Gastronomie

Das sind Hamburgs geheime Fast-Food-Riesen

Kinoleiter Thilo
Pickartz vom
Cinemaxx in
Hannover mit dem
Bestseller der
Hamburger
Kinokette. Fast 50
Millionen Euro hat
das Unternehmen
2015 mit Popcorn,
Snacks und
Getränken
umgesetzt

Kinoleiter Thilo Pickartz vom Cinemaxx in Hannover mit dem Bestseller der Hamburger Kinokette. Fast 50 Millionen Euro hat das Unternehmen 2015 mit Popcorn, Snacks und Getränken umgesetzt

Foto: Cinemaxx

Cinemaxx, Edeka oder Shell erlösen mit Snacks Millionen. Und sie wachsen mindestens so kräftig wie McDonald’s & Co.

Hamburg.  Wer auf die Schnelle Hamburgs größten Gastronomen benennen sollte, käme vermutlich auf Steakhaus-König Eugen Block. Kenner der Szene fiele darüber hinaus vielleicht noch Joey’s Pizzaservice oder die Coffeeshopkette Balzac ein. Aber Cinemaxx, Edeka oder Merlin Entertainment? Was haben diese Konzerne mit Gastronomie zu tun? Tatsächlich erwirtschaften Hamburgs heimliche Fast-Food-Größen hohe Millionenumsätze mit Snacks und anderen Kleinigkeiten, ohne dies an die große Glocke zu hängen. Das geht aus dem jährlichen Ranking der Fachzeitschrift Foodservice hervor, das die Entwicklung der größten 100 Unternehmen der Systemgastronomie in Deutschland abbildet und am Mittwoch in der Hansestadt vorgestellt wurde.

So kam etwa die Hamburger Kinokette Cinemaxx im vergangenen Jahr durch den Verkauf von Popcorn, Nachos und Softdrinks auf einen Umsatz von fast 50 Millionen Euro, was immerhin für Platz 61 unter den deutschen Topgastronomen reichte. Auch dank hoher Besucherzahlen durch Kassenschlager wie „Star Wars“ waren das nach Angaben von Foodservice noch einmal gut sechs Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor.

„2015 war ein großartiges Kinojahr für die Branche und entsprechend der deutlichen Besuchersteigerung haben sich bei uns auch die Gastronomieumsätze entwickelt“, sagt Cinemaxx-Chef Carsten Horn dem Abendblatt, ohne die Zahlen exakt zu bestätigen. Insgesamt machen die Erlöse mit Essen und Trinken nach seinen Worten rund ein Viertel der Gesamtumsätze des Unternehmens aus. Zu dem positiven Trend hätten auch viele Aktionsmenüs beigetragen.

Aus der Unterhaltungsbranche stammt auch ein anderes Unternehmen, das niemand im ersten Moment mit Gastronomie in Verbindung bringen würde: Merlin Entertainments. Zu den Briten und ihrer Hamburger Deutschlandzentrale zählen Freizeitparks wie das deutsche Legoland oder der Heidepark in Soltau, sowie das Hamburg Dungeon. Wenn die Besucher nach einer aufreibenden Achterbahnfahrt in den Dämonengrill oder das Restaurant Capitol im Heidepark strömen, dann füllt das bei der Muttergesellschaft die Kasse. Erlöse im vergangen Jahr: 38 Millionen Euro.

Zu kleinen Imbissen haben sich in den vergangenen Jahren auch die Tankstellen von Shell oder Esso entwickelt, deren Deutschlandzentralen sich ebenfalls in der Hansestadt befinden. Größtes Unternehmen unter den unbekannten Systemgastronomen ist aber die Hamburger Supermarktkette Edeka mit einem geschätzten Umsatz von 198 Millionen Euro – ein Plus von 18 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Das hat weniger damit zu tun, dass diverse selbstständige Kaufleute mittlerweile den Mittagstisch als lukratives Zusatzgeschäft für sich entdeckt haben. Die Millioneneinnahmen ergeben sich vielmehr durch die Beteiligung an diversen Bäckerketten wie Schäfer’s, K&U oder Wünsche, die heutzutage auch diverse Snacks und kleine Gerichte verkaufen. Sie operieren alle außerhalb von Hamburg. So ist Schäfer’s unter anderem in Niedersachsen, Berlin und Brandenburg aktiv und gehört zur Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover.

Insgesamt haben die größten Gas­tronomen Deutschlands im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 4,9 Prozent auf 12,6 Milliarden Euro steigern können. Das war der zweitbeste Wachstumswert der vergangenen acht Jahre, nur 2011 war das Plus noch ein wenig höher. „Gründe für diese Entwicklung waren zum einen die exzellenten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das sehr gute Konsumklima“, sagt Gas­tro-Expertin Gretel Weiß von Foodservice. Zudem hätten sich die Beschaffungsmärkte entspannt und die Kosten für Rohstoffe spürbar verringert.

Auf ihren alten Wachstumspfad sind vor allem die zuvor schwächelnden US-Konzerne zurückgekehrt. Branchenprimus McDonald’s hatte lange den Bezug zu neuen Trends verloren und versuchte zuletzt mit höherwertigen Produkten wie einem Bio-Burger umzusteuern. Offenbar mit Erfolg: Die Amerikaner erlösten in Deutschland laut Schätzung rund 70 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und liegen weiter mit gut drei Milliarden Euro Gesamtumsatz uneinholbar an der Spitze. Auch die Nummer 2 Burger King konnte sich von den Skandalen um mangelhafte Zubereitung und schlechte Bezahlung der Mitarbeiter wieder erholen und legte rund 35 Millionen Euro zu.

Der größte Gewinner des Jahres 2015 ist allerdings die Edelburgerkette Hans im Glück mit Hauptsitz in München. Die ausgefallenen Kreationen von Burgern mit Rote-Beete-Creme oder Walnussbratlingen kamen so gut an, dass die Erlöse um fast 100 Prozent auf 86,8 Millionen Euro in die Höhe schnellten. Vor allem bei der weiblichen Kundschaft konnten die Bayern punkten.

Wie berichtet hat sich die Kette mittlerweile allerdings aufgespalten. Der norddeutsche Franchisenehmer Patrick Junge ist mit seinen zwölf Restaurants im Streit ausgestiegen und macht seinem Ex-Partner nun mit dem neuen Konzept Peter Pane Konkurrenz. Beide Unternehmen wollen aber weiter kräftig wachsen und planen auch neue Burgergrills in Hamburg.

Die bekannten Hamburger Gastronomen haben sich in diesem Umfeld überwiegend gut geschlagen und mit dem Markt zugelegt. So konnte die Block-Gruppe den 13. Platz unter den Topgastronomen verteidigen. Auch Joey’s Pizza Service legte kräftig zu und blieb auf Rang 15. Hier wird es in diesem Jahr aber ebenfalls starke Veränderungen geben, weil die Hamburger an den Konkurrenten Domino’s verkauft wurden, der alle Standorte umbenennen möchte. Fraglich ist, ob der in Deutschland bekannte Lieferservice auch unter der neuen Marke funktioniert. Bislang ist Domino’s in der Bundesrepublik nur wenig erfolgreich.

Schlecht lief es im vergangenen Jahr für die Restaurantkette Schweinske. Statt wie geplant neue Franchisenehmer zu akquirieren, sank die Zahl der Restaurants um zwei auf 36, auch der Umsatz war rückläufig. Erstmals nicht mehr unter den Top-100-Gastronomen vertreten ist die Hamburger Coffeeshop-Kette Balzac. Seit der Fusion mit Konkurrent World Coffee tritt das Unternehmen auf der Stelle.