Totes Flüchtlingskind

Nach Tod von Rana: Neue Hinweise auf Behandlungsfehler

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Christoph Heinemann
Rana lebte mit ihren Eltern und Geschwistern in der Erstaufnahme Rugenbarg, einem ehemaligen Baumarkt

Rana lebte mit ihren Eltern und Geschwistern in der Erstaufnahme Rugenbarg, einem ehemaligen Baumarkt

Foto: Klaus Bodig

Arztbericht soll Indizien für mögliche Behandlungsfehler der Ärzte enthalten. CDU will Flüchtlingskinder besser versorgen.

Hamburg.  Im Falle des verstorbenen Flüchtlingsmädchens Rana S. mehren sich die Hinweise auf Versäumnisse der behandelnden Ärzte. Wie zwei mit dem Fall vertraute Personen dem Abendblatt bestätigten, wurde die Behandlung des Mädchens in der Erstaufnahme Rugenbarg mangelhaft protokolliert. Demnach trugen die behandelnden Mediziner nach der ersten Untersuchung nur Fieber in ein Behandlungsprotokoll ein, aber nicht die weiteren vorliegenden Symptome Erbrechen und Durchfall.

„Das muss entweder schlampige Dokumentation oder ein klarer Diagnosefehler sein, weil das Kind nicht gründlich untersucht wurde“, sagte eine der mit dem Fall vertrauten Personen, die anonym bleiben wollen. Diese Version deckt sich auch mit der Schilderung der Eltern von Rana S.

Weder die Staatsanwaltschaft noch das behandelnde UKE wollten den Inhalt der Behandlung unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen kommentieren. Von einem Kenner des Vorgangs heißt es, dass „das Mädchen aber unabhängig vom Zeitpunkt der Diagnose möglicherweise kaum eine Überlebenschance hatte“. Rana S. wurde am dritten Tag ihrer Erkrankung am Abend des 22. Januar zunächst ins Altonaer Kinderkrankenhaus gebracht und starb am 3. Februar im UKE.

Nach der Obduktion des Leichnams führt die Staatsanwaltschaft weiterhin ein Todesermittlungsverfahren. Rana S. lebte mit ihren Eltern seit Ende Oktober am Rugenbarg, schon im November wurde sie wegen einer Erkrankung in ein Krankenhaus gebracht.

Werden Kinder ausreichend versorgt?

Am Donnerstagabend wurden der Fall und die medizinische Versorgung von Flüchtlingen im Beisein von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) im Gesundheitsausschuss der Bürgerschaft diskutiert.
Wie aus der Senatsantwort auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Karin Prien hervorgeht, steht in 31 Erstaufnahmeeinrichtungen in Hamburg inzwischen ein Kinderarzt jeweils bis zu acht Stunden pro Woche zur Verfügung. Kleinkinder und Säuglinge würden aber nicht systematisch beim Einzug auf Untergewicht untersucht.

Für Karin Prien „ist der Standard der kinderärztlichen Versorgung unzureichend“. In einem Antrag fordert die CDU-Fraktion neben einer Eingangsuntersuchung auch eine Patientenakte für jeden Flüchtling. Bislang werden die Befunde zum Teil elektronisch, zum Teil aber auch auf simplen Karteikarten notiert.
„Wichtig ist uns auch, dass zukünftig Entscheidungen über Notfälle nicht mehr vom Wachpersonal getroffen werden können“, sagte Prien. Bislang dienen die Wachleute und Sozialarbeiter für erkrankte Flüchtlinge als erste Anlaufpunkte.

In der Senatsantwort spricht die Gesundheitsbehörde von etwa zehn Fällen, in denen untergewichtige Kinder seit Oktober aufgefallen seien. Ärzte berichteten von deutlich mehr Fällen, so habe es schon vier mangel­ernährte Kinder gleichzeitig gegeben.

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