Olympia

Miniaturwunderland-Gründer: Angstmacher haben gesiegt

Unterstützer-Treffen in der Barclaycard-Arena. Braun-Brüder enttäuscht von Hamburg. Mehrheit lehnt Olympische Spiele ab.

Hamburg.  Unaufhörlich projizierte ein Scheinwerfer das drehende Logo „Hamburg 2024“ auf das Eis, es wirkte wie ein Fanal des Trotzes am Sonntagabend. Vergebens, die Stimmung im Skylight-Café in der Barclaycard-Arena war nicht mehr zu retten. Zu bitter war die Niederlage, dokumentiert in zwei Zahlen auf dem riesigen Videowürfel unter dem Dach der Arena: 51,6 Prozent Nein, 48,4 Prozent Ja. Als Alexander Otto, Gönner und Macher der „Feuer und Flamme“-Initiative, um 21.08 Uhr seine Mitstreiter auf das Podium bat, hatten mehrere Mitarbeiter der Bewerbungsgesellschaft Tränen in den Augen. Die olympische Party, zu der „Feuer und Flamme“ geladen hatte, war vorbei.

Otto sprach von einer vergebenen „Jahrhundert-Chance“, dankte dann allen Mitarbeitern der Bewerbungsgesellschaft: „Ihr wart klasse.“ Auch Michael Vesper, Vorstandschef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sprach von einer bitteren Niederlage. Dennoch hätte Hamburg fantastisch gekämpft, es gebe überhaupt keinen Anlass zur Kritik. Als Bürgermeister Olaf Scholz und DOSB-Präsident Alfons Hörmann um 21.41 Uhr in die Arena schritten, hatten viele den Ort der Niederlage schon verlassen. Hörmann lobte noch mal den Kampfgeist, verglich die Leistung mit einem Athleten, der alles gegeben habe und am Ende hauchdünn gescheitert sei.

Dabei hatte der Abend positiv begonnen. Eine ZDF-Hochrechnung sah die Befürworter mit 56 Prozent klar vorn, Otto beantwortete schon vor Schließung der Wahllokale Reporterfragen weit über den Tag hinaus. Ja, er werde die Bewerbung weiter unterstützen. Der ECE-Chef wirkte wie ein Fußballtrainer, der vor einem wichtigen Bundesligaspiel erklären soll, wen er denn gegen den FC Barcelona in einem Jahr im Champions-League-Finale aufstellen will.

Als sich dann auf den Flachbildschirmen um 18.20 Uhr das Nein bei der Stimmenzahl Rot färbte (544 Ja-Stimmen, 567 Nein-Stimmen), nahm davon kaum jemand Notiz. Noch bewegten sich die Ergebnisse im Promillebereich der abgegebenen Stimmen. Nikolas Hill und Alexander Otto übergaben Geschenke an verdiente Unterstützer der Kampagne. Auch die Miniaturwunderland-Gründer Gerrit und Frederik Braun, als Macher fantasievoller Pro-Olympia-Aktionen besonders gefeiert, durften sich über Modelle des geplanten Olympiaparks freuen. Da ahnte noch niemand, dass das Referendum ebendieses Modell nur zwei Stunden später zunichte machen würde.

Hill lieferte allerdings schon unfreiwillig erste Erklärungsversuche, als er von einem „schwierigen Hindernislauf“ sprach, den die Bewerbungsgesellschaft zu bewältigen hatte. Er habe das Gefühl gehabt, dass kurz vor dem Ziel immer neue Hürden aufgestellt worden wären. Hill spielte damit auf das schwierige Umfeld der Bewerbung an, ganz besonders auf den Flüchtlingsstrom, der bei vielen Hamburgern Skepsis ausgelöst hatte, ob man die für Olympia veranschlagten Milliarden jetzt nicht für andere Projekte brauchen würde. Zusätzliche Hürden waren ohne Frage der Korruptionsskandal beim Fußball-Weltverband Fifa sowie die Berichte um angebliche schwarze Kassen beim Sommermärchen, der WM 2006. Die Anschläge von Paris sowie die Absage des Länderspiels in Hannover verstärkten die Furcht vor dem Terror bei Großveranstaltungen.

Die Konsequenzen zeigten sich an diesem Abend, die Zahlen wurden aus Sicht der Olympia-Befürworter immer schlechter. Das rote „Nein“ fräste sich regelmäßig in die Flachbildschirme, entsprechend schlecht wurde die Stimmung unter den geladenen Gästen.

Abgrundtief war vor allem die Enttäuschung bei den Brüdern Braun. „Alles für nichts“, sagte Gerrit bitter, als auf den Bildschirmen noch einmal das Video zu sehen war, wie 10.000 Hamburger bei strahlendem Sonnenschein im Stadtpark die Ringe bildeten. Sein Bruder Frederik nippte frustriert am Weißwein: „Ich bin enttäuscht von meiner Stadt.“ Einmal mehr hätten die Angstmacher in Hamburg gesiegt. Braun ärgerte sich besonders über einige Bekannte, die wohl zu bequem zum Abstimmen gewesen waren: „Die haben mir immer wieder gesagt, dass sie die Wahlunterlagen bald abgeben wollen, wahrscheinlich haben sie es dann einfach vergessen.“ Um 20.34 Uhr zog Hamburg-1-Politikchef Herbert Schalthoff endgültig den Stecker der Hoffnung: „Das Referendum ist gescheitert. Es ist rechnerisch nicht mehr möglich, dass sich das Ergebnis noch dreht.“ 90 Minuten später feudelte schon ein Putzmann die Gänge der Arena.