Hammerbrooker Firma

Ventilbauer Leser reicht in Europa keiner das Wasser

Firmenchef Martin
Leser (l.) und
Geschäftsführer
Joachim Klaus
mit Sicherheitsventilen
aus der
Firmenfertigung

Firmenchef Martin Leser (l.) und Geschäftsführer Joachim Klaus mit Sicherheitsventilen aus der Firmenfertigung

Foto: Klaus Bodig / HA

Die Hamburger Firma hat sich im Bereich Sicherheitsventile einen guten Ruf erarbeitet. An der Wendenstraße entsteht eine neue Zentrale.

Hamburg.  Eine Baustelle im Gewerbegebiet Hammerbrook. Martin Leser parkt sein Auto vor dem Rohbau der neuen Unternehmenszentrale der Leser GmbH. 23 Millionen Euro investiert die Familienfirma in das direkt am Kanal gelegene Kontorhaus an der Wendenstraße. „Unsere Mitarbeiter bekommen sogar einen Grillplatz direkt am Wasser“, sagt Mitinhaber Leser. Seine Schwester Verena und seine Cousins Thomas und Jan sind am Unternehmen ebenfalls beteiligt.

In der Hansestadt ist das Unternehmen zwar nur einigen wenigen Experten ein Begriff, doch weltweit genießt sie in Fachkreisen große Bekanntheit. Bei der Herstellung von Sicherheitsventilen ist Leser Marktführer in Europa und weltweit die Nummer drei der Branche. Geschäftsführer Joachim Klaus tut daher vieles, um in Zeiten des Fachkräftemangels die 170 Mitarbeiter am Standort Hamburg – Ingenieure, Kaufleute oder Vertriebs- und Marketingspezialisten – im Unternehmen zu halten.

So wird es künftig eine Tiefgarage geben, weil die Wendenstraße tagsüber zugeparkt ist. Für Mitarbeiter, die lieber mit dem Fahrrad kommen, wird ein Duschbereich geschaffen. „Der größte Vorteil wird für die Beschäftigten jedoch in den offenen, teamorientierten und durch Kühldecken und Belüftungen klimatisierten Büroarbeitsplätzen liegen“, sagt Leser.

Mehr als 7000 Quadratmeter Arbeitsfläche stehen den Mitarbeitern in dem u-förmigen Neubau in blau-weißer Kacheloptik zur Verfügung. LED-Lampen sorgen für die Beleuchtung des Gebäudes, das unter anderem auf 300 Quadratmetern Schulungs- und Demonstrationsräume beherbergt. Dort werden künftig Kunden den Umgang mit Neuheiten aus dem Hause Leser erlernen und einen Einblick in das Innenleben und die Funktionsweise von Sicherheitsventilen bekommen. Hinzu kommen weitere Werkstätten, Prüfstände und Labore. Anfang 2016 soll die neue Zentrale bezogen werden.

Leser stellt Ventile in Größen zwischen 20 Zentimetern und zwei Metern her. Zahlreiche Branchen benötigen die in Hamburg entwickelten Produkte. Sie dienen unter anderem zur Absicherung von Dampfkesseln, von Druckbehältern in der chemischen Industrie oder auch von Rohrleitungen in der Mineralölbranche. Mannshohe Ungetüme stehen in den Räumen des Unternehmens. Sie werden etwa bei der Ölförderung gebraucht, um Unfälle auf Bohrinseln zu vermeiden. Aber auch Abfüllanlagen in Brauereien werden durch Leser-Sicherheitsventile abgesichert, die in alle Welt verkauft werden.

„Für unsere weltweiten Märkte, produzieren wir ausschließlich in Deutschland“, sagt Geschäftsführer Klaus. Im Werk im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt beschäftigt das Unternehmen 330 Mitarbeiter. „Weltweit haben wir 800 Beschäftigte“, sagt Leser.

Das Unternehmen wurde 1818 in der Hamburger Wexstraße gegründet als Gelbgießerei, also als Veredler von Messing. Im vergangenen Jahr erlöste die Leser GmbH einen Umsatz in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. In 85 Staaten wurden die Produkte verkauft. Neun Tochterfirmen und Beteiligungen beliefern Industrieunternehmen weltweit mit Sicherheitsventilen. Je 25 Prozent seines Umsatzes macht das fast 200 Jahre alte Traditionsunternehmen in Deutschland und in Westeuropa, die andere Hälfte stammt zu 30 Prozent aus Asien und zu 20 Prozent aus den USA. Die Märkte auf denen Leser aktiv ist, wachsen zur Freude des Unternehmers stetig.

Doch der weltweite Markt ist hart umkämpft. Sicherheitsventile, so glauben viele Nachahmer, ließen sich schnell nachbauen und verscherbeln. „Auch Kunden von uns wurden bereits Ventile angedreht, die pure Fälschungen waren“, sagt Geschäftsführer Klaus. „Unsere einzige Chance ist, dass wir technisch immer besser werden, um der Produktpiraterie ein Ende zu setzen.“ Zugleich erweitert das Unternehmen derzeit seine Fertigung in Indien. Dort werden jedoch ausschließlich Produkte für den indischen Markt hergestellt. Es ist die einzige Ausnahme vom Grundsatz der Produktion allein in Deutschland.

Mitinhaber Martin Leser hat sich im Alter von noch nicht einmal 60 Jahren aus der operativen Führung des Unternehmens, das er in fünfter Generation leitete, verabschiedet. „Es gibt Menschen, die unser Familienunternehmen besser führen können als ich“, lautete seine Erkenntnis. Die Geschäfte führt seitdem eine dreiköpfige Geschäftsleitung unter Vorsitz von Joachim Klaus.

An dem Neubau der Firmenzentrale fanden Management und Inhaber nicht nur Freude, die Kostenkalkulation musste leicht erhöht werden. Allein der Ersatzbau für die 140 Jahre alte Uferwand kostete 500.000 Euro. „Wir haben sogar Altlasten von 1850 entdeckt“, sagt Leser. Die Beseitigung kostete noch einmal 200.000 Euro.