Landgericht

Attacke aus religiösem Hass: Afghane angeklagt

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Daniel Herder
In diesem ehemaligen Praktiker Baumarkt
geschah die Tat

In diesem ehemaligen Praktiker Baumarkt geschah die Tat

Foto: Michael Rauhe / HA

23-Jähriger soll in Erstaufnahmeeinrichtung am Hörgensweg zum Christentum konvertierten Flüchtling krankenhausreif geschlagen haben.

Hamburg.  In den Augen seines Peinigers Mohebolla A. hatte Amir H. schwere Schuld auf sich geladen, denn der 24-Jährige war vor seiner Flucht aus dem Iran vom Islam zum Christentum konvertiert. „Dann ist es ja keine Sünde, dich zu töten“, soll er dem Mann gesagt haben. Am 18. Oktober ging er in der Erstaufnahme am Hörgensweg mit einem Teleskopschlagstock auf Amir H. los, schlug ihm damit mehrfach auf den Kopf. Schwer verletzt brach der 24-Jährige zusammen.

Die Staatsanwaltschaft hat Mohebolla A., 23, jetzt wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt, wie Behördensprecher Carsten Rinio dem Abendblatt bestätigte. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat einen religiösen Hintergrund hatte. Auslöser war laut Anklage entweder ein Streit der beiden Flüchtlinge zwei Tage vor dem Angriff über „religiöse Themen“ oder die Verärgerung des Angeklagten über die Konversion seines Opfers zum Christentum. Als Mohebolla A. ihn am Abend des 18. Oktober auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft attackierte, soll er gerufen haben: „Ich bringe dich um.“ Mit dem Schlagstock soll er ihm zweimal wuchtig auf den Kopf geschlagen und so tödliche Verletzungen in Kauf genommen haben. Von weiteren Schlägen hätten ihn die Wachleute abgehalten, heißt es in der Anklage weiter. Amir H. erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Kopfplatzwunde, musste im Krankenhaus behandelt werden.

Sein Peiniger konnte nach der Tat zunächst von Wachmännern festgehalten werden, 15 bis 20 Bewohner der Einrichtung sollen ihn aber laut Polizei befreit haben. Danach tauchte Mohebolla A. unter, konnte zwei Monate unerkannt in Hamburg leben, weil er in mehreren Unterkünften unterschiedliche Namen und Geburtsdaten angab. Der Zufall kam den Ermittlern Mitte Dezember zu Hilfe: In der Erstaufnahme an der Schnackenburgallee konnten sie den Mann verhaften, nachdem ihn ein Mitarbeiter der Unterkunft wiedererkannt hatte. Seither befindet sich Mohebolla A. in U-Haft. Der Fall ist am Landgericht bei der Großen Strafkammer 21 (Az. 621 Ks 2/16) anhängig.

Offiziell sind religiös motivierte Gewalttaten sehr selten, wie aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Karin Prien hervorgeht. Bis Mitte Januar sind demnach neben dem Angriff am Hörgensweg nur drei weitere Fälle mit religiösem Hintergrund der Polizei angezeigt worden. Experten vermuten aber, dass sich viele Opfer aus Angst nicht melden und die Dunkelziffer deshalb deutlich höher liegt.

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