Hammerbrook

Stürzt Tierheim-Vorstand über rumänische Hunde?

Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Hamburg, Manfred Graff, steht in der Kritik einiger Mitglieder

Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Hamburg, Manfred Graff, steht in der Kritik einiger Mitglieder

Foto: picture alliance / dpa

Mitglieder des Hamburger Tierschutzvereins wollen Vorstand abwählen. Diskussion um Hunde aus Rumänien eskaliert. Lage ist vertrackt.

Hamburg.  Der Hamburger Tierschutzverein (HTV) steckt in der Krise. Im vergangenen Jahr wurde ein Verlust von rund 870.000 Euro verzeichnet, auch weil große Erbschaften ausbleiben. Aber nicht nur das, der Vorstand sieht sich scharfer Kritik einiger Mitglieder ausgesetzt.

Auf der Mitgliederversammlung an diesem Sonnabend ab 14 Uhr wird es zu hitzigen Diskussionen kommen, eine Gruppe von Mitgliedern hat beantragt, die Tagesordnung um den brisanten Punkt „Abberufung des Vorstands aus wichtigem Grund und Einsetzung eines Notvorstands“ zu ergänzen. „Wir sehen keine andere Möglichkeit mehr, der amtierende Vorstand hat den Verein gespalten und kümmert sich im großen Umfang um den Auslandstierschutz – es wurde damit gegen den Zweck des Vereins verstoßen“, sagte Michael Rockel dem Abendblatt. Der Rechtsanwalt ist langjähriges Vereinsmitglied und hat nach eigenen Angaben mehr als 50 Unterschriften gesammelt. Ein Prozent der Mitglieder (zurzeit 4780) können neue Punkte auf der Tagesordnung durchsetzen.

Mitstreiter Ralf Hegmann ergänzt: „Allein im vergangenen Jahr sind 122 Hunde aus Rumänien in das Hamburger Tierheim geholt worden. Das geht aus einer Liste des HTV hervor, durch den Aufenthalt der Hunde im Hamburger Tierheim, wenn man den HTV-Tagessatz von 22 Euro pro Tier und Tag zugrunde legt, rund 146.000 Euro an Kosten entstanden. Damit wurden Vereinsmittel zweckentfremdet.“

Der Erste Vorsitzende Manfred Graff weist die Vorwürfe zurück: „Es trifft zu, dass der HTV seit rund zwei Jahren Auslandstierschutz betreibt. Es trifft nicht zu, dass er damit gegen die Satzung verstößt.“ Allerdings räumt er ein: „Der Auslandstierschutz wurde wie alle satzunsgemäßen Ausgaben aus den Mitteln des HTV bezahlt.“ Es habe allerdings auch besondere Spendenaufrufe gegeben, so Graff weiter.

Die Lage ist vertrackt

Die Lage ist durchaus vertrackt – denn bis zum 8. April waren die Mitglieder aufgefordert, per Briefwahl einen neuen siebenköpfigen Vorstand zu wählen. Die amtierende Zweite Vorsitzende Sandra Gulla hat als Erste Vorsitzende kandidiert, ebenso Vorstandsmitglied Katarina Krause. Der Erste Vorsitzende Manfred Graff kandidiert als Schatzmeister, als Gegenkandidat hat sich Wolf Boettcher aufgestellt. Eigentlich sollten am Sonnabend auf der Mitgliederversammlung unter Tagesordnungspunkt 7 die Ergebnisse der Vorstandswahl vorgestellt werden. Aber: „Da es nach der Abwahl keinen Vorstand mehr gibt, kann dieser, wie es die Wahlordnung verlangt, das Wahlergebnis nicht verlesen und die anwesenden, gewählten Kandidaten fragen, ob sie die Wahl annehmen“, sagt Rockel. Der Noch-Vorsitzende Graff aber meint: „Hinsichtlich des Abwahlantrags ist allerdings nicht klar, auf welchen Vorstand sich dieser bezieht, auf den ausscheidenden oder den neuen.“ Zu den Querelen sagt Graff: „Wir haben keine zerrütteten Verhältnisse, vielmehr eine zunehmende Zahl von Unterstützern. Leider spielen nicht alle Akteure nach Fair-Play-Regeln.“

Nicht nur einige Mitglieder üben Kritik, sondern auch aus den Reihen der 87 Tierheimmitarbeiter ist zu hören, dass das Verhältnis zum Vorstand zerrüttet sei. „Eine konstruktive Zusammenarbeit ist nicht mehr möglich“, so ein Mitarbeiter.

Der HTV ist bekannt für seine Querelen. Der Höhepunkt war 2007 erreicht, als durch Abendblatt-Berichterstattung die Affäre um den damaligen Vorsitzenden Wolfgang Poggendorf bekannt wurde. Der hatte sich am HTV bereichert: Schließlich wurde Poggendorf vom Landgericht Hamburg 2008 wegen Untreue und Unterschlagung zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldbuße von 20.000 Euro verurteilt.