Messungen

Elektrosmog in Hamburg – so strahlt die Stadt

Matthias Hampe, Professor für Elek­trotechnik von der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel (Niedersachen)

Matthias Hampe, Professor für Elek­trotechnik von der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel (Niedersachen)

Foto: privat

Ein Ingenieur hat die Emissionen durch Mobilfunkmasten, Handys und WLAN-Netze gemessen. Die Folgend er Strahlung sind bislang unklar.

Hamburg.  Es strahlt von allen Seiten: Babyfones, drahtlose Telefone und Computernetzwerke (WLANs), Handys, Mobilfunkmasten – vor allem in Städten sind Menschen heute von vielen Signalquellen umgeben, die hochfrequente elektromagnetische Felder produzieren. Ob diese Strahlung unserer Gesundheit schadet, ist unklar. Wissenschaftlich nachgewiesen ist bisher nur, dass hochfrequente Strahlung das Gewebe erwärmen kann.

Eine zeitweilige geringe Erwärmung gilt als gesundheitlich unbedenklich – wenn man ein heißes Getränk zu sich nimmt oder Sport treibt, kann sich das Gewebe ja auch zeitweise erwärmen. Damit keine Strahlendosen auftreten, die womöglich gefährlich sind, hat der Gesetzgeber vorsorglich Grenzwerte für verschiedene Frequenzen festgelegt. Ob die Grenzwerte eingehalten werden, überprüft die Bundesnetzagentur. Gemeinden können beantragen, dass an bestimmten Orten kostenlos ein automatisches Messsystem aufgestellt wird. Privatpersonen, die wissen wollen, wie stark oder schwach die Strahlung an ihrem Wohnort ist, haben jedoch keinen rechtlichen Anspruch auf solche Messungen.

In der Nähe des Hauptbahnhofs sei die Strahlung vergleichsweise hoch

Matthias Hampe, Professor für Elektrotechnik von der Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel (Niedersachsen), möchte für mehr Transparenz sorgen, wie er sagt. Seit März dieses Jahres haben der Ingenieur und zehn Studenten in 63 deutschen Städten Hunderte Straßenzüge abgefahren und im Detail gemessen, wie intensiv die sogenannte Feldstärke dort ist.

Auch in Hamburg war Hampe mit seinem Messmobil unterwegs. Ergebnis: An den großen Hauptstraßen konnte Hampe zwar keine Überschreitung der Grenzwerte feststellen. An einer Stelle der Reeperbahn allerdings seien die Grenzwerte im Mittel lediglich knapp unterschritten worden (siehe Infowinkel). Und an etlichen weiteren Orten, etwa nahe des Hauptbahnhofs, sei die Strahlung vergleichsweise hoch gewesen, sagt Hampe.

Der Ingenieur und seine Studenten messen die Strahlung an einzelnen Punkten zwar jeweils nur für eine Sekunde. Dafür seien die Messungen ex­trem präzise, betont Hampe. Es handele sich um „hochgenaue Momentaufnahmen“. Das heißt allerdings: Die Strahlung könnte zu anderen Zeiten an einem Messpunkt niedriger sein (etwa, weil dort gerade sehr wenige Menschen ihr Handy oder ihr WLAN nutzen), womöglich aber auch deutlich höher. Hampe sagt, wiederholte Messungen deuteten jedoch darauf hin, dass die Strahlenwerte eher konstant bleiben.

Auf einer Internetseite haben der Professor und sein Team interaktive Karten für mehr als 50 Städte veröffentlicht (www.feldkarte.de). Dort kann man sich die gemessenen Feldstärken für den Hochfrequenzbereich anschauen. Der größte Teil der Strahlung stamme von Mobilfunksendern, sagt Hampe.

Messungen der Bundesnetzagentur widersprechen der Thesen von Hempe

Wo in Hamburg Hochfrequenzsender stehen, für die eine Standortbescheinigung nötig ist (dazu zählen neben Mobilfunkmasten auch Rund- und Polizeifunk-Antennen), kann man sich auf einer Internetseite der Bundesnetzagentur anschauen (emf2.bundesnetzagentur.de/karte/). Die Behörde hat bisher in Hamburg 1851 Standorte für Funkanlagen genehmigt, davon 1538 für Funkanlagen mit Mobilfunk.

Hampe sagt, die Bundesnetzagentur könne auf der Grundlage seiner Daten an einigen Stellen genauer hinschauen, ob dort die Grenzwerte dauerhaft eingehalten werden. Menschen, die eine neue Wohnung suchten und die sich möglichst wenig Strahlung aussetzen wollten, könnten seine Karten als Anhaltspunkt nutzen.

Die Bundesnetzagentur teilt auf Anfrage mit, Hampes Messungen seien ihr bisher nicht bekannt gewesen. Die auf der Feldkarte-Internetseite dargestellten Farbcodierungen ließen sich „nicht ohne Weiteres nachvollziehen, da das verwendete Messverfahren und die zur Anwendung kommenden Grenzwerte nicht angegeben werden“. Bei den Messungen der Bundesnetzagentur seien bisher keine Orte gefunden worden, an denen die gesetzlichen Grenzwerte zum Schutz von Personen in elektromagnetischen Feldern erreicht wurden. „Die gemessenen Ergebnisse liegen regelmäßig im Bereich unter zehn Prozent der zulässigen Grenzwerte.“

Hampe hat eine Firma gegründet, die Viridas GmbH, um seine Forschungen voranzutreiben, unterstützt von seiner Hochschule. Er beteuert, er wolle mit seinen Messungen kein Geld verdienen, aber zumindest die Fahrtkosten erstattet bekommen, wenn er künftig in Städten messe. Das lasse sich über eine Firma relativ leicht abwickeln.

Langfristig wolle er die Daten auch für wissenschaftliche Zwecke nutzen, sagt der Professor. Denkbar sei beispielsweise, Ortungssysteme wie GPS genauer zu machen. So könnten Sensoren im Auto die Strahlung an bestimmten Orten messen, diese Daten mit Messdaten abgleichen, die in Datenbanken gespeichert seien, um so sehr genau festzustellen, wo sich das Auto befindet.