Expansion

Hamburger Optikerkette bietet Brillen zum Festpreis

Eyes+more mischt den Markt auf: Designer Volker Kächele und Geschäftsführer Tammo Bruns wollen Brillen zu günstigen Festpreisen anbieten

Eyes+more mischt den Markt auf: Designer Volker Kächele und Geschäftsführer Tammo Bruns wollen Brillen zu günstigen Festpreisen anbieten

Foto: Marcelo Hernandez

Eyes+more befindet sich auf Expansionskurs. Verdopplung der Filialen und Mitarbeiterzahl bis 2019 geplant.

Hamburg.  Brillen in allen Varianten und Farben. Gestelle in Braun, Gelb oder Lila hängen an den Wänden des Hamburger Ladens in der großen Johannisstraße. Fünf Geschäfte betreibt der Brillenhersteller eyes+more in der Hansestadt. In diesem Jahr wurde sogar die Zentrale des Unternehmens von Bad Segeberg nach Hamburg verlegt. „Ziel war es, eine internationale Direktionsebene zu rekrutieren, und für diesen Schritt war der Umzug in die Hansestadt notwendig“, sagt Tammo Bruns, der die Firmenzentrale in der Hansestadt als Vorstandschef leitet und zugleich Geschäftsführer der Deutschlandzentrale ist.

Eyes+more bringt mit seiner Preispolitik neuen Schwung in die Optikerbranche. Alle Brillen gibt es bei dem Filialisten zum Festpreis: 111 Euro kostet eine Lese- oder Fernsichtbrille, 222 Euro bezahlt der Kunde für ein Gleitsichtmodell. Damit liegt das Unternehmen im unteren Preissegment. Laut einer Verbraucherbefragung sind die Deutschen sogar bereit, für eine Gleitsichtbrille bis zu 625 Euro bezahlen.

„Das Preisniveau von eyes+more ähnelt dem der Internetanbieter“, sagt Ingo Rütten, Sprecher des Zentralverbandes der Augenoptiker. Allerdings findet er es schon von Berufs wegen nicht gut, wenn die Durchschnittspreise für die Branche durch solche Aktionen sinken.

Das im Jahr 2005 in den Niederlanden gegründete Unternehmen hat 79 Läden in Deutschland und 37 in Holland. „Bis 2019 wollen wir die Zahl unserer Geschäfte verdoppeln“, sagt Bruns, der bislang 400 Mitarbeiter beschäftigt. Dazu sucht die Firma Franchisenehmer. 14 konnten bereits gewonnen werden. Mit der Expansion sollen in den nächsten vier Jahren 400 Mitarbeiter eingestellt werden. „Wir bieten traditionellen Augenoptikern der Nachfolgegeneration ein zukunftsorientiertes Konzept“, so Bruns.

„Wir wollen das Image von Brillen verändern. Sie sind moderne Accessoires, von denen man mehrere haben kann“, sagt Marketingchef Volker Kächele. „Eine Brille kostet weniger als ein paar gute Schuhe. Morgens zur Arbeit trägt man zum Beispiel Schwarz, am Abend beim Chillen eine bunte Brille.“ Nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts sind 88 Prozent der Bevölkerung überzeugt, dass es mittlerweile für jeden eine zu ihm passende Brille gibt. 39 Prozent sind der Ansicht, dass eine Brille die eigene Persönlichkeit unterstreicht, und 36 Prozent meinen, dass eine Brille viele Menschen interessanter macht. Dabei liegen farbig verspiegelte Sonnenbrillen im Trend.

Optiker müssen nicht um ihren Job fürchten. Rund 40 Millionen Menschen tragen in Deutschland eine Brille. Die Kundschaft kommt spätestens im Alter in die Fachgeschäfte. „Wir finden es schade, wenn Brillen nur auf die medizinische Notwendigkeit degradiert werden“, so Bruns. Neben Optikern arbeiten in den Filialen deshalb auch Modeexperten, die die Kunden bei der Auswahl von einer oder mehreren Brillen beraten.

Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Augenoptiker-Betriebe zwar um 50 auf 11.950 reduziert. Vor allem Inhaber, die nur ein oder zwei Geschäfte haben, mussten aufgeben. Gleichzeitig kletterte der Branchenumsatz 2014 um 3,5 Prozent auf 5,63 Milliarden Euro. Die stationären Augenoptiker erzielten ein Umsatzplus von 2,7 Prozent.

Der Onlinehandel machte 2014 mit rund 210 Millionen Euro einen Anteil von 3,7 Prozent am Gesamtumsatz der Branche aus. 11,5 Millionen Korrektionsbrillen wurden von den stationären Augenoptikern 2014 verkauft. Inklusive des Onlinehandels waren es 12,15 Millionen Brillen.

Nur jede fünfte von 20 Millionen Sonnenbrillen, die jährlich in Deutschland verkauft werden, stammt von einem Optikerbetrieb. Weitere Absatzkanäle sind Warenhäuser oder der Olinehandel, auf den auch eyes+more setzt. Dass der Brillenabsatz nicht nur bei Sonnenschein brummt, zeigt sich auch in Hamburg. Junge Träger leisten sich fast doppelt so schnell ein neues Modell wie ältere Menschen. Laut einer Allensbach-Studie kaufen sich die 16- bis 29-Jährigen etwa alle 20 Monate eine neue Brille. Jeder Vierte will damit seine Persönlichkeit betonen.

Marktführer in der Branche ist nach wie vor Fielmann. Jede zweite Brille, die verkauft wird, stammt von dem Hamburger Unternehmen. Eyes+­more holt dabei auf. Die Firma hat im ersten Halbjahr ihren Umsatz um 20 Prozent steigern können und die Stückzahl der verkauften Brillen um 21 Prozent erhöht. Bis zum Jahresende peilt Bruns einen Umsatz von 50 Millionen Euro an. „Wir werden noch sechs Geschäfte in diesem Jahr eröffnen“, sagt Bruns. Auch in Hamburg sucht er nach einer geeigneten Fläche von 70 bis 100 Quadratmetern.

Die neuen Läden werden anders aussehen als die bisherigen Filialen. Kächele und sein Team haben ein neues Ladenkonzept entwickelt. So werden die Brillen nicht mehr an der Wand hängen, sondern in stylischer Umgebung auf hellen Tischen präsentiert, so­dass der Kunde schnell zugreifen kann. Im Hintergrund läuft Musik, damit der Käufer beim Probetragen gut gelaunt ist und in Kaufstimmung kommt.