Berlin

Vier Jahre Haft für Geiselnahme im ICE nach Hamburg

Knapp zehn Monate nach einer Geiselnahme in einem ICE hat das Gericht den Mann aus Baden-Württemberg zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt

Knapp zehn Monate nach einer Geiselnahme in einem ICE hat das Gericht den Mann aus Baden-Württemberg zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt

Foto: Paul Zinken / dpa

Ein 24 Jahre alter Mann ist nach einer Geiselnahme in einem ICE von Berlin nach Hamburg zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Berlin.  Das Berliner Kammergericht hat rund zehn Monate nach einer Geiselnahme in einem ICE von Berlin nach Hamburg den angeklagten Mann aus Baden-Württemberg zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt.

Der 24-Jährige kommt laut Urteil vom Donnerstag in eine geschlossene psychiatrische Klinik. Das Strafmaß liegt gering unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte vier Jahre und neun Monate Gefängnis gefordert.

Laut Urteil war die Tat ein „pathologischer Kompensationsversuch“, als sich die Krankheit des Mannes zuspitzte - eine kombinierten Persönlichkeitsstörung mit Depressionen, herabgesetzter Hemmschwelle, Zwangshandlungen und Suizidversuchen. Richter Hoch sagte, der Mann sei wegen aggressiver Ausbrüche gefährlich für die Allgemeinheit.

Der Geiselnehmer sei zwar schuldfähig. Seine Steuerungsfähigkeit sei aber erheblich vermindert gewesen. „Die Tat hätte sich ohne die Krankheit nicht ereignet“, sagte Richter Josef Hoch. „Er begeht Straftaten als ein anderer.“

„Es kam ihm allein darauf an, ein politisches Zeichen zu setzen“, betonte der Richter. Der 24-Jährige habe sich wegen seiner jüdischen Großmutter sehr für Israel interessiert und dem Staat emotional verbunden gefühlt. Das Gericht glaubte ihm aber, dass er seine Geldforderung von einer halben Million Euro nicht durchsetzen wollte.

Versuchte Nötigung des Bundespräsidenten

Der bereits vorbestrafte Mann wurde auch wegen versuchter Nötigung des Bundespräsidenten verurteilt. Er hatte im November 2014 im ICE von Berlin nach Hamburg den Zugchef mit vorgehaltener Schreckschusspistole gezwungen, ein Schreiben mit politischen Forderungen telefonisch weiterzugeben. Zuvor gab er einen Warnschuss ab. Der Geiselnehmer wollte, dass Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf einer Pressekonferenz die Anerkennung Palästinas als Staat verurteilen.

Der Mann aus Künzelsau wurde von Fahrgästen überwältigt, dabei fielen noch drei Schüsse. Verletzt wurde niemand. Als der Mann an jenem Morgen am Berliner Hauptbahnhof in das Zugabteil 22 stieg, war er bereits zwei Nächte ohne Schlaf durch die Hauptstadt geirrt und hatte auch seine Medikamente nicht genommen.

Der Mann mit abgebrochener Lehre hatte im Prozess umfassend gestanden, die Tat aber gerechtfertigt. Das Urteil nahm er mit einem Nicken auf. Das Strafmaß liegt gering unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte vier Jahre und neun Monate Gefängnis sowie die Unterbringung gefordert.