Epidemie in Lateinamerika

Hamburger Tropeninstitut: Mehr Zika-Fälle in Deutschland

Laborproben: Zika-Virus bislang 20 Mal in Deutschland nachgewiesen

Laborproben: Zika-Virus bislang 20 Mal in Deutschland nachgewiesen

Foto: MARIANA BAZO / REUTERS

In Deutschland gibt es 20 Fälle, die Tendenz sei steigend. Schwangere, für die das Virus gefährlich ist, sollen nicht betroffen sein.

Hamburg.  Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat am Montag gestiegene Zahlen von Zika-Infektionen in Deutschland veröffentlicht: Bislang seien 20 Menschen in Deutschland infiziert, die Zahl wird aber wohl noch steigen, sagte Facharzt Dennis Tappe vom BNITM. In Deutschland seien keine schwangeren Frauen unter den Infizierten, sagte Tappe. „Natürlich rechnen wir, wie bei jeder Epidemie in Reiseländern, mit steigenden Fallzahlen bei deutschen Reiserückkehrern.“ Das Virus ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bisher in rund 40 Ländern aufgetreten.

Alle Infizierten haben sich bei Reisen in Lateinamerika angesteckt. Auch in Russland wurde erstmals eine Infektion bei einem Reiserückkehrer nachgewiesen.

Bis zu 1,5 Millionen Infizierte in Brasilien

Das Zika-Virus, das erstmals vor knapp 70 Jahren im Zika-Wald in Uganda entdeckt worden war, hat sich in den vergangenen Monaten rasant in Lateinamerika ausgebreitet. Es wird vor allem von der Gelbfiebermücke Aedes aegypti übertragen. Allein in Brasilien schätzen die Behörden die Zahl der Zika-Infektionen auf 500.000 bis 1,5 Millionen - viele bleiben unerkannt, da die Symptome oft eher harmlos sind. Der Erreger steht aber im Verdacht, bei Infektionen von Schwangeren Fehlbildungen bei Babys zu verursachen (Mikrozephalie). Die Kinder kommen mit zu kleinen Schädeln auf die Welt; dies führt meist zu geistigen Behinderungen.

Am Montag meldete die russische Verbraucherschutzbehörde erstmals eine nachgewiesene Zika-Infektion: Eine Frau habe das Virus von einem Besuch der Dominikanischen Republik mitgebracht. Die Patientin liege im Krankenhaus, ihr Zustand sei zufriedenstellend. Die Frau habe nach der Rückkehr über Fieber und Hautausschlag geklagt.

In Brasilien haben die Behörden am vergangenen Wochenende einen Großeinsatz gegen Zika gestartet: Rund 220.000 Soldaten verteilten landesweit Informationszettel zur Moskitobekämpfung. Als nächster Schritt sollen Moskitos und Eiablageplätze mit Insektiziden eliminiert werden. Die Gelbfiebermücke überträgt auch das Dengue- und das Chikungunya-Virus.