Neustrukturierungen

Warum Internet-Gigant Google den Konzern umbaut

Mitarbeiter bei Google in Hamburg. Mit ungewöhnlicher Raumausstattung – wie hier eine Simulation auf der Alster – versucht der Konzern, die Kreativität zu fördern

Mitarbeiter bei Google in Hamburg. Mit ungewöhnlicher Raumausstattung – wie hier eine Simulation auf der Alster – versucht der Konzern, die Kreativität zu fördern

Foto: Frank von Wieding / Google

Das Internetunternehmen wird unter Holding Alphabet neu strukturiert. Keine Änderungen für die 400 Mitarbeiter in Hamburg.

Hamburg.  Wer bei Google in Hamburg am Empfangstresen steht, sieht eine große Anzeigetafel mit den Suchwörtern, die in diesem Moment Google-Nutzer in ihre Tastatur tippen. Die Begriffe wechseln im Sekundentakt, die Sprachen sind international, kein Wunder, denn in jeder Minute suchen weltweit Millionen Menschen Internetseiten über Google.

Doch Google ist weit mehr als eine Suchmaschine. Google steht heute für einen Konzern, der sich vorgenommen hat, die großen Herausforderungen der Menschheit zu lösen. So werden auch die Mitarbeiter motiviert. „Du kannst gar nicht groß genug denken, setze Dir Deine Ziele höher“, heißt es in den Feedbackgesprächen zwischen Vorgesetzten und Angestellten. Den Hunger in der Welt besiegen? Die Probleme durch die Überalterung der Gesellschaften lösen? Den Krebs vernichten? Alle diese Themen stehen bei Google auf der Tagesordnung. Weltweit arbeiten Tausende Experten im Dienste des Konzerns an solch ehrgeizigen, aber auch äußerst kostspieligen Projekten.

Jetzt baut Google seine Strukturen so um, dass sich die neue Philosophie in der Organisation widerspiegelt. Auch das Ziel, die Ausgaben und Erträge der Sparten besser darstellen zu können, verfolgt Google mit seiner neuen Ordnung. Die Abteilungen, die etwa für Android-Software, YouTube-Videos, aber auch für fahrerlose Autos, Computerbrillen und Drohnen stehen, sollen eigenständiger arbeiten. Zudem solle das Unternehmen schlanker werden, sagte Google-Chef Larry Page.

Die neue Holding namens Alphabet soll Ordnung in das Firmengeflecht bringen. Dies könnte in Zukunft Abspaltungen, aber auch Fusionen mit anderen Konzernen erleichtern. Jüngst hatte beispielsweise eBay den lukrativen Finanzdienstleister PayPal abgespalten. „Sie sind sich bewusst, dass sie dieses Sammelsurium an Unternehmen haben“, begrüßte Analyst Roger Kay vom Marktforscher Endpoint Technologies den Umbau. Vielleicht sei es so leichter, herauszufinden, wer die Brötchen verdiene, was ein wissenschaftliches Projekt und was langfristig vielversprechend sei.

Google orientiert sich mit seiner neuen Holdingstruktur an anderen Konglomeraten wie der Firma von Starinvestor Warren Buffett Berkshire Hathaway oder General Electric. Diese verfügen über eine Zentrale, die sich um die Finanzen kümmert. Ansonsten wird den Bereichen jedoch eine weitreichende Unabhängigkeit gewährt. Finanzchefin Ruth Porat ist für die Holding Alphabet, aber auch für die größte Tochter mit dem neuen und alten Namen Google zuständig. Dazu gehören die Suchmaschine, der Kartendienst Google Maps und YouTube.

Diese Aktivitäten des Konzerns sind auch in Hamburg unter Führung von Philipp Justus mit dem Vertrieb, dem Marketing und der Pressearbeit für den deutschsprachigen Raum vertreten. So halten die 400 Google-Mitarbeiter in der Hansestadt Kontakt zu Werbe- und Mediaagenturen, um Werbung auf Googleseiten zu verkaufen. Auch arbeiten die Vertriebsexperten von Google in Hamburg daran, Mittelständler stärker an das Internet zu binden und Marketinginstrumente der digitalen Welt, wie Videos, zu fördern.

Der Konzern gehört weltweit zu den beliebtesten Arbeitgebern. Das Büro in Hamburg – passenderweise an der Abc-Straße – macht mit kostenlosem Essen, Eis, Snacks und Smoothies von sich reden. Außerdem gibt es Arbeitswelten mit der Atmosphäre einer Ruderpartie über die Alster oder Golfzimmer. Durch die Umstrukturierung dürften die Hamburger Mitarbeiter und ihre Aufgaben aber nicht betroffen sein, hieß es bei Google.

Der Konzern plant unterdessen, dass die Mutter Alphabet eine weitere Tochter hat, unter der auch der Wagniskapitalgeber Google Ventures, der Thermostat-Anbieter Nest sowie das Forschungslabor X und die Gesundheitssparte Life Sciences zusammengefasst werden. Google-Chef und -Mitgründer Larry Page leitet nach dem Umbau die Geschicke von Alphabet, die neue Sparte Google übernimmt Sundar Pichai. Dieser war zuletzt unter anderem für das Android-Betriebssystem verantwortlich, das auf einem Großteil der weltweiten Smartphones läuft. Alphabet wird Google als börsennotierte Gesellschaft ablösen. Im Internet ist die Adresse Alphabet.com übrigens schon vergeben: Sie gehört einer Tochter des deutschen Autobauers BMW.

Der Name Alphabet sei wegen seiner Bedeutung als „eine Sammlung von Buchstaben, die die Sprache ausmachen“, gewählt worden, „eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit“, schrieb Page in einem Blogeintrag mit dem Titel „G is for Google“. Er wies außerdem darauf hin, dass „alpha-bet“ im Englischen auch „Wette auf Alpha“ bedeuten könnte, ein Maß für eine Rendite, die höher ausfällt als ein Vergleichswert. „Danach streben wir!“ Google war zuletzt dank des florierenden Anzeigengeschäfts rasant gewachsen. Der Gewinn des Internetkonzerns stieg im abgelaufenen Quartal um 17 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Dollar.