Zeltaufbau

Ohlstedter Platz wird zum Notlager für Flüchtlinge

Soldaten der Bundeswehr bauen auf dem Ohlstedter Platz Zelte für Flüchtlinge auf

Soldaten der Bundeswehr bauen auf dem Ohlstedter Platz Zelte für Flüchtlinge auf

Foto: Axel Heimken / dpa

Die Bundeswehr baut 44 Zelte auf. Bis Ende des Jahres benötigt Hamburg Platz für 6800 weitere Männer, Frauen und Kinder.

Ohlstedt. Hamburg steht vor einem gewaltigen Zuwachs: Mit 5700 registrierten Flüchtlingen wurde im Juli ein neuer Höchststand erreicht. Von ihnen wurden bislang 1700 Asylsuchende auf andere Bundesländer verteilt, wie die Auswertung der Sozialbehörde ergab. Gleichzeitig stellte der Senat die aktuelle Halbjahresstatistik vor. Demnach wurden seit Januar 18.000 Flüchtlinge registriert und davon 7200 im Hamburger Stadtgebiet untergebracht.

Erstmals seit Beginn des Frühjahrs kamen im Juli die meisten neuen Flüchtlinge aus Albanien (mehr als 380 Menschen), dahinter folgen die Herkunftsländer Syrien (330 Menschen), Afghanistan (301 Menschen), Eritrea (259 Menschen) und der Irak (79 Menschen).

Im Vergleich zum Vormonat sank der Anteil der sogenannten Balkanflüchtlinge. Nach der Statistik sind bereits insgesamt rund 3000 Flüchtlinge in Zelten untergebracht. Der Senat rechnet damit, dass bis zum Jahresende etwa 6800 weitere Plätze geschaffen werden.

Im Norden der Stadt begann am Freitag bereits der Aufbau eines Zeltlagers durch die Bundeswehr. Die Soldaten hatten sich am Freitagmorgen gerade erst am Ohlstedter Platz zusammengefunden, da kam schon die erste Anwohnerin, leicht aufgebracht, denn die Bundeswehr errichtet in ihrer Nachbarschaft ein Zeltlager. Sie verstehe die Situation, aber „die Leute, die direkt betroffen sind, hätte man doch besser informieren können“, klagt sie.

Eine andere Nachbarin ist aufgeschlossen: „Wir Ohlstedter sind froh, dass wir helfen können“, freut sie sich. Die Soldaten helfen gern: „Einige haben mir sogar angeboten, ihren Urlaub abzubrechen“, sagt Jörn Panzer, Kommandant des Spezialbataillons 164. Seine Soldaten aus Husum führen den Aufbau durch.

Die Bundeswehr stellt auch Betten und Beleuchtung, alles andere die Stadt

Um 10 Uhr kommt der erste Lkw. Das Abladen übernimmt ein spezieller Stapler, denn die Fracht ist schwer. „Ein Zelt wiegt 1,8 Tonnen“, sagt Panzer. Etwa zwei Stunden brauchen die fünf Soldaten pro Zelt. An diesem Morgen aber beeinträchtigt Regen den Aufbau. „Wenn das Wetter passt, sind wir am Sonntag fertig, so dass wir den Platz Anfang der Woche an die Stadt übergeben können“, sagt Klaus Brandel, Sprecher des Landeskommandos.

Vier Flächen sind bereits abgesteckt: „Das sind die ersten Zelte, nach ihnen richtet sich der Rest“, sagt Brandel. In jedem der 44 Zelte ist Platz für acht bis zehn Personen. Bis zu 420 Schlafplätze werden so geschaffen, vorübergehend. „Vom Material her sind die Zelte winterfest“, sagt Panzer, „natürlich nur mit Heizungen.“ Die Bundeswehr stellt noch Betten und Beleuchtung, alles andere obliegt der Stadt. Die plant die Unterbringung bis Ende September, einen Termin für den Abbau gibt es noch nicht.

Doch erst müssen die Zelte aufgestellt werden. „Die Wiese ist uneben und hat ein Gefälle“, sagt Panzer. Auf den Boden kommt ein Gestell, dann werden die Planen eingezogen. 19 weitere Zelte könnte die Bundeswehr noch einmal bereitstellen.