Hamburg

Schweden kaufen Outdoor-Spezialisten Globetrotter ganz

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Bob Geisler
Nach 35 Jahren
bei Globetrotter
scheidet
Geschäftsführer
Thomas Lipke zum
Jahresende aus
dem Unternehmen
aus

Nach 35 Jahren bei Globetrotter scheidet Geschäftsführer Thomas Lipke zum Jahresende aus dem Unternehmen aus

Foto: Laif

Fjällräven-Eigentümer erwirbt 100 Prozent an dem Hamburger Unternehmen. Chef Lipke geht nach 35 Jahren.

Hamburg.  Andreas Bartmann und Thomas Lipke haben schon eine lange, gemeinsame Wegstrecke hinter sich. Als Jugendliche wanderten die beiden Hamburger monatelang durch die norwegische Wildnis und legten dabei rund 800 Kilometer zurück. Kurz darauf heuerten die Schulfreunde fast zeitgleich bei dem gerade gegründeten Abenteurerausrüster Globetrotter an und stiegen schnell zu Geschäftsführern auf. Gut 30 Jahre ist das mittlerweile her.

Ende dieses Jahres werden sich die Wege der beiden Freunde trennen. Dann nämlich verlässt der 57 Jahre alte Lipke den Hamburger Outdoorspezialisten – vordergründig, um mehr Zeit für sich selbst und sein großes Hobby, das Reisen, zu haben. „Es gibt noch eine ganze Reihe von Ländern, die ich besuchen möchte“, sagt Lipke dem Abendblatt. „Und da ich nicht jünger werde, habe ich entschieden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg aus dem Unternehmen gekommen ist.“

Der Abgang von Lipke ist allerdings auch das sichtbarste Zeichen für die Machtverschiebungen, die sich bei dem einst eigenständigen Hamburger Unternehmen derzeit abspielen. Vor gut einem Jahr wurde Globetrotter mit seinen 13 Filialen und Outlets von dem Konkurrenten Fenix Outdoor (Fjällräven, Hanwag) übernommen und in die Einzelhandels-Holding der Schweden namens Frilufts Retail integriert. In dieser Holding sind auch die beiden anderen Handelsketten von Fenix, Naturkompaniet (Schweden) und Partioaitta (Finnland) aufgehängt.

Begnügten sich die Skandinavier anfangs noch mit einem Anteil von 60 Prozent an der Holding, so haben sie Mitte dieses Jahres 100 Prozent der Einzelhandelsgesellschaft und damit auch von Globetrotter übernommen. Im Gegenzug haben die Hamburger Alteigentümer der Kette zwar Anteile am gesamten Fenix-Konzern erhalten, spielen dort aber nur eine untergeordnete Rolle. Die Mehrheit liegt bei der Familie des verstorbenen schwedischen Outdoorpioniers und Fjällräven-Gründers Åke Nordin.

Der Einfluss des Globetrotter-Managements in der Gruppe ist parallel zu den Anteilsverschiebungen immer weiter gesunken. Rückte Thomas Lipke zunächst noch in den Vorstand der Einzelhandels-Holding Frilufts ein, so hat er diesen Posten mittlerweile niedergelegt. Nachfolger ist Henrik Hoffmann, der auch die schwedische Kette Naturkompaniet führt. Bei Globetrotter selbst verließ im September Philip von Melle die Geschäftsführung, der für IT und Logistik verantwortlich war. Seine Aufgaben wurden auf Konzernebene verlagert, in die Geschäftsführung der Hamburger ist mit Ulf Gustafsson ein weiterer Fenix-Mann eingerückt, der auch Aufsichtsratsmitglied der gesamten Gruppe ist.

Das Bündnis mit Fenix sind die Globetrotter-Eigentümer nicht unbedingt freiwillig eingegangen. Die einstigen zweistelligen Zuwachsraten im Geschäft mit Abenteuerausrüstung sind passé, weil die meisten Deutschen schon mehrere wetterfeste Jacken oder Wanderstiefel im Schrank haben. Zudem setzen kleinere Onlineanbieter von Zelten oder Rucksäcken den Hamburgern mit ihren preisgünstigen Angeboten zu. Das einst hochgelobte Konzept der Erlebnisfilialen, in denen die Kunden mit Kanus in künstlichen Pools paddeln und Winterkleidung in Kältekammern testen können, geht nur noch bedingt auf.

Die letzten veröffentlichten Zahlen von Globetrotter waren entsprechend schlecht. Im Geschäftsjahr 2013/14 sank der Netto-Umsatz von 206,1 auf 194,2 Millionen Euro, wie aus dem Jahresabschluss im Bundesanzeiger hervorgeht. Mit einem Minus von 5,6 Millionen Euro rutschte das Unternehmen noch tiefer in die roten Zahlen als im Jahr zuvor (minus 1,9 Millionen Euro).

In diesem Jahr hofft der verbliebene Globetrotter-Geschäftsführer Andreas Bartmann wieder auf bessere Zahlen. „Der Druck von neuen Markenshops der Hersteller, aber auch aus dem Internet hat ein wenig nachgelassen“, sagte er dem Abendblatt. „Daher gehen wir in diesem Jahr von einer flächenbereinigten Umsatzstabilisierung aus.“ Auch der Zusammenschluss mit Fenix trage langsam Früchte. „Als Einzelhandelsgruppe haben wir eine stärkere Stellung gegenüber den Markenherstellern.“ Ob allerdings der Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft werden kann, dazu wollte sich der Globetrotter-Chef nicht äußern. Ohnehin ist das Unternehmen mit der Eingliederung in den Fenix-Konzern deutlich verschwiegener geworden.

Für Unruhe unter den Globetrotter-Kunden sorgt derzeit die Entscheidung des Unternehmens, die durchaus beliebte Eigenmarke Meru einzustellen, unter der die Hamburger Hunderte von Artikeln von der Hose, über Handschuhe bis zur Hängematte vertreiben. „Wir haben Meru in Kooperation mit mehreren Partnern hergestellt, was dazu führte, dass wir nicht die komplette Kontrolle über die Marke hatten“, sagt Bartmann. „Daher werden wir bis zum Frühjahr kommenden Jahres eine neue Eigenmarke entwickeln.“

Die Hamburger haben in den vergangenen Jahren zudem viel unternommen, um die eigenen Kosten, insbesondere in der Logistik zu reduzieren. So wurde die alte Zentrale des Unternehmens am Bargkoppelstieg in Rahlstedt geschlossen und an den Standort Neuer Höltigbaum verlagert, wo Globetrotter bereits ein großes Logistikzentrum unterhält. Der alte Standort wurde von der Stadt in eine Unterkunft für Flüchtlinge umgewandelt. Erstmals in der Geschichte der Firma musste Globetrotter auch Arbeitsplätze streichen. Mittlerweile hat sich die Zahl der Beschäftigten aber wieder bei rund 1400 stabilisiert.

Die Entscheidung, die Eigenständigkeit von Globetrotter weitgehend aus der Hand zu geben, sieht Noch-Geschäftsführer Lipke heute nüchtern: „Wir mussten auf die neuen Gegebenheiten im Markt reagieren“, sagt er. „In der Natur überlebt auch nur der, der sich anpasst.“

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