Zwischenruf

Wo die Radfahrer nur Rot sehen

Alexander Schuller

Alexander Schuller

Foto: Michael Rauhe / HA

Über Radfahrer, rote Ampeln und ein aufgeschlagenes Zelt. Eine Glosse.

Das mühelose Dahingleiten auf Hamburgs Fahrradwegen und -straßen wird dann und wann unterbrochen und zwar, wenn man sich beispielsweise einer Lichtzeichenanlage, kurz Ampel genannt, nähert. Eine tolle Sache, das. Vor allem auch die Extra-Ampeln nur für uns Radler, die zunehmend ihren Platz in der Verkehrsführung finden.

Zum Beispiel an der Kreuzung Bürgerweide/Wallstraße in Borgfelde, Richtung Berliner Tor, wo wir praktisch ohne hinzusehen, den Rechtsabbieger überqueren können (wenn unsere Ampel grün zeigt), um dann die sechsspurige Bürgerweide erneut zu überqueren. Die Radfahrerampel zeigte rot, ich musste warten, und so warf ich einen kurzen Blick auf das Radfahrerpärchen, das auf der Verkehrsinsel vor seinem Zweimannzelt saß und frühstückte. Wir kamen ins Gespräch.

Es waren nette junge Leute aus Dänemark, die für die Nacht zuvor eigentlich ein Zimmer in einem Hostel an der Spaldingstraße reserviert hatten. Sie schilderten mir ihr Problem: Die Radfahrerampel, die ihnen ein gefahrloses Überqueren der Bürgerweide ermöglicht hätte, zeigte dauerrot. Seit nunmehr 14 Stunden schon. Und da sie als vorbildliche Touristen keinen Verkehrsverstoß begehen wollten, hatten sie nach vier Stunden Warten einigermaßen resigniert ihr Zelt aufgebaut, als es zu regnen begann ...

Ich konnte unsere Hamburg-Gäste aufklären. Denn auch ich hatte schon öfter ungeduldig an einer Ampel gestanden, ein, zwei, drei – einmal sogar fünf Rotphasen lang, bis ein wohlmeinender Quartiersbewohner, der zufällig des Wegs kam (oder radelte) diesen signalfarbenen kleinen Kasten am Ampelmast betatscht und mir dabei einen verständnisvollen Blick zugeworfen hatte. Ruckzuck wurde es dann grün: weil es sich um eine sogenannte Anforderungsampel für Fußgänger und Radfahrer handelte. Darauf muss man aber erstmal kommen. Ein Hinweisschild wäre bestimmt eine Lösung. „Hier drücken!“ oder „Press here!“. Oder auf Dänisch: „Tryk her!“