Gabelstablerhersteller

Jungheinrich eröffnet neue Zentrale in Wandsbek

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Heiner Schmidt
Die Besitzerinnen und ihr Vorstandschef: Ursula Lange (l.) und Hildegard Wolf, die Töchter von Gründer Friedrich Jungheinrich, mit Hans-Georg Frey

Die Besitzerinnen und ihr Vorstandschef: Ursula Lange (l.) und Hildegard Wolf, die Töchter von Gründer Friedrich Jungheinrich, mit Hans-Georg Frey

Foto: Andreas Laible

Hamburger Gabelstaplerhersteller hat 25 Millionen Euro in die Konzernverwaltung am Traditionsstandort in Wandsbek investiert

Hamburg.  Das Gebäude ist neu gebaut, vor wenigen Wochen erst sind die Mitarbeiter eingezogen, doch bei der offiziellen Einweihung der Konzernzentrale der Jungheinrich AG war Mittwochabend viel von „Tradition“, „Rückkehr“ und „Wurzeln“ die Rede. „Herzlich willkommen am traditionellen Unternehmenssitz von Jungheinrich“, begrüßte der Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Frey die mehr als 100 geladenen Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zur Feierstunde in der neuen Zentrale.

Sie steht am Friedrich-Ebert-Damm in Wandsbek auf genau dem Grundstück, auf dem vor knapp 60 Jahren der Aufstieg des Hamburger Familienunternehmens zu einem Maschinenbaukonzern von Weltrang und zum weltweit drittgrößten Gabelstaplerhersteller Fahrt aufnahm. 1958 – fünf Jahre nach der Gründung durch Friedrich Jungheinrich – war das Unternehmen nach Wandsbek gezogen, bis in die 90er-Jahre hinein wurden am Friedrich-Ebert-Damm Stapler und Hubwagen im typischen Jungheinrich-Gelb gefertigt.

“Es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln unseres Unternehmens“

Die Konzernzentrale blieb sogar bis 2007 am Standort, dann zogen auch die damals 400 Mitarbeiter der Verwaltung aus. Sie saß in den vergangenen Jahren in einem gemieteten Bürokomplex in einer nahe gelegenen Seitenstraße Von dort sind nun 550 Mitarbeiter zurückgekehrt. „Auch wenn wir nie weit weg waren, es ist eine Rückkehr zu den Wurzeln unseres Unternehmens“, sagte Frey.

Kontinuität herrscht auch bei den Besitzverhältnissen: Zwar ist Jungheinrich schon seit vielen Jahren eine Aktiengesellschaft und wird im MDAX notiert, doch zugleich ist der Konzern weiter ein Familienunternehmen. Die Aktien mit Stimmrecht werden je zur Hälfte von den Familien der Jungheinrich-Töchter Hildegard Wolf und Ursula Lange gehalten.

Beide treten in der Öffentlichkeit nur selten auf, und auch bei der Einweihung hielten sie sich im Hintergrund. „Super“ sei das neue Gebäude, sagte Ursula Lange am Rande des Festakts. Sie selbst hatte in den ersten Jahren nach der Gründung, als Jungheinrich noch in gemieteten Gebäuden produzierte, im Unternehmen des Vaters mitgearbeitet. Die Besitzerfamilien und das Unternehmen haben 2004 die Friedrich-Jungheinrich-Stiftung gegründet, aus deren Erträgen Wissenschaftler und Forschung in den Gebieten Elektrotechnik, Maschinenbau und Logistik unterstützt werden.

Vorstandschef Frey betonte, das neue Gebäude am alten Standort zeige auch, dass Jungheinrich als modernes und solides Hamburger Familienunternehmen seinen Wachstumskurs in der Hansestadt fortsetzen wolle. „Ich bin sehr froh, dass unsere Familiengesellschafter mit ihrer Unterstützung dieser neuen Konzernzentrale ein klares Bekenntnis zum Standort Hamburg gesetzt haben.“ Der Stadt und dem Bezirk Wandsbek dankte Frey, dass sie die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen hatten, das firmeneigene Grundstück mit dem Verwaltungsgebäude neu zu bebauen. „Wir sind uns sicher: Industrie tut gut – leider wird das nicht immer in unserer Stadt so wahrgenommen. Es ist vor allem die Industrie, die Arbeitsplätze schafft und damit den Wohlstand sichert.“

In Metropolregion beschäftigt Jungheinrich 2700 Menschen

Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) lobte die Entscheidung für den Neubau in Wandsbek als ein „starkes Zeichen für das große Vertrauen in den Standort Hamburg“ und betonte, die Industrie sei ein Garant für die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Der Gabelstaplerhersteller, der bereits seit Jahren auch ein bedeutender Anbieter hochautomatisierter Logistiksysteme ist, steht vergleichsweise gut da und hat ehrgeizige Ziele: Der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf mehr als 2,7 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter wuchs ebenfalls deutlich auf annähernd 14.000 weltweit. Mehr als die Hälfte davon haben ihren Arbeitsplatz außerhalb Deutschlands. In der Metropolregion Hamburg beschäftigt Jungheinrich in der Hamburger Zentrale, den Werken in Norderstedt und Lüneburg und im Zentrallager in Kaltenkirchen etwa 2700 Mitarbeiter.

Bereits in diesem Jahr solle sich der Konzernumsatz der Drei-Milliarden-Euro-Marke nähern, kündigte Vorstandschef Frey an. Im Jahr 2020 sollen es dann bereits vier Milliarden Euro sein.

25 Millionen Euro Baukosten

Die neue Konzernzentrale, die Platz für 580 Mitarbeiter bietet, werde dazu beitragen, diese ehrgeizigen Wachstumsziele zu erreichen, sagte Frey. „Sie passt zu uns als einem soliden und innovativen Maschinenbauer und besonders zu unserer Unternehmenskultur. Wir haben hier beste Voraussetzungen für vernetztes Denken, schnelles Kommunizieren, flexibles und projektbezogenes Arbeiten.“

Mit etwa 25 Millionen Euro Baukosten wurde die Kostenplanung für die neue Konzernzentrale eingehalten. Zwischen Grundsteinlegung und Einzug vergingen 16 Monate – ebenfalls weniger als ursprünglich erwartet.

Und eine Parallele zum Bau der ersten Konzernzentrale am Friedrich-Ebert-Damm gibt es auch: Damals waren ein Pool und Tennisplätze für die Mitarbeiter erwogen, aber letztlich verworfen worden. Einen Tennisplatz gibt es auch jetzt nicht. „Fitness ist bekanntlich nicht unser Kerngeschäft“, sagte Frey schmunzelnd.

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