Stellingen

Streit um Flüchtlingscamp beim Hamburger SV

In der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee am Volkspark leben bislang etwa 1300 Menschen

In der Erstaufnahmeeinrichtung in der Schnackenburgallee am Volkspark leben bislang etwa 1300 Menschen

Foto: Michael Rauhe

Die Unterkunft an der Schnackenburgallee darf zunächst nicht erweitert werden – der Verein fühlt sich von der Stadt übergangen.

Hamburg. Der HSV hat der Hamburger Innenbehörde die Unterbringung von zusätzlichen Flüchtlingen auf einem Parkplatz unweit des Volksparkstadions untersagt. Ein Sprecher der Behörde bestätigte am Freitag auf Nachfrage des Hamburger Abendblatts den Eingang einer entsprechenden Unterlassungsanordnung. Betroffen sei eine Parkplatzfläche an der Schnackenburgallee. Man habe vorerst den Aufbau von weiteren Zelten für Flüchtlinge stoppen müssen. Für die kommende Woche seien weitere Gespräche vereinbart worden.

Hintergrund ist die in den vergangenen Wochen deutlich gestiegene Zahl von Flüchtlingen, die in Hamburg Asyl beantragen. Nach Angaben der Sozialbehörde mussten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 5725 Flüchtlinge öffentlich untergebracht werden – genauso viele wie im gesamten Jahr 2014. An einigen Tagen im Juli seien mehr als 200 Flüchtlinge in Hamburg eingetroffen. Inzwischen gibt es einen dramatischen Engpass bei deren Unterbringung, sodass bereits Zelte und Sanitäranlagen in Grünanlagen aufgebaut werden mussten.

HIER GEHT ES ZUR STELLUNGNAHME DES HSV

Erst in der vergangenen Woche hatte Anwohner in Jenfeld gegen die Errichtung eines Zeltlagers für 800 Flüchtlinge im Jenfelder Moorpark protestiert. Die Behörden ließen die Unterkunft aufbauen, ohne die Anwohnerschaft zuvor zu informieren.

In Harvestehude wiederum verhindern Anwohner seit dem Herbst des vergangenen Jahres mit Klagen vor Gericht den Umbau des ehemaligen Kreiswehrersatzamts zu einer Unterkunft für Asylbewerber.

Die Zentrale Erstaufnahmeeinrichtung an der Schnackenburgallee in Stellingen wurde unweit der A-7-Anschlussstelle Volkspark auf einer vom HSV gepachteten Parkplatzfläche für 300 Fahrzeuge errichtet. Das für insgesamt 1500 Autos ausgelegte Areal wird nur bei Heimspielen des HSV genutzt. Bis zum Volksparkstadion sind es nur einige Hundert Meter.

In der Einrichtung leben rund 1300 Flüchtlinge. Wegen der gestiegenen Zahl von Neuankömmlingen will die Stadt auf einer Fläche von 400 Pkw-Parkplätzen zusätzlich Zelte errichten. Das hat der HSV jetzt untersagt.

Der Verein sei es gewesen, der vor einigen Monaten der Stadt das Angebot unterbreitet habe, auf einem Teil des Parkplatzes die Erstaufnahmeeinrichtung zu schaffen, sagte HSV-Mediendirektor Jörn Wolf. „Jetzt wurde mehr Fläche genutzt, ohne vorher Rücksprache mit uns zu halten.“ Man erkenne die großen Probleme der Stadt an, angemessene Unterkünfte für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. „Die Lösung kann aber nicht sein, uns zu enteignen“, sagte Wolf. Er hoffe, dass bis zum ersten Heimspiel des HSV am 22. August gegen den VfB Stuttgart eine Lösung gefunden werde.

HSV fürchtet eine schwierige Verkehrssituation bei Bundesligaheimspielen

Grund für das Unterlassungsschreiben sei die zu erwartende schwierige Verkehrssituation bei Bundesligaheimspielen, sagte Wolf. Da der Parkplatz nahe der A 7 liege, sei er für die An- und Abreise von Fußballfans besonders wichtig. „Verkehrstechnisch würden große Probleme entstehen, wenn weitere Parkfläche verloren gingen“, sagte Wolf weiter. Fans klagten in den vergangenen Monaten bereits über lange Staus. Der HSV sei bereit, eine Parkplatzfläche an der Luruper Chaussee für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Die Stadt habe allerdings darauf verwiesen, es sei nicht einfach, dort sanitäre Anlagen zu errichten.

Der HSV-Sprecher betonte, dass der Verein seine soziale Verantwortung ernst nehme. „In den vergangenen Monaten haben wir ziemlich viele Hilfsaktionen gestartet.“ Flüchtlinge seien zu Spielen des HSV ins Stadion eingeladen worden. Unter den Mitarbeitern des Vereins sei Kleidung für Asylbewerber gesammelt worden.

In den für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständigen Behörden ist die Verärgerung über die Haltung des HSV indes groß. Offiziell wurde zwar immer wieder betont, dass man noch im Gespräch mit dem Verein sei und auf eine gütliche Einigung setze. Angesichts der vielen Flüchtlinge sei aber jede Unterkunftsmöglichkeit wichtig. Der Platz an der Schnackenburgallee sei geeignet, zumal der HSV die Fläche von der Stadt lediglich gepachtet habe.

Vor allem ärgert die zuständigen Beamten, dass die Parkplatzfläche nur einige wenige Male im Monat bei Heimspielen des HSV benötigt wird, ansonsten aber leer steht. Das sei den Bewohnern von Stadtteilen, in denen derzeit auch in Grünanlagen Flüchtlingsunterkünfte geschaffen werden müssten, kaum zu vermitteln.