Flüchtlingskrise

Senatsmitarbeiter: „Das war der Offenbarungseid“

Dank großer Hilfsbereitschaft gibt es
nun Duschen in Eidelstedt

Dank großer Hilfsbereitschaft gibt es nun Duschen in Eidelstedt

Foto: Michael Rauhe / HA

Gesellschaft „Fördern & Wohnen“ ist personell am Limit, wie das Beispiel Eidelstedt zeigt. Trotzdem sollen weitere Hallen genutzt werden.

Hamburg.  Die Lage in der Flüchtlingskrise bleibt extrem angespannt: Ein Sprecher der Innenbehörde wollte am Dienstag nicht ausschließen, dass in den kommenden Tagen weitere Hallen zunächst ohne Betreiber als Unterkunft genutzt werden sollen. „Dem Ziel, die Obdachlosigkeit zu verhindern, ist alles unterzuordnen“, sagte der Sprecher. Nach Abendblatt-Informationen sind dazu mindestens zwei neue Standorte mit mehreren hundert Plätzen bis zum Wochenende nötig.

Am Sonntag hatte die städtische Gesellschaft „Fördern & Wohnen“ mit Verweis auf fehlendes Personal abgelehnt, die Notunterkunft in einem ehemaligen Baumarkt im Hörgensweg (Eidelstedt) zu betreiben. „Das war der Offenbarungseid“, heißt es dazu von mehreren Mitarbeitern aus dem Senatsumfeld. Wie berichtet kam es in der Folge zu katastrophalen Zuständen in Eidelstedt: Freiwillige sicherten die Versorgung von 500 Menschen mit dem Nötigsten. Seit Dienstag fungiert nun doch „Fördern & Wohnen“ als Träger. Punkt 7 Uhr waren Vertreter der Gesellschaft vor Ort und lösten Bundeswehr und Bezirksamt ab.

„Wir konnten Personal aus der Erstaufnahme in der Bredowstraße abziehen, weil sich dort Ehrenamtliche zur Übernahme weiterer Aufgaben bereit erklärt haben. Der Teamleiter führt nun beide Unterkünfte“, sagte Sprecherin Susanne Schwendtke. Das Unternehmen stelle laufend neues Personal ein. Aber Fachkräfte seien nach wie vor kaum auf dem Markt.

Ungeachtet dessen dauerte es eine Weile, bis geordnete Verhältnisse am Hörgensweg erreicht waren. Immer wieder fuhren private Helfer mit ihren Autos vor, um die etwa 800 Flüchtlinge mit Kleiderspenden zu versorgen. Auch Eimsbüttels Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke (SPD) war wiederholt vor Ort. Nach chaotischen Zuständen an den Vortagen kam er zu der Einschätzung: „Die Lage hier entspannt sich.“ Seine Mitarbeiter mussten zuvor notgedrungen im Dreischichtsystem Wache halten, bis „Fördern & Wohnen“ einsprang. Ob die Betreibergesellschaft in der Lage wäre, eine weitere Unterkunft zu leiten, ist unklar: „Das sehen wir, wenn es so weit ist. Wir müssen improvisieren“, sagte Schwendtke.

Die Innenbehörde sucht den Kontakt mit Hilfsorganisationen, um sie zum Betrieb der Flüchtlingsunterkünfte zu bewegen. Vereinbarungen sind dabei nicht in Aussicht. In der Vergangenheit erbat sich etwa die Diakonie eine mehrwöchige Vorbereitungszeit. Diese ist angesichts von 500 Flüchtlingen, die Hamburg täglich erreichen, nicht möglich. Die Hilfsorganisationen wollen jedoch nicht mit ihrem Namen für die schlechten Bedingungen in provisorischen Hallen stehen müssen.

Nach Abendblatt-Informationen hat der Senat auch versucht, die umliegenden Bundesländer für die Aufnahme von Flüchtlinge zu gewinnen. Es wurde der Vorschlag gemacht, etwa in Schleswig-Holstein neue Unterkünfte zu errichten, die aus Hamburger Haushaltsmitteln bezahlt würden. Bislang äußerte jedoch weder Niedersachsen noch Schleswig-Holstein Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit.