Polaboy

Hamburger Firma erfüllt Polaroids mit neuem Leben

Polaboy-Chef Philipp Baumgaertel hält einen Bestseller in den Händen: Schauspielerin Romy Schneider steigt aus einem Pool

Polaboy-Chef Philipp Baumgaertel hält einen Bestseller in den Händen: Schauspielerin Romy Schneider steigt aus einem Pool

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Die Firma Polaboy setzt auf eine moderne Art der Präsentation der Werke: als großformatige Folien, von hinten beleuchtet durch LEDs.

Hamburg.  Im Februar 2008 hat der US-Konzern Polaroid die Produktion von Filmen im typischen, quadratischen SX-70-Format nach 36 Jahren eingestellt. Doch geblieben sind unzählige Bilder, viele davon aufgenommen von Künstlern, die die unkomplizierte Technik und Originalität der Polaroid-Fotografie schätzten. Die Firma Polaboy aus Hamburg setzt jetzt auf eine moderne Art der Präsentation der Werke: Als großformatige Folien, von hinten beleuchtet durch LEDs. Der weiße Metallrahmen, der die dazu nötige Technik enthält und aus dem ein textilummanteltes Stromkabel in Wunschfarbe herausführt, hat die Proportionen der klassischen SX-70-Bilder.

„Wir haben eine Lizenzvereinbarung mit dem Polaroid-Nachfolgeunternehmen und sind die Einzigen, die dieses Format für einen solchen Zweck nutzen dürfen“, sagt Polaboy-Chef Philipp Baumgaertel. Ein Hamburger Labor erstellt die Dia-Folien anhand der Polaroid-Vorlagen. Die Rahmenhöhen reichen von 58 bis 107 Zentimeter, die Preise für das komplette Produkt bewegen sich im Bereich zwischen 450 und 1600 Euro.

„Die größte Ausführung, so wie dieses bekannte Motiv mit Romy Schneider, die aus einem Pool steigt, ist besonders gefragt“, sagt Baumgaertel. Ein solcher Rahmen wiegt 17,5 Kilogramm, der Stromverbrauch von 42 Watt entspricht etwa dem eines mittelgroßen Flachbild-Fernsehers.

2012 hatte der in Hamburg lebende tschechische Designer Jirko Bannas die Idee zu Polaboy, rund 160 Stück wurden bislang verkauft. Inzwischen haben sich drei junge Internet-Unternehmer aus der Hansestadt daran beteiligt: Philipp Westermeyer, Tobias Schlottke und Christian Müller, Gründer und Geschäftsführer von Metrigo, einem Entwickler von Online-Marketingsoftware, der kürzlich an Zalando verkauft wurde.

Ein anderes Unternehmen des Trios wurde bereits 2011 vom Hamburger Verlag Gruner + Jahr übernommen. Außerdem ist Damian Doberstein, Mitgründer eines russischen Mode-Onlinehändlers, als „Business Angel“ eingestiegen.

Der Polaboy-Firmensitz befindet sich in den loftartigen Büroräumen der Metrigo-Macher in szeniger Umgebung – im Obergeschoss eines Backsteinbaus bei den Schanzenhöfen. An diesem heißen Tag geht es hier denn auch leger zu, Shorts und T-Shirts sind die vorherrschende Arbeitskleidung.

Philipp Baumgaertel ist erst seit wenigen Wochen der Chef von Polaboy. Er bringt selbst einige Start-up-Erfahrung mit: Bereits im Studium gehörte er zu den Gründern einer Online-Mitfahrzentrale für Outdoor-Sportler, zuletzt war er Manager bei dem jungen Hamburger Server-Hersteller Protonet.

„Eigentlich wollte ich einmal wieder ein eigenes Geschäft aufziehen“, sagt Philipp Baumgaertel, „aber als ich durch Christian Müller von Polaboy hörte, hatte ich darauf große Lust.“ Zu den Aufgaben des neuen Chefs gehört es nicht zuletzt, eine Finanzierungsrunde vorzubereiten. Gespräche dazu werden schon geführt, es soll dabei um 1,5 Millionen Euro gehen.

Das Geld wird unter anderem dazu benötigt, die Kapazitäten der Rahmenfertigung in Tschechien auszubauen. „Wir möchten, dass der Einstiegspreis für Polaboy auf vielleicht 300 Euro sinkt“, sagt Baumgaertel. Während ursprünglich alle erhältlichen Motive frühere Polaroid-Fotos waren, ist es den Kunden inzwischen auch möglich, eigene Fotografien auf diese Weise zu präsentieren.

Außer Polaboy bietet das Unternehmen etwa für Hotels und Restaurants auch sogenannte Lightwalls bis zu einem Format von zwei mal drei Meter mit der gleichen Technik sowie ebenfalls großformatige Deckenrahmen („Roof Top Lights“) an; als Motive für Letztere sind zum Beispiel Fotografien von Rokoko-Kirchenfresken oder Gewölbedecken aus gotischen Kathedralen erhältlich.

Voranbringen will Baumgaertel aber vor allem das Polaboy-Geschäft. „Wir denken dabei auch an Pop-up-Stores, weil wir glauben, dass man das Produkt im Original gesehen haben muss“, sagt er. „Außerdem hat das Unternehmen bisher so gut wie gar nicht dafür geworben.“

In der Entwicklung ist jedoch auch eine digitale Polaboy-Variante für bewegte Bilder, erste Prototypen gibt es schon. Damit lassen sich etwa Inhalte aus dem Internet darstellen. Für dieses neue Produkt hat Baumgaertel allerdings auch kommerzielle Kunden im Blick. So könnten Modeanbieter in Schaufenstern Videos zeigen, ohne dazu eher technisch aussehende Monitore oder Fernseher verwenden zu müssen. Um all dies realisieren zu können, will Polaboy neue Arbeitsplätze schaffen: „Heute besteht das Team aus fünf Personen, drei bis vier weitere Stellen sind zu besetzen.“

Polaboy ist für eine Beratung telefonisch unter der Rufnummer 040/23936134, montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr zu erreichen oder per Mail an philipp@polaboy.com