Hamburg

Justizbeamter muss auf die Toilette – Gefangener flieht

Als ein ein Justizbediensteter ihn während einer begleiteten Ausführung kurz allein ließ, suchte der Gefangene das Weite

Als ein ein Justizbediensteter ihn während einer begleiteten Ausführung kurz allein ließ, suchte der Gefangene das Weite

Foto: Patrick Seeger / dpa

Toilettengänge von Justizbediensteten sollen nach diesem Fall nun besser geregelt werden. Der Geflohene kehrte fünf Tage später zurück.

Hamburg.  Andre S., 38, nutzte den Moment kaltblütig aus. Der Gefangene der Sozialtherapeutischen Anstalt suchte das Weite, als ein Justizbediensteter ihn während einer begleiteten Ausführung kurz allein ließ, um auf die Toilette zu gehen. Wie aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Anna von Treuenfels-Frowein (FDP) hervorgeht, hatte sich der Bedienstete vorher die Erlaubnis geholt, pinkeln zu gehen.

Zunächst hatte sich Andre S. am 5. Februar die Haare schneiden lassen. Um die Zeit bis zu einem Beratungstermin zu überbrücken, gingen der Justizangestellte und Andre S. in eine Backstube in St. Georg, tranken einen Kaffee. „Der Gefangene nutzte hier einen Toilettengang des Bediensteten, um zu entweichen“, teilte der Senat mit. An­dre S. war bereits zu drei Beratungs­gesprächen ausgeführt worden. Wie üblich teilte die Anstaltsleitung dem Justizbediensteten auch am 5. Februar mit, wie die Ausführung ablaufen sollte. „Als Weisung wurde die ständige Beaufsichtigung, außer bei Toilettengängen und der Teilnahme am Beratungstermin, angeordnet“, so der Senat. Mit dieser Anordnung sei aber „die Entweichung des Mannes begünstigt worden“.

So viel Nonchalance im Umgang mit den natürlichen Bedürfnissen ihrer Bediensteten will die Justizbehörde den Vollzugsanstalten künftig nicht mehr durchgehen lassen. Ausführungen müssten so gestaltet werden, „dass mögliche Entweichungsversuche durch die Festlegung entsprechender Sicherungsmaßnahmen während notwendiger Toilettengänge vereitelt werden können.“ Andre S. kehrte fünf Tage später freiwillig in die Anstalt zurück – strafbar war seine Flucht nicht.