Finanzierungsprobleme

Gebäudeausrüster Imtech hat 1,2 Milliarden Euro Schulden

Gerard van de Aast ist Vorstandschef der Royal Imtech

Gerard van de Aast ist Vorstandschef der Royal Imtech

Foto: Imtech Deutschland

Mutterkonzern beantragt Aussetzung seiner Zahlungspflichten. Die insolvente deutsche Tochter ist an fast 1000 Projekten beteiligt.

Hamburg/Gouda.  Wegen akuter Finanzierungsprobleme hat der niederländische Gebäudeausrüster Imtech bei einem Gericht die Aussetzung seiner Zahlungsverpflichtungen beantragt, nachdem die deutsche Tochter schon am Freitag in Hamburg einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Das zuständige Distriktgericht in Rotterdam habe den Antrag bewilligt und einen Verwalter für den Konzern eingesetzt, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Imtech kämpfe seit rund zwei Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten, sagte Imtech-Vorstandschef Gerard van de Aast.

Für einzelne Teile gibt es bereits Interessenten. Der niederländische Insolvenzverwalter Jeroen Princen sagte, er erwarte in Kürze eine Einigung mit den Banken und einem Käufer. Imtech schulde seinen Kreditgebern insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Die Auswirkungen der Schwierigkeiten bei Imtech auf die Arbeiten auf der Flughafen-Baustelle waren zunächst aber noch nicht absehbar.

Am Montag hatte der vorläufige Insolvenzverwalter für Imtech Deutschland, Peter-Alexander Borchardt, erklärt, die Arbeiten im neuen Terminal sollten wie geplant fortgesetzt werden. Imtech ist unter anderem für Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten zuständig. Zuvor hatte sich der niederländische Imtech-Konzern am Montag vergeblich bemüht, bei seinen Banken einen Überbrückungskredit in Höhe von 75 Millionen Euro zu bekommen. Doch die Verhandlungen mit den Kreditgebern über eine weitere Finanzspritze seien endgültig gescheitert, räumte eine Imtech-Sprecherin ein. Nun gehe es darum, „so viel wie möglich von dem Konzern zu erhalten“. Imtech prüfe „alle Optionen“.

Die deutsche Tochter ist nach des eingesetzten Insolvenzverwalters an fast 1000 Bauprojekten in Deutschland beteiligt. Die Beschäftigten des Unternehmens setzten ihre Arbeit bislang fort, teilte Peter-Alexander Borchardt am Mittwoch in Hamburg mit. Auch viele der beauftragtenSubunternehmen hätten in den vergangenen Tagen weitergemacht. Zu den größten Baustellen gehört der künftige Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld, die Oper und das Schauspielhaus in Köln und auch das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21.

Die Imtech-Pleite beschäftigt auch die Politik. Die Opposition im Brandenburger Landtag fordert eine Aufklärung über die Folgen für die Fertigstellung des Flughafens. Eine Sondersitzung des Flughafen-Ausschusses wurde beantragt. „Durch die Insolvenz eines für die Fertigstellung des Flughafenbaus zentralen Unternehmens ist der gesamte Zeitplan für die Eröffnung akut gefährdet“, sagte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Rainer Genilke. Zudem drohten wegen Neuausschreibungen der Aufträge und haftungsrechtlicher Fragen finanzielle Risiken. Weltweit arbeiten 22.000 Menschen für Imtech, in Deutschland sind es allein mehr als 4000.

Imtech hat die Zahl der Mitarbeiter auf dem Berliner Flughafen erhöht

„Die Mitarbeiter sämtlicher Gewerke sowie die Subunternehmer haben zugesagt, den Flughafenbau bis auf Weiteres unverändert fortzuführen“, erklärte Insolvenzverwalter Borchardt. „Ich werte das als großen Vertrauensvorschuss in den Fortbestand von Imtech Deutschland.“

Imtech liege gemessen an den Vorgaben im Zeitplan. Erst in einigen Tagen wird feststehen, ob und wie viele Projekte fortgeführt werden könnten. „Imtech hat heute angekündigt, die Zahl ihrer Mitarbeiter auf der Baustelle wieder hochzufahren“, sagte ein Flughafen-Sprecher. Am Flughafen ist Imtech auch am Bau der Brandschutz-Anlage beteiligt, einem der Kernprobleme bei dem Krisenprojekt.

Die Probleme bei Imtech hatten 2013 begonnen, nachdem ein Auftrag in Polen gefloppt war, bei dem hundert Millionen Euro versenkt wurden. Inzwischen laufen gegen die Firma und mehrere ehemalige Mitarbeiter Verfahren wegen Korruption und Kartellvergehen. Imtech kam trotz eines Management-Wechsels danach nicht mehr auf die Beine, der Rufschaden bremste das Neugeschäft weiterhin massiv. Finanziert worden war die Deutschland-Tochter daraufhin über die niederländische Mutter.