Hamburger Wildtierstation

Wie die Tierbabys in der Süderstraße aufgepäppelt werden

Tierpflegerin
Mandy Schunke-Hinze
füttert ein
Eichhörnchen

Tierpflegerin Mandy Schunke-Hinze füttert ein Eichhörnchen

Foto: Michael Rauhe / HA

Bürger bringen jetzt wieder hilflose Junge in die größte Aufzuchtstation des Nordens. Ein Experte rät allerdings zur Vorsicht.

Hamburg.  Das Baby, das in der Hand von Mandy Schunke-Hinze auf dem Rücken liegt und sich in dieser Position mit ausgestreckten Beinen füttern lässt, ist klein, flauschig und riecht ein bisschen nach verbranntem Fell. Aus einer Minispritze mit einem winzigen Gummisauger träufelt die Tierpflegerin dem Wildkaninchen alle zwei Stunden Aufzuchtmilch in die Schnauze. Das Kaninchen wird hier in der Aufzuchtstation der Wildtierstation im Tierheim Süderstraße aufgepäppelt. Genau wie elf Eichhörnchen, vier weitere Wildkaninchen und drei Feldhasen. Jetzt im Frühling bringen wieder viele Hamburger den ersten Nachwuchs in die Wildtierstation – der größten in Norddeutschland. Doch nicht immer müssen die Tiere überhaupt gerettet werden.

Das junge Wildkaninchen war mit einem inzwischen verstorbenen Geschwisterchen aus einem Bergedorfer Osterfeuer gerettet und ins Tierheim Süderstraße gebracht worden. Die ganz Kleinen bekommen alle zwei Stunden Milch mit anschließender Bauchmassage für die ordentliche Verdauung. Weil Tierpflegerin Mandy Schunke-Hinze das nicht 24 Stunden machen kann, helfen ihre Kollegen im Drei-Schicht-System, in der Nacht unterstützen ehrenamtliche Helfer die Arbeit in der Wildtierstation. Drei frischgeborene Wildkaninchen wurden in einer Sandkiste in einer Grundschule von Schülern gefunden. Damit sie es so gemütlich haben wie im Kaninchenbau, sind sie in dunklen Transportboxen untergebracht, die zusätzlich mit Hand­tüchern und einem Wärmekissen ausgelegt sind.

Was soll man tun, wenn man ein verletztes Tier findet?

In die Wildtierstation, die in verschiedenen Gebäuden auf dem Tierheimgelände liegt, kommen nicht nur Säugetierbabys, sondern auch sechs junge Stadttauben, die am Hafen, in der Innenstadt oder auf St. Pauli gefunden wurden. Auch ein Mäusebussard lebt dort zurzeit. Auch Rehkitze, Waschbären, Füchse können hier versorgt werden.

Nicht immer ist den Leuten klar, welche Tiere sie da abgeben: „Es kamen auch schon Leute, die dachten, sie hätten Pitbullwelpen gefunden. Tatsächlich waren es Hasenbabys“, sagt Tierheimsprecher Sven Fraaß. Namen bekommen die Eichhörnchen, Kaninchen und Häschen keine, um gar nicht erst eine tiefe Bindung zu ihnen aufzubauen. Denn alle Tiere aus der Wildstation werden, sobald sie gesundheitlich dazu in der Lage sind, wieder ausgewildert werden. Das geschieht Schritt für Schritt: Zunächst kommen die Tiere aus den geheizten Innenräumen nach draußen, um sich zu akklimatisieren. Bei den Vögeln werden die Klappen der Volieren geöffnet, sodass die Vögel entscheiden können, wann sie die Station verlassen wollen. Die Kaninchen, Hasen und Eichhörnchen lassen Tierheimmitarbeiter außerhalb Hamburgs in der Natur wieder frei.

2015 nahm die Station 3700 Wildtiere auf. Häufig macht der Wildtiernachwuchs aber irrtümlicherweise einen verwaisten und hilfebedürftigen Eindruck. „Die Kleinen, die man scheinbar hilflos am Wegesrand sieht, sind zumeist nicht unterversorgt“, sagt Manfred Graff, Erster Vorsitzender des Hamburger Tierschutzvereins. Hier beantwortet er Fragen, was zu tun ist, wenn Spaziergänger ein Wildtier finden.