Linke Szene

Hamburger Autonome enttarnen verdeckte Ermittlerin der Polizei

Die Aufnahmen zeigen die verdeckte Ermittlerin "Maria Block": Als Undercover-Ermittlerin in der Hamburger linken Szene (links) und als Polizistin im Jahr 2003

Die Aufnahmen zeigen die verdeckte Ermittlerin "Maria Block": Als Undercover-Ermittlerin in der Hamburger linken Szene (links) und als Polizistin im Jahr 2003

Foto: HA/Zand-Vakili

Zweiter Fall in einem Jahr. Adresse und Fotos im Internet veröffentlicht. Julia H. war drei Jahre lang in linker Szene aktiv.

Hamburg. Mitglieder der autonomen Szene haben erneut eine verdeckte Ermittlerin der Polizei enttarnt. Eine anonyme Gruppe stellte ein Dokument über den Einsatz der 32 Jahre alten Julia H. (Name geänd.) ins Internet. Demnach spionierte die Beamtin von 2009 bis 2012 unter dem Decknamen „Maria Block“ im Umfeld der Roten Flora und weiteren Treffpunkten der Szene in Hamburg. Die Verfasser veröffentlichten Fotos und die Wohnadresse der Beamtin. Die Polizei bestätigte den Fall. „Die Umstände werden geprüft“, sagte Sprecher Timo Zill.

Nach Angaben der Autonomen fand Julia H. über eine Kneipe an der St.-Pauli-Hafenstraße Einstieg in die linke Szene. Sie knüpfte Kontakte und organisierte später Treffen und Demonstrationen in Wilhelmsburg, Altona und dem Schanzenviertel. Nach Abendblatt-Informationen sollte Julia H. die Szene zunächst nur beobachten, wurde im Laufe des Einsatzes aber mit den zusätzlichen Befugnissen einer verdeckten Ermittlerin ausgestattet.

Leitartikel: Autonome stellen Polizei und Politik bloß

Die Polizistin sei „tief in die Struktur“ mehrerer Gruppen eingedrungen, schreiben die Autonomen. Demnach soll Julia H. mit weiteren Linksaktivisten auch Auslandsreisen zu Protesten gegen den Klimawandel in Dänemark, Belgien und Griechenland unternommen haben. Mit mindestens einem Autonomen habe sie bis zum Jahr 2012 zudem eine sexuelle Affäre gehabt. Polizeivertreter wollten den Einsatz nicht kommentieren. Der Schutz von Julia H. habe Vorrang, hieß es.

Die Autonomen bezeichneten die Enttarnung als „dem Zufall geschuldet“. Im Jahr 2012 löste sich Julia H. mit Verweis auf private Sorgen zunehmend aus der Szene und brach den Kontakt schließlich komplett ab. Erst später bemerkten Linksradikale einige Widersprüche in ihren Erzählungen. Nach Abendblatt-Informationen arbeitete eine „Recherchegruppe“ im Anschluss fast ein Jahr an der Enttarnung.

Auch "Iris Schneider" ging Liebesbeziehung ein

Bereits im November 2014 war die Ermittlerin „Iris Schneider“ aus dem Umfeld der Roten Flora aufgeflogen, als ein ehemaliger Weggefährte sie bei einer Podiumsdiskussion wiedererkannt hatte. Auch sie soll während ihres Einsatzes mehrere Liebesbeziehungen eingegangen sein.

Die Partei Die Linke forderte Innensenator Michael Neumann (SPD) auf, am Freitag im Innenausschuss der Bürgerschaft Rede und Antwort zu stehen. Wenn sich die Liebesaffären der Ermittlerinnen bestätigten, stehe die Polizei „vor großen Problemen“.

Wie ebenfalls bekannt wurde, war Julia H. vor ihrem verdeckten Einsatz häufiger öffentlich als Polizistin zu sehen. Sie kam im Jahr 2003 aus Berlin nach Hamburg, ließ sich für die Titelseite eines Gewerkschaftsmagazins ablichten und schwärmte von den Arbeitsbedingungen in Hamburg: „Ich bin hier wirklich rundum glücklich.“