Studie

Immer mehr Hamburger erben Immobilien

| Lesedauer: 4 Minuten
Steffen Preißler

Auch Schmuck wird nach einer Studie der Deutschen Bank oft hinterlassen. Experten raten zum rechtzeitigen Verfassen des Testaments.

Hamburg.  Häuser und Wohnungen werden bei künftigen Erbschaften eine immer größere Rolle spielen. „In den nächsten Jahren werden deutlich mehr selbst genutzte wie auch vermietete Immobilien vererbt“, sagte Christina Kukuk, Senior Spezialberaterin Vermögen für Generationen der Deutschen Bank in Hamburg, bei der Vorstellung einer Allensbach-Studie zum Thema Erben. Das gelte auch für Norddeutschland. 58 Prozent der künftigen Erben gehen davon aus, dass sie eine selbst genutzte Immobilie erben werden. Vor drei Jahren erwarteten das lediglich 37 Prozent. Doch viele der Immobilien werden eher in ländlichen Regionen liegen, die nicht unbedingt von dem starken Preisanstieg der vergangenen Jahre profitieren. Auch Schmuck und Wertpapiere werden künftig deutlich mehr vererbt als noch vor drei Jahren, wie aus der Studie im Auftrag der Deutschen Bank hervorgeht.

Doch längst nicht jeder kann mit einem Erbe rechnen. Lediglich 22 Prozent erwarten in den nächsten Jahren eine Erbschaft. In Norddeutschland liegen die Erwartungen mit 20 Prozent noch leicht unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Für Hamburg dürfte sich aber die Erbschaftsquote noch etwas verbessern, da Großstädte mehr Erbschaften erwarten lassen. Fast jeder Vierte in der Hansestadt kann danach noch mit einer Erbschaft rechnen, Selbstständige und Beamte eher als Arbeiter. „Rechnet man allerdings jene hinzu, die bereits eine Erbschaft gemacht haben, dann erbt jeder Zweite in seinem Leben“, sagt Kukuk.

Nach den Schätzungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge werden in den Jahren 2015 bis 2024 in Deutschland etwa 3,1 Billionen Euro Privatvermögen vererbt. Doch die Bereitschaft, sich mit dem Thema Erben zu befassen, ist nach wie vor gering. 58 Prozent der Bundesbürger geben an, sich mit dem Thema ungern zu beschäftigen, und mehr als drei Viertel der Deutschen empfinden das Erbrecht als zu kompliziert (76 Prozent).

Das kann der Hamburger Rechtsanwalt Dietrich Ostertun, der sich in seiner Kanzlei mit sechs Anwälten auf Erbfälle spezialisiert hat, bestätigen. „Die meisten kommen erst, wenn sie den 60. Geburtstag hinter sich haben“, sagt der Experte. Das habe wohl mit der völlig unbegründeten Erwartung zu tun, wenn das Testament geschrieben werde, sei der Tod sehr nah. „Dabei gibt es auch in jungen Jahren schon gute Gründe für ein Testament, vor allem für Familien mit einer eigenen Immobilie“, sagt Ostertun. In dieser Lebenssituation sei es am besten, wenn sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben einsetzen. So verhindere man das Entstehen von Erbengemeinschaften, die gerade bei Immobilien zum Problem werden können.

„Auch kinderlose Ehepaare sollten die Bedeutung des Testaments nicht unterschätzen“, sagt Ostertun. Gerade in Hamburg sei das ein wichtiges Thema. Denn nur durch ein Testament, in dem man sich gegenseitig als Erben einsetzt, kann ausgeschlossen werden, dass auch die Schwiegereltern (aus Sicht des Überlebenden) oder die Geschwister des Erblassers mit zu Erben werden. „Das Problem einer solchen Erbengemeinschaft ist immer, dass alle Entscheidungen nur gemeinsam getroffen werden können“, sagt Ostertun. Das betreffe die Auflösung eines Kontos ebenso wie den Verkauf einer Immobilie. Der eine will verkaufen, die anderen halten den erzielbaren Preis für nicht hoch genug. „Da ist der Erbstreit programmiert“, sagt Ostertun.

Dabei wollen 77 Prozent einen Streit ums Erbe in jedem Fall verhindern. Doch selbst wenn das Erbe klar geregelt ist, kommt es in 17 Prozent der Fälle zu Streitigkeiten. Bei 870.000 Sterbefällen 2014 sind das rund 74.000 Erbstreitigkeiten pro Jahr, wenn man unterstellt, dass jeder zweite Todesfall zu einer Erbschaft führt, wie langjährige Erfahrungen zeigen. „Die Ursache sind oft selbst aufgesetzte Testamente, in denen Fachbegriffe falsch verwendet werden“, sagt Ostertun.

Erbschaften lösen allerdings das Problem der Altersvorsorge nicht. 71 Prozent meinen, dass man sich nicht auf Erbschaften verlassen solle, um im Rentenalter auskömmlich zu leben. Eine Aussage, die vor allem die Bankberater gern hören, um ihre Kunden für eine zusätzliche Vorsorge zu gewinnen. Die potenziellen Vererber fürchten vor allem steigende Kosten für Gesundheit und Pflege. 86 Prozent glauben deshalb, dass sich die Möglichkeiten, etwas zu vererben, in den nächsten Jahren verschlechtern werden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg