Polizei Hamburg

Einbrecher-Soko „Castle“ feiert erste Erfolge

Das Team mit 90 Ermittlern konnte einige Banden festnehmen. Doch die Täter sind meist hochprofessionell.

Hamburg.  Obgleich es sich um Bilder aus der Überwachungskamera eines Linienbusses handelt, sind die Fahndungsfotos der drei Einbrecherinnen erstaunlich scharf und detailreich. Darauf zu sehen sind drei junge Frauen, hübsch, gepflegtes Äußeres, mit edel wirkenden Handtaschen. Auf den ersten Blick könnte es sich um Freundinnen handeln, die gemeinsam durch die Stadt bummeln. Nur hatte es das Trio nicht auf Shopping-Trophäen abgesehen, sondern einzig und allein auf Diebesbeute in Hamburg.

Seit einer Woche fahndet die neue Einbrecher-Soko „Castle“ mit diesen Fotos nach den drei Täterinnen und einem vierten männlichen Komplizen, doch bisher sind kaum Hinweise eingegangen. Grund: Die Polizei hält es für „nicht unwahrscheinlich“, dass es sich bei den Gesuchten um reisende Täter handelt. Und deren Modus Operandi ist immer der gleiche: anreisen, einbrechen, abhauen. „Bisher ist nur ein verwertbarer Hinweis eingegangen“, sagt Polizeisprecher Holger Vehren.

Die Soko „Castle“ glaubt, den Frauen drei Einbruchstaten nachweisen zu können – in jedem einzelnen Fall waren sie dabei jedoch von Zeugen gestört worden: Am 4. Juni, als sie in eine Wohnung im Kleinfeld (Neugraben-Fischbek) einsteigen wollten; am 11. Juni, als sie im Steffens Weg (Sinstorf) ein Fenster aufhebelten; ebenso am 15. Juni, als sie das Türschloss einer Wohnung im Stuvkamp (Barmbek-Süd) knacken wollten. Die Polizei bittet unter Telefon 42865-6789 um Hinweise.

Reisende Tätergruppen machen der im August gegründeten Einbrecher-Soko „Castle“ das Leben besonders schwer. Die Einbrecher, die häufig aus Südosteuropa oder Südamerika stammen, hinterlassen am Tatort kaum verwertbare Spuren, tauchen gleich nach der Tat wieder ab, um ihre Streifzüge in der nächsten Stadt fortzusetzen. „Reisende Täter sind sehr polizeierfahren, verhalten sich konspirativ und wissen um polizeiliche Maßnahmen der Kriminalitätsbekämpfung, außerdem sind sie hochmobil“, sagt Hauptkommissar Andreas Schöpflin. „Dahinter stehen feste Strukturen, die Täter geben Wissen untereinander weiter, selbst Ersttäter sind erstaunlich gut darüber informiert, wie die Polizei vorgeht“, so Schöpflin.

Die reisenden Banden hat die Soko „Castle“, Ende August mit 90 Ermittlern gegründet, fest im Visier. Zumal auf deren Konto ein beträchtlicher Teil der Einbruchsdiebstähle gehen soll. Insgesamt verzeichnete die Polizei im Vorjahr 7490 Wohnungseinbrüche, von denen nicht einmal jeder Zehnte aufgeklärt worden ist, die Quote liegt hier bei nur 8,3 Prozent. Unter Leitung von Kriminaloberrätin Alexandra Klein will die Soko „Castle“ nun dafür kämpfen, dass die Stadt für Einbrecher unattraktiver wird. Erste Erfolge kann sie bereits vorweisen. So klärten die Beamten Ende September eine Serie von zehn Wohnungseinbrüchen auf, und erst am Montag erwischten sie drei Einbrecher nach einem Einbruch in der Akazienallee (Fuhlsbüttel).

Sogar einen überregionalen Erfolg hat die Soko bereits gelandet, als sie vor wenigen Tagen zwei reisende Einbrecher in Wilhelmsburg festnehmen konnte. Nach Erkenntnissen der Polizei handelte es sich dabei genau um die Art von reisenden, hoch professionalisierten Tätern, die es zu bekämpfen gilt. Die zwei Männer – ein Italiener und sein aus Rumänien stammender Komplize – waren in einem in Italien unterschlagenen Wohnmobil unterwegs. Als sie Deutschland ansteuerten, machten italienische Sicherheitsbehörden ihre deutschen Kollegen auf das Duo aufmerksam.

In Verden waren die Männer in den Bauhof der Stadt eingebrochen, hatten einen Tresor geknackt und waren weiter nach Wilhelmsburg gefahren. In der Wehrmannstraße schnappte die Falle zu, das MEK nahm die Männer fest, Diebesgut und Einbruchswerkzeug wurden sichergestellt. Der 47-jährige Italiener behauptete noch, er sei ehrenamtlicher Präsident eines Vereins, der sich um Komapatienten kümmert und dass er in Deutschland kranke Kinder besuchen wolle. Hinter vorgehaltener Hand lachten sich die Polizisten halb schlapp, offiziell heißt es, die Angaben des Mannes seien „extrem unglaubwürdig“ gewesen.

Doch die Staatsanwaltschaft Verden machte den Erfolg der Soko „Castle“ zunichte, indem sie die Täter gleich wieder laufen ließ – obgleich beide keinen Wohnsitz in Deutschland haben, über kein Einkommen verfügen und ihr Leben aus Straftaten finanzieren. Begründung: Die Beute sei gering gewesen, in dem Tresor hätten maximal 50 Euro und eine Digitalkamera gelegen.

„Das Verhalten der zuständigen Staatsanwaltschaft macht fassungslos. Hier wurde mit großem polizeilichem Aufwand erreicht, was in dieser Situation maximal zu erreichen war, um exakt die Art von professionellen Tätern festzunehmen, die ausschließlich zur Begehung von Straftaten nach Deutschland kommen“, sagt Joachim Lenders, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). „Mit ihrem Verhalten hat die zuständige Staatsanwaltschaft Deutschland und vor allem den Bereich Verden als gefahrlose Tatgelegenheit in den Kreisen der reisenden Profi-Einbrecher empfohlen.“