Zwischenruf

Kleinwagen sind die wahren Luxusschlitten

„Der Lack ist ab.“ Wenn dieses wenig charmante Urteil über einen Menschen gefällt wird, ist das kaum erfreulich. Aber mit einem Schwung Spachtelmasse, gemeinhin auch Make-up genannt, lässt sich der Schaden oft weitestgehend beheben. Bei einem Auto kommt es deutlich schlimmer, da droht im besten Fall ein umfänglicher Besuch in der Werkstatt, wahrscheinlicher noch die Schrottpresse. Oder doch noch mal Augen zu und durch? Undenkbar, zumindest für jene Zeitgenossen, für die ihr fahrbarer Untersatz ein Statussymbol ist und das Paradies ein Ort voller Porsche und Ferrari.

Ich dagegen bin da viel bodenständiger, böse Zungen meinen: wahlloser. Für mich ist das Auto ein Gerät, das mich zuverlässig von A nach B bringt, ohne Mucken und ohne Zwischenfälle. Und ein Kratzer kommt nicht sofort einer Katastrophe gleich. Entscheidend ist nicht die Figur auf der Motorhaube, sondern der Mensch auf dem Beifahrersitz. Manche verspotten meinen Kleinwagen gar als „Gehhilfe“, „Handschuhfach auf Rädern“ oder „überdachte Zündkerze“. Ob mich das ärgert? Nicht die Spur.

Für mich zählen die Vorteile. Ein maßvoller Benzinverbrauch, ein Kofferraum, dessen geringes Volumen jeden übermäßigen Einkauf verbietet und damit vorschnelle Anschaffungen, etwa eines neuen Schuhschranks nebst Inhalt, effektiv verhindert. Und vor allem natürlich die übersichtliche Länge und Breite des Wagens, die die Suche nach einem Parkplatz deutlich erleichtert. Stippvisiten in lebhaften, mit nicht übermäßigem Stellplatz ausgestatteten Stadtteilen enden so nicht zwangsläufig mit einem Blechschaden oder gar einem Nervenzusammenbruch. Mein Auto lässt sich noch in Lücken quetschen, die für viele andere Marken illusorisch sind. Das spart jede Menge Zeit und Nerven, unschätzbar wertvoll! So gesehen haben doch eigentlich die Kleinwagenfahrer den wahren Luxusschlitten.