Gebäudeausrüster

Imtech will gezahlte Steuern von Hamburg zurück

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Gebäudeausrüster verlangt von der Stadt 21,7 Millionen Euro. Strafanzeige angekündigt. Inzwischen wurde das Management des HSV-Sponsors ausgewechselt.

Hamburg. Der technische Gebäudeausrüster Imtech, der seinen Deutschlandsitz in Hamburg hat, verlangt nach massiven Unregelmäßigkeiten im eigenen Haus 21,7 Millionen Steuern von der Hamburger Finanzbehörde zurück. Hintergrund ist, dass die deutsche Gesellschaft des gleichnamigen niederländischen Unternehmens über Jahre hinweg Umsätze ausgewiesen hatte, die es offenbar in Wirklichkeit nicht gab. Damit stieg nicht nur der zu versteuernde Gewinn, sondern dies hatte auch zu höheren Bonuszahlungen für die deutsche Führungsetage geführt. „Wir haben ein Bilanzierungsproblem gehabt“, sagte Imtech-Sprecher Harald Prokosch und bestätigte damit einen Bericht des „Handelsblatts“.

Jetzt will das Unternehmen ermitteln, ob der Vorgang auch juristische Konsequenzen zur Folge haben kann. Inzwischen wurde das Management des HSV-Sponsors ausgewechselt. Die Finanzbehörde wollte sich am Mittwoch nicht zu der Angelegenheit äußern. „Das unterliegt dem Steuergeheimnis“, sagte Behördensprecher Daniel Stricker. Neben den Scheinbuchungen hat die deutsche Tochter den niederländischen Konzern finanziell in die Bredouille gebracht. Imtech in Hamburg hatte im Sommer des vergangenen Jahres einen Großauftrag von dem Projektentwickler LasPalm für den Bau des geplanten Erlebnisparks Adventure World Warschau in Polen erhalten. Der wurde später aber wieder zurückgenommen. Fatal war jedoch, dass Imtech bereits 100 Millionen Euro in das Projekt investiert hatte – und keinen Cent von dem Unternehmen LasPalm zurückbekam.

Deutschland-Chef Klaus Betz musste zum Jahresanfang gehen

Der damalige Deutschland-Chef Klaus Betz, der auch für das Geschäft in Polen verantwortlich war, musste im Februar seinen Hut nehmen, wie auch Axel Glaß, Leiter des Finanzwesens und Mitglied der Geschäftsleitung. Die Lage war ernst: Weil der polnische Auftraggeber seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkam, konnte der Mutterkonzern Kredite bei Banken nicht mehr bedienen. Der Ausflug in den Osten hat dazu geführt, dass der niederländische Konzern 2012 mit einem Nettoverlust in Höhe von 226,3 Millionen Euro abgeschlossen hat, obwohl der Umsatz um sieben Prozent auf 5,433 Milliarden Euro gestiegen war. Allein 370 Millionen Euro wurden in Deutschland und Polen in den Sand gesetzt. Imtech musste europaweit ein Sparprogramm auflegen und 1300 Stellen abbauen. Auch in Deutschland waren Mitarbeiter davon betroffen.

Sogar von möglicher Korruption berichtet das Unternehmen. „Wir werden von ehemaligen Mitarbeitern und diversen Fremdfirmen einen Schadensersatz einfordern“, kündigte Imtech-Chef Gerard van de Aast an. „Dies betrifft auch den ehemaligen Deutschland-Chef Klaus Betz.“ Er schließe nicht aus, dass es in diesem Zusammenhang auch strafrechtliche Ermittlungen gegen einige Personen oder Unternehmen geben könnte. „Uns ist bereits eine Strafanzeige gegen Verantwortliche von Imtech angekündigt worden“, sagte Nana Rombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg.

Weltweit beschäftigt der Konzern rund 29.000 Mitarbeiter, davon 5800 Beschäftigte an 60 Standorten in Deutschland. 900 Mitarbeiter sind in Hamburg tätig.

( (stü) )

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