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Hamburg geht beim Wohnungsbau an seine grünen Reserven

Dorothee Stapelfeldt will eine „Urbanisierungszone“, die einen Ring um die kompakte innere Stadt bildet

Dorothee Stapelfeldt will eine „Urbanisierungszone“, die einen Ring um die kompakte innere Stadt bildet

Foto: Roland Magunia / HA

Senat fährt neue Doppelstrategie. Neben Verdichtung im Innern soll künftig vermehrt auf der Wiese gebaut werden.

Hamburg.  Die Hansestadt Hamburg soll künftig auch auf der grünen Wiese wachsen. „Wir brauchen eine Stadterweiterung nach dem Motto: ,Mehr Stadt an neuen Orten‘“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) am Donnerstag auf der Mitgliederversammlung des Verbands Norddeutscher Wohnungsunternehmen. Grund sei das anhaltende Wachstum der Hansestadt. „Hamburg wächst, und zwar in einem Tempo wie seit Jahrzehnten nicht mehr.“

Vor allem junge Leute zögen in die Stadt − viele aus dem näheren und dem weiteren Umland, immer mehr aber auch aus anderen EU-Staaten. Zudem wünschten Familien sich wieder vermehrt ein Domizil in Hamburg. Der derzeitige Bestand von rund 930.000 Wohnungen reiche nicht. „Eine Million Wohnungen, die wir im Lauf der 2020er-Jahre brauchen, sind wohl nötig und realistisch“, sagte die Senatorin.

Um den Bau von Wohnungen zu befördern, hat der Senat mit der Hamburger Wohnungswirtschaft das sogenannte Bündnis für das Wohnen geschlossen. Darin wurde der Bau von jährlich 6000 Wohnungen – darunter 2000 öffentlich gefördert – vereinbart. Im vergangenen Jahr konnten 7000 neue Wohnungen übergeben werden.

Bislang konzentrierte sich der Wohnungsbau auf die Verdichtung im Stadtinnern unter dem Stichwort „Mehr Stadt in der Stadt“. Nach den Worten Stapelfeldts verfolgt der rot-grüne Senat jetzt eine Doppelstrategie, die eine Erweiterung Hamburgs in seinen äußeren Stadtgebieten einschließt.

„Da Hamburgs Außengrenzen nicht veränderlich sind, bedeutet das: Erhalt wertvoller Grünzonen, Parks und Freizeiträume und gleichzeitig konsequente Urbanisierung bisheriger Freiflächen oder derzeit noch landwirtschaftlich genutzter Räume.“ Die Senatorin sprach von einer „Urbanisierungszone“, die einen Ring um die kompakte innere Stadt bildet.

„Groß denken, heißt das Gebot der Stunde“, fügte Stapelfeldt hinzu und nannte einige Gebiete, in denen künftig Wohnungen entstehen sollen. Dazu gehören im Bezirk Bergedorf Flächen im Gleisdreieck am Mittleren Landweg und in Wandsbek am Öjendorfer See. Auch zwischen dem S-Bahnhof Allermöhe und dem Billwerder Billdeich werde über ein neues Quartier nachgedacht. Ein Beispiel für die veränderte Strategie sei zudem Sandbek im Bezirk Harburg, wo auf 25 Hektar ein Stadtteil mit mehreren Tausend Wohnungen konzipiert werde.

Nach den Worten der Senatorin gibt es bereits an manchen Standorten einen Schnellbahnanschluss. Andernorts werde man die „Infrastruktur für eine städtische Mobilität, für Bildung und Freizeit ergänzen oder neu schaffen müssen“. Bei dem Bau der neuen Viertel gebe es ferner „buchstäblich noch Luft nach oben“, sagte Stapelfeldt. „In der Innenstadt werden auch weiter die Kirchtürme alles andere überragen, aber anderswo spricht wenig gegen Hochhäuser.“