Neuer Lieferdienst

Diese Hamburger Unternehmer waren früher Flüchtlinge

Mohamad Sadeghi (l.) und Omid Askarzade haben den Lieferdienst Comamos gegründet

Mohamad Sadeghi (l.) und Omid Askarzade haben den Lieferdienst Comamos gegründet

Foto: Andreas Laible / HA

Omid Askarzade und Mohamad Sadeghi flohen aus Afghanistan nach Hamburg. Mittlerweile sind sie mit dem Lieferdienst Comamos erfolgreich.

Hamburg.  Wie es ist, in einem fremden Land von null anzufangen, daran können sich Omid Askarzade, 29, und Mohamad Sadeghi, 25, noch gut erinnern. Zwar ist die Flucht aus ihrem Geburtsland Afghanistan bei Askarzade 22 und bei Sadeghi 17 Jahre her, doch erzählen beide von jener Zeit in ihrer Kindheit, als wäre sie gestern gewesen. Von der monatelangen Reise, die sie mit ihren Familien teils zu Fuß über Russland und Osteuropa nach Deutschland zurücklegten. Von ihren Anfängen in Hamburg, als sie von einer Flüchtlingsunterkunft zur nächsten verlegt wurden. „Wir sind vor dem Regime der Mudschaheddin geflohen“, sagt Askarzade. Sadeghi und seine Familie wenige Jahre später vor den Taliban.

Afghanistan befindet sich seit Jahrzehnten im Bürgerkrieg. Zurzeit ist es das zweithäufigste Herkunftsland der etwa 62.000 Flüchtlinge, die 2015 nach Hamburg kamen. Askarzade und Sadeghi haben es als ehemalige Asylbewerber heute, so sagen sie, „geschafft“. Denn sie haben nicht nur erfolgreich die Schule und Ausbildungen abgeschlossen, vor Kurzem gründeten die Hamburger auch ein gemeinsames Unternehmen. Mit ihrem Lieferdienst Comamos (Spanisch: „Lasst uns essen!“) versorgen sie seit Januar ihre Kunden mit Speisen aus bisher 21 verschiedenen Restaurants. Und sie haben große Pläne: Bis Jahresende wollen sie 200 Arbeitsplätze schaffen.

„Wer wirklich arbeiten will, findet einen Job“, sagt Askarzade

„Die Möglichkeiten, die man in Deutschland hat, gibt es sonst in kaum einem anderen Land“, meint Askarzade. „Wer wirklich arbeiten will, findet einen Job.“ Für Ausländer sei der Schlüssel dazu die Sprache. So war es auch für die beiden Afghanen. Als Kinder lernten sie nach ihrer Ankunft in Hamburg Deutsch im Schulunterricht. „Nach nur wenigen Monaten durfte ich sogar eine Klasse überspringen“, sagt Askarzade. Nach der Realschule folgte bei beiden eine Ausbildung. Als technischer Assistent für Informatik ist Askarzade heute für den IT-Bereich von Comamos zuständig. Sein Geschäftspartner und Schwager Sadeghi, gelernter Krankenpfleger, kümmert sich um gastronomische Fragen. Er führt bereits das persische Restaurant seiner Familie in Wandsbek und ist Inhaber eines weiteren Lieferservices.

Auf ihrer Internetplattform stellen die Jungunternehmer den Lieferdienst für Restaurants bereit, die selbst keinen solchen Service anbieten. „Wir setzen vor allem auf hochwertige Speisen und liefern in einem größeren Radius als andere Anbieter“, sagt Sadeghi. Rund 20 Angestellte beschäftigen die Afghanen bereits, darunter zwölf Fahrer. Geliefert wird das Essen mit Privatwagen, Motorrollern und Fahrrädern. Zu ihren Hauptgeschäftszeiten, vor allem am Wochenende, packen die Geschäftsführer gern selbst mit an und bringen den Kunden die Bestellungen nach Hause.

Die Jungunternehmer sehen noch Steigerungspotenzial

„Das Geschäft ist gut angelaufen“, sagt Askarzade. Doch es bestehe noch Steigerungspotenzial. „Im Durchschnitt fahren wir zwei Touren pro Stunde.“ Er und Sadeghi arbeiten daran, die Plattform bekannter zu machen. „Unsere Mission heißt Expansion“, sagt Sadeghi.

Ein realistischer Plan? Der Konkurrenzdruck in der Branche ist groß. Kleinunternehmer wie Askarzade und Sadeghi müssen sich gegen etablierte Ketten behaupten. Der größte Lieferdienst Hallo Pizza machte im Jahr 2014, der aktuellsten Erhebung, einen Jahresumsatz von 79 Millionen Euro. Damit belegte das Unternehmen Platz 33 der größten Gastronomiebetriebe Deutschlands. „Angebot und Service müssen rundum perfekt sein, damit es funktioniert“, meint Gregor Maihöfer, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Hamburg. Das Außerhausgeschäft liege zwar im Trend, doch müssten neue Unternehmen vor allem Überzeugungsarbeit bei den Kunden leisten.

Askarzade und Sadeghi sind zuversichtlich. Die beiden Männer verhandeln derzeit mit weiteren Gastronomiebetrieben, die sie in ihre Plattform integrieren wollen. Darunter seien große Namen. Mehr wollen sie nicht sagen. Nur so viel: „In naher Zukunft wollen wir zu den größten und besten Lieferservices der Welt gehören“, so Sadeghi.