Konzert

Carlos Santana bringt den Stadtpark zum Kochen

Musikerlegende Santana und seine zehnköpfige Band begeisterten das Publikum mit Energie, Spielfreude und weisen Worten.

Hamburg. Die Bilder auf der Leinwand kennt jeder. Sie zeigen, wie junge Leute mit einem Affenzahn auf einer Schlammpiste rutschen. Woodstock 1969. Dazu spielt Carlos Santana die bekannten Riffs von „Jingo“, den Song, mit dem der Gitarrist vor 46 Jahren bekannt wurde.

Es ist 19 Uhr, wer noch im Stau rund um den Stadtpark steckt oder getrödelt hat, verpasst den nostalgischen Auftakt und die nächste Nummer. Nach ein paar Takten „Jingo“ geht es weiter mit „Toussaint L’Overture“ vom Album „Santana 3“, der vielleicht besten Platte der mexikanisch-amerikanischen Band. Zehn Musiker hat der 67 Jahre alte Latin Rocker mit in den ausverkauften Stadtpark gebracht: Drei Schlagzeuger und Perkussionisten treiben die Band an, ein Bassist und ein weiterer Gitarrist komplettieren die Rhythmusgruppe und legen die Basis für die Soli von Santana, seines Keyboarders David Matthews und der beiden Bläser, die Sänger Tony Lindsay und Andy Vargas bringen das Publikum im ausverkauften Rund zusätzlich auf Trab.

Von der ersten Sekunde an rollt die Latin-Rock-Maschine, Verschnaufpausen gibt es nicht, höchstens mal einen Ruhepunkt wie bei „Samba Pa Ti“, das Santana eigens für das deutsche Publikum spielt. In den 70er-Jahren war diese sanfte Instrumentballade ein großer Hit und von keiner Studentenfete wegzudenken. Zweieinviertel Stunden musiziert das Ensemble auf allerhöchstem Niveau, verblüffend, mit welcher Exaktheit Carlos Santana seine brillanten Soli spielt. Da sitzt jedes Riff, und so mancher Fan spielt die bekannten Tonfolgen im Kopf mit. Natürlich gehören die virtuosen Alleingänge zu den Höhepunkten des Konzertes, doch der Kaugummi kauende Hutträger ist kein Bandleader, der sich dauernd in den Mittelpunkt stellt. Jeder seiner Musiker erhält die Möglichkeit, als Solist zu brillieren, mit Trompeter Bill Ortiz spielt der Gitarrist auf der in den Zuschauerbereich ragenden Rampe ein ergreifendes Duett zu „Summertime“.

„Schaltet den Fernseher aus, macht Musik“

Carlos Santana glaubt an Spiritualität und an die Macht von Musik. Das zeigt sich bei der Interpretation von John Coltranes „A Love Supreme“, dem immer wieder variierten Thema von Liebe und der Zusammengehörigkeit aller Menschen. Als er im Publikum ein paar Kinder erblickt, vermittelt er ihnen eine gütig wirkende Botschaft: „Ich möchte euch mit meiner Musik inspirieren. Also schaltet den Fernseher aus, macht Musik und vielleicht werdet ihr eines Tages der nächste Eric Clapton oder der nächste Jimi Hendrix.“ Auch die Verbeugung vor anderen Kollegen gehört zu Santanas demütigem Auftreten. John Lennon und Bob Marley erwähnt er, und immer wieder zitiert er andere Künstler in den langen Instrumentalparts. George Harrisons „While My Guitar Gently Weeps“ taucht im Laufe des Abends ebenso auf wie „Get Ready“ von den Temptations.

Besonders bejubelt werden die Songs aus seinem 1999 erschienenen Album „Supernatural“ wie „Maria Maria“ und „Smooth“, mitten im Konzert gibt es „Jingo“ in ganzer Länge und am Ende dann mit „Black Magic Woman“ und „Oye Como Va“ noch mal zwei Nummern aus seinem Frühwerk. Von der Energie, der Spielfreude und dem unprätentiösen Auftreten dieser Band können sich viele junge Bands eine Menge abgucken. Santana mag zwar nicht mehr als hip gelten, doch modische Begriffe fassen ihn nicht. Er ist ein Klassiker.