Zwischenruf

Wohin mit dem Weihnachtsbaum?

Elisabeth Jessen

Elisabeth Jessen

Foto: HA / Andreas Laible

Es gibt Termine im Jahr, die sollte man nicht verpassen. Da gibt es nur noch eine zweite Chance, aber danach muss man ein ganzes Jahr warten, bis die nächste Gelegenheit wiederkommt. Der Tag der Weihnachtsbaumabholung ist so einer.

Brav aufgereiht standen die Tannen in unserer Straße neben den Mülleimern, sorgfältig abgeschmückt und von Wachsresten befreit, so wie es die Stadtreinigung wünscht. Schließlich sollen die nadelnden Tannen kompostiert werden, und da störe das Wachs.

Früh am Morgen rumpelte also die Müllabfuhr durch unsere Straße. Die Herren in Orange leerten die Container auf der linken Straßenseite und warfen die Tannenbäume gleich hinterher. Wie jetzt? Sollten die nicht kompostiert werden? Sortieren die erst hinterher?

Am Ende der Sackgasse machte das Müllfahrzeug kehrt und fuhr davon. Die restlichen Mülleimer blieben ungeleert, die Tannenbäume auf der rechten Seite nadelten weiter. Wenig später fuhr ein kleiner Lastwagen mit angehängtem Häcksler in die Straße und nahm sich der restlichen Bäume an. Bis auf einen. Meinen.

Zugegeben, es war der größte. Der Bauer, in dessen Wald wir ihn am vierten Advent abgesägt hatten, hatte ihn vermessen und für 2,50 Meter Geld verlangt. Bis zu dieser Größe kann man den Baum am Straßenrand eigentlich entsorgen. „Das ist ein schlechtes Zeichen“, sagt der Sprecher der Stadtreinigung dazu vorsichtig. 2,60 Meter sollten allerdings auch kein Problem sein, fügt er hinzu, die Müllmänner hätten ja keinen Zollstock zum Nachmessen. Und ja, bis zu 15 Prozent der Bäume würden mit dem normalen Müll abgeholt. Abfuhr auf allen Kanälen!

Nun steht er also da, der einsame Baum, und wartet auf den zweiten Abfuhrtermin. Wenn sich dann wieder niemand seiner erbarmt, muss ich umdisponieren. Plan B: die Spitze kappen. C: den Baum selbst zum Recy­clinghof schaffen. D: Geduld haben, bis der Baum durchgetrocknet ist, und die Äste im Ofen verbrennen.