Centrum für Naturkunde

Rätselhafter Narwal-Schädel beschäftigt Hamburger Forscher

Evolutionsbiologe Michael Hofreiter (l.) und Thomas Kaiser vom Centrum für Naturkunde an der Universität Hamburg untersuchen den Stoßzahn von einem Narwal-Schädel. Im Hintergrund ist ein Skelett von einem Pottwal ausgestellt

Evolutionsbiologe Michael Hofreiter (l.) und Thomas Kaiser vom Centrum für Naturkunde an der Universität Hamburg untersuchen den Stoßzahn von einem Narwal-Schädel. Im Hintergrund ist ein Skelett von einem Pottwal ausgestellt

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Zwei Stoßzähne und doch ein Weibchen? Ein DNA-Test soll Klarheit über einen weltweit einzigartigen Narwal-Schädel bringen.

Hamburg. Mit Hilfe eines DNA-Tests wollen Wissenschaftler das Geschlecht eines über 300 Jahre alten Narwal-Schädels im Hamburger Centrum für Naturkunde bestimmen. Der Potsdamer Evolutionsbiologe Michael Hofreiter nahm am Montag Genproben aus dem Schädel und den beiden etwa 2,50 langen Stoßzähnen, wie ein Sprecher des Museums sagte. Die Erbsubstanz soll mit Proben von einem eindeutig männlichen Narwal-Stoßzahn aus dem Naturkunde-Centrum verglichen werden.

Der rätselhafte Schädel ist weltweit einzigartig. Er soll nach einem zeitgenössischen Bericht von einem „Walfisch“ stammen, den der Hamburger Dirk Petersen 1684 vor Spitzbergen fing. Im Leib des Wales befand sich dem Bericht zufolge ein Embryo. Es handelte sich also um eine Wal-Kuh. Doch einen Stoßzahn haben normalerweise nur Männchen, ein weiterer weiblicher Narwal-Schädel mit gar zwei Stoßzähnen ist nicht bekannt.

Das ungewöhnliche Exemplar wurde in den 1980er Jahren noch intensiv mit Natronlauge behandelt. Das könnte je nach Konzentration die DNA-Spuren zerstört haben, erklärte der Leiter der Museumspädagogik, Daniel Bein. Für die Geschlechtsbestimmung würde es allerdings schon genügen, den Rest eines Y-Chromosoms zu finden. Denn damit wäre der Wal doch ein Männchen gewesen. In spätestens zwei Monaten soll das Ergebnis der Untersuchung vorliegen.