Gesundheit

Senatorin soll Bericht über Psychiatrien verschleppt haben

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD)

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD)

Foto: Bertold Fabricius

Vorwurf der Opposition: „Senat ignoriert skandalöse Zustände in den Psychiatrien.“ Kommission kritisiert Behandlung.

Hamburg. Die Hamburger Gesundheitsbehörde steht im Verdacht, einen besorgniserregenden Bericht über die Zustände in Psychiatrien und psychotherapeutischen Einrichtungen der Stadt nicht rechtzeitig an die Bürgerschaft weitergeleitet zu haben. Der Bericht der Aufsichtskommission, in dem es unter anderem um falsche Behandlungen, nicht angemessene Pflege und schlechte bauliche Zustände geht, soll erst 15 Monate nach Erscheinen den Abgeordneten zur Verfügung gestellt worden sein.

Der FDP-Gesundheitsexperte Wieland Schinnenburg kritisierte im Abendblatt: Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sei dafür verantwortlich. Der Bericht sei im September 2014 erstellt, der Bürgerschaft aber erst am 22. Dezember 2015 zugeleitet worden. „Es liegt der Verdacht nahe, dass die Senatorin mit der Veröffentlichung so lange gewartet hat, bis sie bei zwei wichtigen Mängeln eine Verbesserung melden konnte. Es könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass eine Veröffentlichung vor der Bürgerschaftswahl nicht gewünscht war.“

Die Behörde erklärte die lange Zeitspanne mit inhaltlichen Abstimmungen unter den Kommissionsmitgliedern. Außerdem hätten die Stellungnahmen der Krankenhäuser und Einrichtungen abgewartet werden müssen. Man hätte sich selbst eine schnellere Bearbeitung gewünscht, so ein Behördensprecher zum Abendblatt.

Die Linke in der Bürgerschaft ist ebenfalls empört. „Der Senat ignoriert skandalöse Zustände in den Psychiatrien“, so Deniz Celik, der gesundheitspolitische Sprecher der Fraktion. „Statt die psychische Gesundheit von Patienten als reinen Kostenfaktor zu betrachten, muss die Stadt eine an den Patienten orientierte Therapie in den Mittelpunkt der psychiatrischen Versorgung stellen.“

Hier finden Sie den Bericht an die Bürgerschaft

Unter anderem weist in dem Bericht die Jugendsuchtstation des UKE darauf hin, sehr beengt arbeiten zu müssen. In einigen Bereichen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sei man auf das Niveau von vor 20, 30 Jahren zurückgefallen. In einer anderen Pflegeeinrichtung in Bahrenfeld würden alkoholkranke Menschen „schlicht zum Trockenlegen“ in einem geschlossenen Pflegeheim untergebracht.

FDP-Experte Schinnenburg spricht insgesamt von „schweren Mängeln“. Außerdem erfolge die Unterbringung der Patienten zu selten in Hamburg. Die Linken halten dem Senat vor, die Pflege leide unter Sparauflagen und Lohnkürzungen. Celik forderte die Behörde auf, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen.zugeschüttet.