"Hafencity Riverbus"

Wie ein Bus schwimmen lernt: Freude über Attraktion wächst

„HafenCity RiverBus“ fährt zu Lande und zu Wasser. Voraussichtlich Mitte April soll der Betrieb starten. Touristen gefällt die Idee.

Hamburg.  Wie eine Fontäne schießt das Wasser an der Windschutzscheibe hoch. Die Scheibenwischer des Fahrzeugs bringen Höchstleistung, um gegen die Mengen an Elbwasser anzukommen. Hier hat der Begriff „Spritztour“ mal eine ganz eigene Bedeutung. Es sprüht, es tropft an den Fenstern hinab, dann ist der Blick auf das Panorama wieder ungetrübt. Sekunden nur dauert der Übergang von der Straße zum Fluss, die Verwandlung vom Bus zum Schiff. Und doch sind es wohl diese kurzen, besonderen Momente, die den Höhepunkt bilden auf einer Tour, mit der demnächst auf ungewöhnliche Art Hamburg neu entdeckt werden kann. Voraussichtlich von Mitte April an soll das Amphibienfahrzeug „HafenCity RiverBus“ Stadtrundfahrten der anderen Art anbieten.

Eine spannende Kreuzung von Bus und Barkasse macht es möglich. „Der RiverBus ist ein Amphibienfahrzeug, das für die Touren durch Hamburg völlig neu entwickelt wurde“, sagt der Sprecher von „HafenCity RiverBus“, Benoît Surin. „Es ist ein Prototyp. Aber natürlich haben wir uns vorher ähnliche Modelle wie zum Beispiel in Rotterdam und Lissabon angeguckt.“ An der Entwicklung des Hamburger Modells waren die beiden Betreiber von RiverBus, Jan Peter Mahlstedt und Fred Franken, maßgeblich beteiligt. Das Fahrzeug kommt ohne Ausleger aus, um das Gleichgewicht zu halten, und kann gewissermaßen „auf dem Teller“ drehen. Es hat ein Gewicht von 18 Tonnen und bringt es auf eine Länge von knapp über zwölf Metern bei einer Breite von 2,54 Meter und einer Höhe von 3,75 Meter. Es soll 36 Passagieren und drei Crewmitgliedern Platz bieten. Noch wird der Bus „lackiert und gebrandet“, also beschriftet, erklärt Surin. „Für den Betriebsstart rechnen wir mit Mitte April. In den nächsten Tagen startet der Umbau der Rampe, über die der Bus ins Wasser geht.“

Die geplante Route für die rund 80 Minuten lange neue Stadtrundfahrt beginnt nach bisherigen Planungen an der Brooktorkaibrücke in der Speicherstadt (wir berichteten) und geht dann an der Insel Entenwerder in Rothenburgsort über die Rampe in die Elbe. Die genaue Strecke ist noch nicht festgelegt. Auch wie hoch der Fahrpreis genau sein wird, steht noch nicht fest.

Vor zwei Tagen erst hat das ungewöhnliche Fahrzeug die offizielle Zulassung für die entgeltliche Personenbeförderung bekommen und wird damit das erste dieser Art in Deutschland sein. „Es hat zuvor 25 bis 30 Testfahrten gegeben“, sagt Surin. Das Fahrzeug sei so gebaut worden, dass es bei Wetterbedingungen bis zu sechs Windstärken auf Tour gehen könne. „Wir fahren aber auf der Elbe, und es entstehen keine Wellen wie auf dem Meer.“

Zwei unterschiedliche Motoren treiben das Amphibienfahrzeug an. An Land sorgt ein 290-PS-Motor für die nötige Leistung, im Wasser sind es zwei Antriebe mit jeweils 156 PS. Der schwimmende Rundfahrtbus bringt es an Land auf etwa 65 Kilometer pro Stunde, im Wasser wird er mit rund sieben Knoten unterwegs sein, was circa Tempo 13 entspricht. Der Fahrer braucht sowohl ein Kapitänspatent als auch einen Busführerschein.

So oder so ähnlich könnte die Route aussehen:

Positive Resonanz für die geplante neue Stadtrundfahrt kommt aus der Tourismus-Branche: Rolf Strittmatter, kommissarischer Hamburg Tourismus (HHT)-Chef, sagt: „Das ist eine Bereicherung für den Hamburger Hafen und wird sicherlich insbesondere für Familien mit Kindern eine Attraktion sein.“ Norbert Aust, Vorsitzender des Tourismusverbandes Hamburg, sagt: „Der RiverBus bringt Hamburg auf jeden Fall Aufmerksamkeit, und das ist natürlich ein positiver Effekt. Zudem ist es etwas, was es so im Hafen noch nicht gibt.“

Heinrich Schuster, der Chef des Stadtrundfahrtenanbieters Die Roten Doppeldecker, sieht das neue Angebot nicht als Konkurrenz: „Das Riverboat wird ja vor allem auf dem Wasser eingesetzt und nicht für eine klassische Stadtrundfahrt. Es ist eine weitere Attraktion und wir werden uns bemühen, mit dem Anbieter zu kooperieren.“ Und Christa Rduch, Geschäftsführerin von „Die gelben Doppeldecker“, sagt über den RiverBus: „Leute werden da immer einsteigen.“ Angesichts der möglichen Konkurrenz sagt sie: „Ich bin da sehr entspannt. Jeder hat sein Publikum.“

Touristen scheint die Idee der neuen Stadtrundfahrt zu gefallen. Ein Paar aus Nürnberg sagt: „Das können wir uns gut vorstellen.“ Eine junge Frau aus München ist dagegen skeptisch. „Klassisch ist, dass man in Hamburg eine Hafenrundfahrt macht. Ob sich da etwas anderes etablieren kann, weiß ich nicht.“ Eine Frau aus Hessen kennt die Amphibienfahrzeuge aus Amsterdam. „Das hat mir damals gut gefallen. Ich würde es wieder machen.“