Stundenlange Razzia

Steuerfahnder durchsuchen Firma von Reeder Peter Krämer

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Bettina Mittelacher, Daniel Herder
Der bekannte Hamburger Reeder Peter Krämer ist in das Visier der Steuerfahndung geraten (Archivbild)

Der bekannte Hamburger Reeder Peter Krämer ist in das Visier der Steuerfahndung geraten (Archivbild)

Foto: Ingo Wagner / picture-alliance / dpa

Gegen den bekannten Hamburger Unternehmer wird wegen des Vedachts von Steuerhinterziehung in siebenstelliger Höhe ermittelt.

Hamburg. Einer der bekanntesten Bürger der Stadt ist in den Fokus der Steuerfahndung gerückt: Die Firma des Reeders Peter Krämer wurde mehrere Stunden lang von Ermittlern durchsucht. „Es hat diesen Einsatz gegeben“, bestätigte Oberstaatsanwältin Nana Frombach dem Abendblatt auf Anfrage. Insgesamt seien an der Durchsuchung, die an sieben Orten stattfand, acht Staatsanwälte und 91 Beamte der Steuerfahndung beteiligt gewesen. Weitere Angaben machte Frombach nicht: „Es gilt das Steuergeheimnis.“

Nach Abendblatt-Informationen soll es um den Verdacht der Hinterziehung von Unternehmenssteuern gehen, und zwar um Steuern, die durch im Mittelmeerraum tätige Tochtergesellschaften der Unternehmensgruppe dem deutschen Fiskus vorenthalten worden sein sollen. Wie das Abendblatt erfuhr, soll es sich um einen hohen einstelligen Millionenbetrag handeln.

Gegen den Unternehmer und Mäzen Krämer sowie weitere Geschäftsführer gibt es ein Ermittlungsverfahren. „Der Vorwurf richtet sich gegen die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe“, bestätigte Jürgen Milatz, Steuerberater von Peter Krämer, auf Anfrage. Folglich steht auch Krämer – in seiner Funktion als Geschäftsführer – im Visier der Ermittler.

Der Durchsuchung liegt ein richterlicher Beschluss zugrunde. Dieser wird erteilt, „wenn konkrete Tatsachen vorliegen, die einen Anfangsverdacht begründen“, heißt es in der Rechtsprechung. Etliche Akten und Datenträger wurden bei dem Einsatz beschlagnahmt. Die weiteren Ermittlungen werden sicherlich noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Die Auswertung der Daten wird erfahrungsgemäß viele Monate dauern. Der Ausgang ist ungewiss.

Die Vorwürfe, um die es geht, liegen Jahre zurück und wären fast verjährt – sie stammen aus der Zeit vor der Finanzkrise im Jahr 2008. Eine Zeit, in der sich mit Schiffen richtig gut Geld verdienen ließ. Vom Zusammenbruch der Märkte hat sich die Branche bis heute nicht vollständig erholt. Die Durchsuchung soll mit einer seit Jahren dauernden und noch immer nicht abgeschlossenen Betriebsprüfung im Zusammenhang stehen.

Jürgen Milatz wies die Vorwürfe im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt als haltlos zurück. „Die Unternehmensgruppe ist ihren steuerlichen Verpflichtungen im In- und Ausland immer vollumfänglich nachgekommen“, sagte Milatz. Im Zusammenhang mit der Durchsuchung spricht er von einer „überschießenden und sachlich nicht notwendigen Maßnahme“. Und weiter sagte der Steuerberater dem Abendblatt: „Ich bin mir sicher, dass am Ende außer Reputationsverlust nichts übrig bleiben wird.“

Steuerhinterziehung – dieser Vorwurf scheint so gar nicht zur Vita und zum Streben von Reeder Krämer zu passen. Der 64-Jährige plädiert seit Langem für die Einführung einer „Wir-Gesellschaft“ und die gerechtere Verteilung von Besitz. Für die Reichen im eigenen Land will er eine höhere Besteuerung der Vermögen, vor allem den reichen Erben will er ans Geld. Von seinem Büro aus steuert der hanseatische Weltmann und alleinige geschäftsführende Gesellschafter der Marine Service Gruppe weit mehr als die Routen seiner Tankschiffe. Er will von der Hansestadt aus „ein paar Ideen für eine bessere Welt in die Welt tragen“, wie der zweifache Vater einmal formulierte. Die Armut in Entwicklungsländern macht den Mann, der von einigen Gegnern „roter Reeder“ genannt wird, betroffen. Seit rund zehn Jahren akquiriert der Initiator und Mäzen des Unicef-Projekts „Schulen für Afrika“ mithilfe prominenter Botschafter Spenden und hat viel Geld aus seinem Privatvermögen dazu beigesteuert. „Bildung ist die Grundvoraussetzung für Wachstum in den Entwicklungsländern und ein Menschenrecht“, sagt Krämer. Unterstützt von seinem mittlerweile verstorbenen Freund Nelson Mandela konnten unzählige Schulen in afrikanischen Ländern gebaut werden.

Krämer wuchs in Volksdorf auf und schloss im Jahr 1981 ein Jura-Studium mit Prädikat ab. Ein Jahr später wurde er Geschäftsführer eines von seinem Vater gegründeten Unternehmens. Der Betrieb stand damals kurz vor der Insolvenz. Peter Krämer rettete das Unternehmen durch den Verkauf von vier Schiffen und baute es zu einer der führenden und international bekanntesten Tankschiff-Reedereien aus.

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