HafenCity

Wenn der Riverbus eine große Welle macht

Der Riverbus ist mehr Schiff als Kraftfahrzeug – und mehr als nur ein Gag. Am Steuer sitzt ein Kapitän, der Busfahren lernen musste.

Rothenburgsort.  Der erste Eindruck? Man sitzt in einem typischen Reisebus: bequeme Zweiersitze, dazwischen ein Mittelgang, große Fenster, und selbst das Schild ganz vorne mit dem Hinweis, dass man während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen dürfe, fehlt nicht. Doch als fast alle Passagiere dieser ersten öffentlichen Vorstellungstour mit dem neuen HafenCity-Riverbus zur Seite mit dem besseren Ausblick auf die Norderelbe streben, werden sie daran erinnert, dass dieses Fahrzeug wohl doch etwas anders ist. Man möge sich bitte etwas verteilen, sagt Riverbus-Geschäftsführer Fred Franken. Wegen der drohenden Schlagseite.

Und dann rollt der Bus an, steuert auf eine Rampe zu, die hier an der Elbinsel Entenwerder ins Wasser ragt. Ganz vorne, wo andere Busse vielleicht einen Kühlergrill haben, ist hier ein schwerer Anker installiert. Ist er doch eher ein Schiff? Viel wurde in den vergangenen Tagen in der Stadt darüber diskutiert. Mancher fand das neue Rundfahrtangebot mit dem Bus-Boot-Mix „albern“, andere freuten sich über eine frische Idee für Hamburg.

Innen steuert Frankens Geschäftspartner Jan-Peter Mahlstedt zunächst mit einem großen Lenkrad, zusätzlich zum Gaspedal hat er aber auch zwei Handhebel: für den doppelten Jetstream-Antrieb zur Wasserfahrt. Seit gut vier Jahren arbeiten die beiden an dieser Idee, mit einem Amphibienfahrzeug eine kombinierte Stadt-Wasser-Rundfahrt anbieten zu können. Beide sind gelernte Kaufleute mit seemännischer Erfahrung. Jahrelang war Mahlstedt Kapitän auf Megayachten, zuletzt steuerte er Schlepper durch den Hafen. Jetzt musste er noch einen Busführerschein nachmachen.

In Singapur hatte Franken zum ersten Mal einen solchen schwimmenden Bus gesehen, beliebt sind diese Touren auch in Rotterdam und Lissabon. In Deutschland wollten die beiden Freunde nun die ersten mit einem solchen Projekt sein. „Wenn nicht in Hamburg, wo dann?“, fragt Franken in die Runde der Premierenfahrgäste. Knapp eine Million Euro haben sie in Entwicklung und Umsetzung investiert, etliche Prüfungen mussten sie auf dem Weg zur Realisierung absolvieren. Der Riverbus ist vom deutschen „Schiffs-TÜV“, dem Germanischen Lloyd, zertifiziert. Und er hat auch eine besondere Zulassung für die Passagierfahrt von der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA), die bei solchen Sachen als besonders streng gilt.

Frühere Vorstöße für eine Art Wassertaxi in Hamburg scheiterten jedenfalls schon einmal wegen Sicherheitsbedenken der HPA. Und gegen viel Widerstand setzte die Hafenbehörde vor einigen Jahren höhere Sicherheitsstandards bei den klassischen Rundfahrtbarkassen durch.

Leitartikel: Bitte einsteigen!

Auch der Riverbus musste erst zeigen, dass er aus HPA-Sicht elbtauglich ist. „Die Testfahrten mit dem Schwimmbus waren erfolgreich“, sagt HPA-Sprecherin Sinje Pangritz. Man habe daher die Erlaubnis für das Befahren im östlichen Bereich der Elbe bis zur Höhe des Magdeburger Hafens erteilt. Weiter zu den großen Terminals darf der Bus aber bisher nicht fahren. Ob das alles tatsächlich ausreicht, um wirklich ins Wasser zu fahren? Mancher der ersten Fahrgäste blickt skeptisch auf die steile Rampe. Noch einmal wird man ermahnt, jetzt nicht aufzustehen. Notfallausstiege werden gezeigt und wo die Schwimmwesten sind. Für den Fall der Fälle.

Eben noch richtiges Schiff, nun wieder ein richtiger Bus

Schließlich rollt der Bus herunter Richtung Elbe. Vorne an der Windschutzscheibe brodelt das Wasser hoch wie bei einem Stein an einem Gebirgsbach, als er kurz eintaucht. Dann richtet sich der Bus sofort auf. Und schwimmt! Mahlstedt schaltet die beiden Jetdüsen zu, die achtern angebracht sind und mit denen er auch lenken kann. Das Dieselbrummen ist jetzt durch das Rauschen des Wasserantriebs abgelöst. Derweil holen sich die Fotografen an Land nasse Füße, als die ersten Bugwellen ans Ufer schwappen. Ist eben doch ein Schiff.

Der Bus nimmt nun Kurs auf die Elbbrücken, dreht dann nach ein paar Minuten wieder in einer große Schlaufe durch seine eigenen Wellen. Kaum merklich bewegt sich das Fahrzeug, das sehr steif im Wasser liegt. Der Riverbus sei eben vor allem als Wasserfahrzeug konstruiert, versichert Franken. „Oben ist alles aus bestem Schiffsstahl.“

Später soll der Riverbus dann von der Norderelbe weiter Richtung HafenCity und Speicherstadt fahren, wo er an einer eigenen Haltestelle gegenüber vom Maritimen Museum starten wird.

Kapitän Mahlstedt nimmt nach kurzer Runde schließlich wieder Kurs auf die Rampe in Entenwerder. Mit strammer Fahrt hält er aufs Land zu. „Stopp“, möchte man rufen. Für jemanden, der viel mit Booten unterwegs ist, fühlt sich dieses Tempo irgendwie falsch an. Man erwartet den großen Rums. Doch nur ein kurzes Nicken geht durch das Fahrzeug, dann rollt es ganz sanft die Rampe wieder hoch. Eben noch richtiges Schiff, ist es nun wieder ein richtiger Bus.