Positiver Effekt

„Olympia ist mehr wert als 100 Jahre Marketing“

Will Hamburg auf die große olympische Bühne holen: Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD)

Will Hamburg auf die große olympische Bühne holen: Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD)

Foto: Roland Magunia

Im Haushaltsauschuss sprach der Finanzsenator über die großen Chancen durch Olympia 2024. Er sieht sie viel höher als die Risiken.

Hamburg.  Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) ist davon überzeugt, dass sich die geplanten Ausgaben für Olympische und Paralympische Spiele 2024 für Hamburg rechnen werden. „Die Olympischen Spiele sind mehr wert als 100 Jahre Stadtmarketing“, sagte er im Haushaltsausschuss der Bürgerschaft und ergänzte: „Was glauben Sie, warum die Wirtschaft davon so begeistert ist?“

Die „enormen Effekte“, die die Spiele auf die Stadt haben würden, seien noch gar nicht abschätzbar, daher könne der Senat sie auch noch nicht beziffern, sagte Tschentscher. Aber er sei sicher: „Finanziell sind die Chancen, die wir in dem Projekt haben, sehr viel größer als die Risiken.“

Wie berichtet, hatten Bürgermeister Olaf Scholz und der Chef der Senatskanzlei, Staatsrat Christoph Krupp (beide SPD), vergangene Woche den Finanzreport zur Olympiabewerbung vorgestellt. Demnach kosten die Spiele 11,2 Milliarden Euro, wovon die öffentliche Hand 7,4 Milliarden übernehmen müsste – die restlichen 3,8 Milliarden kommen als Zuschuss vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und aus Einnahmen, etwa dem Ticketverkauf. Von den 7,4 Milliarden Euro könne Hamburg bis zu 1,2 Milliarden übernehmen, hatte Scholz betont – verteilt auf je 200 Millionen Euro in den Jahren 2018 bis 2023.

Für 1,2 Milliarden Euro bekäme die Stadt sechs Milliarden neues Vermögen

Der Finanzsenator sagte dazu im Ausschuss: „200 Millionen Euro pro Jahr wären gut angelegtes Geld. Wir haben ja über viele positive Effekte noch gar nicht gesprochen.“ Einen ganz wesentlichen Effekt skizzierte Krupp vor den Abgeordneten: Er schätze „sehr pauschal“, dass von den 11,2 Milliarden Euro Ausgaben „etwas mehr als die Hälfte“ zu „zusätzlichem Anlagevermögen“ führen werde. So würde das olympische Dorf nach den Spielen als neuer Stadtteil „Olympia City“ erhalten bleiben, Teile des Olympiastadions würden weiter genutzt, ebenso die Schwimmhalle und fast die gesamte neu geschaffene Infrastruktur auf dem Kleinen Grasbrook. Mit anderen Worten: Hamburg würde also für Ausgaben von 1,2 Milliarden Euro am Ende etwa das Fünffache an Vermögen bekommen.

Dass Krupp sich nur sehr zurückhaltend dazu äußerte, hat einen Grund: Genau diese Sichtweise, wonach Hamburg mit den Spielen ein gutes Geschäft machen würde, hat auch die Bundes­regierung. Und deshalb sieht sie nicht ein, mit 6,2 Milliarden Euro den Löwenanteil der öffentlichen Kosten zu übernehmen. Wie berichtet, hatte sie das der Hansestadt auch deutlich signalisiert – allerdings nur inoffiziell. Krupp verwies daher auf die offizielle Stellungnahme des Bundesinnenministeriums, wonach man die Hamburger Zahlen „zur Kenntnis“ nehme und sich weiter in Gesprächen befinde.

Trotz des Verweises auf die für Hamburg attraktive Konstellation beharrte auch Tschentscher auf der Kostenobergrenze: „1,2 Milliarden können wir beitragen. Wenn es jemanden gibt in Berlin, der denkt, Hamburg könnte das alles allein bezahlen, dann ist das nicht so.“ Vorausgesetzt, die Hamburger stimmen in dem Referendum am 29. November für die Bewerbung, haben die Stadt und der Bund noch bis Februar Zeit, zu einer Vereinbarung über die Kostenaufteilung zu kommen. Dann muss dem IOC eine entsprechende schriftliche Erklärung vorliegen.

Krupp machte auf Nachfrage auch deutlich, dass die Folgekosten der Spiele noch nicht berechnet seien. Natürlich müssten in dem neuen Stadtteil auch Kitas, Schulen und Straßenlaternen stehen, die Kosten verursachen. Dem stünden dann aber auch neue Einnahmen entgegen, etwa aus Lohn- und Gewerbesteuern.