Immobiliengeschäfte

Einwohner-Zentralamt zieht nach Marienthal

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Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Stadt schließt Mietvertrag über 20 Jahre für Imtech-Gebäude ab. Weitere größere Immobiliengeschäfte der Stadt sind in Planung.

Wandsbek.  Das Geschäft zwischen der Stadt und einem kanadischen Immobilienfonds lief geräuschlos ab. Auch nach dem erfolgreichen Abschluss gab es von der federführenden städtischen Sprinkenhof GmbH keine öffentliche Verlautbarung. Dabei handelt es sich bei dem Objekt um ein bekanntes Gebäude und bei dem neuen Mieter um eine wichtige Behörde: Die Stadt hat nach Abendblatt-Informationen das Imtech-Gebäude an der Hammer Straße im Stadtteil Marienthal im Osten der Hansestadt angemietet.

Imtech Deutschland wird die Fläche im April räumen

Die Imtech Deutschland GmbH & Co. KG – der Baukonzern war bis zum Sommer auch fünf Jahre lang Namensgeber des Volksparkstadions – musste vor wenigen Monaten Insolvenz anmelden und wird die Fläche im April 2016 räumen. Wie das Abendblatt erfuhr, soll hier von Januar 2017 an auf rund 16.000 Quadratmetern Fläche das Einwohner-Zentralamt (EZA) einziehen, zu dem auch die Zentrale Ausländerbehörde und die Bußgeldstelle gehören. Bislang ist die Behörde in einem Gebäudekomplex an der Amsinckstraße untergebracht. Aber: Die Kapazitäten seien am alten Standort nicht mehr ausreichend, sagte ein EZA-Sprecher auf Anfrage. Dort standen der Behörde 14.300 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Von dem Objekt an der Hammer Straße scheint die Stadt überzeugt zu sein. Der Mietvertrag für das Gebäude, das 2006 für rund 35 Millionen Euro errichtet wurde, hat eine Laufzeit von 20 Jahren.

Die CDU kritisiert, dass der neue Standort weniger zentral gelegen ist

So geheim, wie die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem kanadischen Immobilienfonds waren, ist auch der Preis, den die Stadt hier pro Qua­dratmeter bezahlen muss. Ein EZA-Sprecher sagte auf Anfrage: „Bitte haben Sie Verständnis, dass zu Inhalten von Verträgen keine Auskunft erteilt wird.“

Bis zu 550 Angestellte der Stadt sollen künftig in dem bisherigen Imtech-Haus arbeiten. Hinzu kommen die Bürger, die hier ihre Anliegen erledigen wollen. Im Einwohner-Zentralamt gibt es eine hohe Kundenfrequenz, wie es im Behördendeutsch heißt, vor allem bei der Zentralen Ausländerbehörde. Diese ist zuständig für die aufenthaltsrechtlichen Belange der ausländischen Mitbürger. Außerdem ist die Zentrale Ausländerbehörde für Ausweisungen, Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten sowie Rückführungen verantwortlich und betreut Inhaber von Aufenthaltsgestattungen oder -duldungen.

Finanzämter sollen Großstandort an der Nordkanalstraße in Hammerbrook bekommen

Der CDU-Finanzexperte Thilo Kleibauer kritisiert den Immobiliendeal der Stadt: „Auf den ersten Blick liegt der neue Standort weniger zentral, auch eine Abstimmung mit dem Bezirk wäre sinnvoll gewesen.“ Zudem habe der Senat offensichtlich sein Ziel, Einsparungen durch Flächenoptimierung zu erreichen, aus den Augen verloren. Immerhin werde hier gleich mit einem 20-Jahres-Vertrag die Bürofläche des Amts deutlich vergrößert.

Außerdem stellte der Fachsprecher für Haushalt, Finanzen und öffentliche Unternehmen in der CDU-Bürgerschaftsfraktion fest: „Kurz nach der Ankündigung der Zusammenlegung mehrerer Finanzämter an einem Großstandort mietet der Senat schon wieder heimlich eine große Bürofläche an.“ Die Finanzämter sollen in einen Neubau an der Nordkanalstraße in Hammerbrook ziehen.

Angebot für Verlagsgebäude von Gruner + Jahr soll vorlegen

Auch die Verhandlungen für ein weiteres großes Immobiliengeschäft zwischen der Stadt und dem Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr laufen unterdessen weiter. Wie berichtet, will die Stadt das Verlagsgebäude von Gruner +Jahr in Eins-a-Lage am Baumwall kaufen und soll dafür nach Abendblatt-Informationen bereits ein Angebot abgegeben haben. Es hält sich das Gerücht, dass die Immobilie im weitesten Sinne universitär genutzt werden soll, sofern es denn zu einem Verkauf kommt.

Sicher soll inzwischen sein, dass Gruner + Jahr einen Umzug in die HafenCity favorisiert. In dem neuen Stadtteil an der Elbe stehen derzeit noch mehrere Flächen zur Verfügung, die von der Stadt Hamburg vergeben werden.