiete“ Mahlstedt hat schon Schlepper und Mega-Yachten
gesteuert. Um den RiverBus fahren zu dürfen, hat er einen Busführerschein gemacht

Kapitän Jan Peter „Fiete“ Mahlstedt hat schon Schlepper und Mega-Yachten gesteuert. Um den RiverBus fahren zu dürfen, hat er einen Busführerschein gemacht

Foto: Patrick Piel

Hamburgs erste Stadt- und Hafentour im Amphibienfahrzeug hat den Betrieb aufgenommen. Das Abendblatt fuhr mit.

Hamburg.  Bis eben war Renate Grimmelt noch ganz entspannt. Schließlich war der Weg von der HafenCity nach Entenwerder eine ganz normale Busfahrt. Jetzt haben sie und die anderen Fahrgäste eine steile Rampe vor sich, die in die Elbe führt. Vielleicht hätte Renate Grimmelt sich doch weiter nach hinten setzen sollen? Die Hamburg-Touristin aus Essen greift nach der Hand ihres Mannes, als Tourguide Detlef Paulsen sagt: „Falls es zu einer Havarie kommt: Schwimmwesten und Notausstiege sind hinten.“

Der HafenCity RiverBus setzt sich in Bewegung. Für Jan Peter „Fiete“ Mahlstedt ist das der Moment, in dem er vom Busfahrer zum Kapitän wird – und sein Reisebus zum RiverBus. 100-mal schon ist Mahlstedt zum Üben über die Rampe vom Entenwerder Elbpark ins Wasser und wieder an Land gerollt. Hat per Luftpneumatik das Fahrwerk runtergefahren, sodass die Räder nur geringen Wasserwiderstand bieten. Hat die beiden Schiffsmotoren gestartet und statt mit dem Lenkrad mithilfe zweier Handhebel gesteuert.

Doch da war er immer allein im Bus. Jetzt, als die Schnauze des Busses, also der Schiffsbug, in die Elbe eintaucht und das Wasser an der Windschutzscheibe emporblubbert, trägt er die Verantwortung für 30 Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder; außer dem Tourguide ist noch ein Matrose an Bord. Doch Mahlstedt sieht entspannt und glücklich aus. Vier Jahre und einen knappe Million Euro haben er und sein Geschäftspartner Fred Franken in die Planung und die Entwicklung der Idee investiert, mit einem Amphibienfahrzeug eine kombinierte Stadt-Wasser-Rundfahrt anbieten zu können. Am Wochenende hat der HafenCity RiverBus endlich den normalen Betrieb aufgenommen.

Auch von Renate Grimmelt fällt die Anspannung ab, als der Bus jetzt sanft über die Elbe gleitet. Kein Wassereinbruch, keine Schlagseite. Allerdings bittet Paulsen die Passagiere, sitzen zu bleiben, um das Fahrzeug nicht zum Schwanken zu bringen. Mahlstedt steuert den RiverBus in Richtung Billwerder Bucht. „Die Industrieromantik hier kennt kaum einer“, sagt er.

Handys und Kameras werden gezückt. Die Passagiere, bis auf zwei Hamburger alles Touristen, sind begeistert. Viele von ihnen haben schon im März von der geplanten Attraktion gehört. „Das ist mal eine schöne Alternative zu den herkömmlichen Stadt- oder Hafenrundfahrten“, sagen Maike Addicks und Heiner Ruben aus Nordenham, die sechsmal pro Jahr in Hamburg sind. Doch erst seit Freitag konnte die Tour im Internet gebucht werden, denn die Suche nach einem Online-Reservierungsprogramm war ebenso langwierig wie die nach einem Busstellplatz und einem Büro am Brooktorkai. Doch auch hier hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. „Wir haben die schönste Bushaltestelle Hamburgs und konnten am Freitag unser Büro in einem Speicherhaus direkt daneben beziehen“, sagt Fred Franken, gelernter Reiseverkehrskaufmann und lange in der Schifffahrt tätig.

Der RiverBus wurde in Bulgarien als Schiff und in Ungarn als Bus zugelassen

Auch die Verhandlungen mit den Behörden und Zulassungsstellen erforderten starke Nerven – obwohl die in Ungarn gebauten Busse auch in Rotterdam, Lissabon und Budapest unterwegs sind. „Unser RiverBus hat eine europä­­ische Zulassung, wurde in Bulgarien als Binnenschiff und in Ungarn als Reisebus abgenommen“, sagt Franken. Für den Schiffsbetrieb im Hamburger Hafen war eine weitere Begutachtung durch die Hafenbehörde HPA erforderlich: „Das hier geltende Recht für die entgeltliche Personenbeförderung ist dem EU-Recht übergeordnet.“ Aber auch ohne das alles zu wissen, kann man sich an Bord sicher fühlen, zumal der RiverBus durch seine Kastenform sehr ruhig im Wasser liegt.

Nach einer guten halben Stunde steuert Kapitän „Fiete“ Mahlstedt wieder aufs Land zu. Das Hinauffahren auf die rechtwinklig zur Elbe liegende Rampe sei der schwierigste Teil der Tour, sagt er. „Die Strömung der Elbe drückt uns zur Seite. Da muss man schon aufpassen, wenn man nicht in der Böschung landen will.“ Ihm gelingt eine elegante Landung. Ein kleiner Ruck, und die Dieselmotoren springen an, der RiverBus hat wieder festen Boden unter den Rädern. Nach 80 Minuten geht die Tour am Brooktorkai zu Ende. „Das“, sagt Renate Grimmelt beim Aussteigen, „hat sich wirklich gelohnt.“

www.hafencityriverbus.de, Tel. 76 75 75 00, Tickets: Kinder (3–14 Jahre) 20 Euro, Erwachsene 28 Euro, Touren Di bis So jeweils 11.45, 13.45, 15.30, 17.15 Uhr