Schifffahrt

Das sind Hamburgs neue Pläne für den Hafen

Ein Schlepper fährt am Containerterminal Burchardkai vorbei. Der Senat will im Hafen neben dem Containerumschlag auch Industrieproduktion etablieren

Ein Schlepper fährt am Containerterminal Burchardkai vorbei. Der Senat will im Hafen neben dem Containerumschlag auch Industrieproduktion etablieren

Foto: dpa

Senat ändert seine Ideen für den Mittleren Freihafen. Dort könnte nun ein Zentrum für 3-D-Druck oder Elektroautos entstehen.

Hamburg.  Die Pläne für den Bau eines neuen Terminals für Containerumschlag im Mittleren Freihafen sind endgültig vom Tisch. Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) hat diese Pläne mit einem Satz beerdigt. Vor Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft sagte er: „In absehbarer Zeit wird der Containerhandel nicht mehr diese Zuwachsraten erreichen, die wir in der Vergangenheit hatten.“

Stattdessen soll auf der Elbinsel Steinwerder etwas Neues entstehen, und deshalb müsse die Firma Buss ihren Terminalbetrieb dort räumen, sagte Horch vor dem Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft. Anstatt des Umschlags von Stahlboxen sollen jetzt „zukunftsfähige Industriebetriebe“ angesiedelt werden. Denkbar sei die Einrichtung eines Mehrzweckterminals mit hafennaher Industrieproduktion auf dem Areal, das insgesamt 125 Hektar umfasst. „Wir brauchen eine weitsichtige, langfristige Planung bis zum Ende der nächsten Dekade. Ziel ist es, eine möglichst große Wertschöpfung auf den Flächen zu erreichen“, sagte Horch zu den Ausbauplänen über das mitten im Zentrum des Hamburger Hafens liegende und damit für den Wirtschaftsstandort wichtige Gebiet.

Was geeignete zukunftsfähige Industrien für den Standort sind, hat der Senat bereits durch die Unternehmensberatung A. T. Kearney ausloten lassen. Denkbar ist die Endfertigung umweltfreundlicher Elektrofahrzeuge. Dabei könnten die Batterien auf Schiffen aus China kommen, die Getriebe indes aus Deutschland – und beide würden im Hafen zusammengeschraubt. Die Herstellung von Großmaschinen, etwa für den Bergbau, sei zur Ansiedlung ebenso geeignet wie Industrieproduktion für Schienenfahrzeuge. Auch Hightech-Unterseekabel für die Offshore-Indus­trie, leichtgewichtige Karbonfaserteile für Luftfahrtunternehmen oder 3-D-Druckverfahren seien im Mittleren Freihafen denkbar. Konkrete Angebote präsentierte Horch aber nicht, was von den Oppositionsabgeordneten umgehend moniert wurde.

Und wie genau wird die Infrastruktur ausgebaut? Die Hafenplaner diskutieren derzeit vier Varianten. Die erste Variante ist eine verkleinerte Version des ursprünglich geplanten Central Terminals Steinwerder (CTS) mit 90 Hektar Fläche und einer 1000 Meter langen Kaimauer – aber nicht für Containerumschlag. Variante 2 sieht die Verfüllung des Travehafens vor, wodurch eine etwa 50 Hektar große Industriefläche entstehen würde. Variante 3 wiederum beinhaltet ein kleines Gebiet von 42 Hektar im Süden des Areals im Rosshafen. Die vierte Variante ist ein Zusammenschluss aus 2 und 3, woraus sich ein größeres Hafengelände von 68 Hektar Größe ergebe.

Die Firma Buss muss bis Mitte 2017 das Gelände des Hansa-Terminals räumen

Noch in diesem Jahr wird bestimmt, welche Variante verfolgt wird. „Es ist vorgesehen, dass der Aufsichtsrat der Hamburg Port Authority bis Mitte des Jahres eine Grundsatzentscheidung fällt“, sagte der Geschäftsführer der Hafenbehörde, Wolfgang Hurtienne, im Wirtschaftsausschuss. „Dann könnte bereits 2017 mit den Arbeiten begonnen werden, die sich je nach Größe des Projekts bis 2023 oder länger hinziehen.“

Ein ambitioniertes Unterfangen. Denn Horch hat dem Unternehmen Buss noch bis Mitte des Jahres 2017 eine Übergangsfrist zur Räumung des Hansa-Terminals eingeräumt, wie der Senator im Ausschuss sagte. Rund 30 Buss-Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze künftig wegfallen, verfolgten Horchs Vortrag, der insbesondere die Geschäftsführung von Buss in der Verantwortung sieht: „Das Unternehmen weiß seit 2005, dass die Vertragslaufzeit enden wird. Es ist dafür großzügig entschädigt worden.“ Es sei in erster Linie Aufgabe der Geschäftsführung von Buss, sozialverträgliche Lösungen für seine Mitarbeiter zu finden, sagte Horch. Zugleich kündigte er eigene Gespräche mit dem Betriebsrat an.

Das besänftigte die Opposition in der Bürgerschaft nicht. CDU und FDP warfen dem Senator vor, keine klare Strategie für den Ausbau des Mittleren Freihafens zu haben. „Sie machen Hafenpolitik auf Sicht“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Jens Wolf. Die Pläne seien viel zu allgemein gehalten. Klare Auskünfte, wie der Hafen ausgebaut werden solle, fehlten.

Die Linksfraktion bezweifelt hingegen, dass der Umbau im Hafen überhaupt notwendig ist. „Ich bin über die Pläne entsetzt“, sagte der Linken-Wirtschaftsexperte Norbert Hackbusch. „Sie wollen ein funktionierendes Terminalunternehmen mit rund 100 Arbeitsplätzen für diesen abstrakten, veralteten Plan schließen, in dem sie noch ein bisschen herumgemalt haben“, warf Hackbusch dem Senator vor.

Sogar der SPD-Abgeordnete und langjährige ehemalige Betriebsratschef der HHLA, Arno Münster, äußerte Kritik. „Wie sieht denn ein Sozialplan für die Buss-Mitarbeiter aus?“, fragte er. „Die kriegen eine Abfindung und sollen sich außerhalb des Hafens einen neuen Job suchen. Es gibt aber woanders keine Jobs für Hafenarbeiter.“ Münster schlug deshalb dem Senator vor, über den Aufsichtsrat der HHLA darauf hinzuwirken, dass einige der Buss-Mitarbeiter bei der HHLA einen Job finden. Auch mit Konkurrent Eurogate solle man reden. Für diese Aussage gab es aus den hinteren Reihen spontanen Applaus, obgleich so etwas in einem Ausschuss eigentlich verboten ist.