Digitale Wirtschaft

Hamburg zieht immer mehr Internetfirmen an

Dropbox, Hootsuite und Colego eröffnen neue Niederlassungen in der Hansestadt. Auch Twitter expandiert an der Elbe.

Hamburg. Facebook, Google und Airbnb sind schon da. Drei der bekanntesten Internetfirmen aus den USA haben bereits eine Niederlassung in Hamburg und machen die Stadt zusammen mit erfolgreichen Eigengewächsen wie Xing oder Bigpoint zu einem der wichtigsten Schmelztiegel für die digitale Wirtschaft. Doch jetzt bekommt der Standort an der Alster noch einmal wichtige Neuzugänge: Der kalifornische Konzern Dropbox baut seine Deutschland-Zentrale in Hamburg auf, erfuhr das Abendblatt aus Wirtschaftskreisen. Auch die kanadische Firma Hootsuite und das Suchportal Colego ziehen an die Elbe. Zudem weitet der Kurznachrichtendienst Twitter seine Aktivitäten in der Hansestadt aus.

Mit weltweit mehreren Hundert Millionen Nutzern ist Dropbox, ein Dienstleister für die Online-Datenspeicherung, ein besonders erfolgversprechender Gewinn für den Wirtschaftsstandort. Im Handelsregister ist Dropbox bereits als Dropbox Germany GmbH mit Sitz am Valentinskamp in der Hamburger Neustadt eingetragen. Schon bald aber sollen die Mitarbeiter aus diesem provisorischen Büro in neue Räume am Hafen umziehen. Die Firma bietet eine Cloud-Lösung, um Daten bequem zwischen verschiedenen Geräten zu synchronisieren. So können zum Beispiel Smartphone-Nutzer ihre Daten sichern, ohne allzu viel Speicherplatz auf dem Gerät selbst zu verbrauchen. Dropbox etabliert den neuen Sitz in Hamburg, um in Deutschland weitere Nutzer zu gewinnen. Zudem stützt sich die Firma auf einen renommierten Partner, um im deutschsprachigen Markt zu wachsen. Details zu diesen Plänen will das Unternehmen in den nächsten Tagen bekannt geben.

Doch Dropbox ist nicht der einzige Neuzugang für den IT-Standort Hamburg, der aktuell rund 9000 Betriebe in der Branche zählt: Auch Hootsuite hat hier in diesen Tagen seinen Deutschland-Sitz eröffnet. Die Neuansiedlung des Dienstleisters für die Nutzung sozialer Netzwerke bestätigte die Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (HWF) gegenüber dem Abendblatt: Hootsuite habe hier Büros in bester Lage am Neuen Wall bezogen.

Das Unternehmen aus Kanada wolle von Hamburg aus „Kunden und Partner in Deutschland ab sofort noch optimaler betreuen und beraten“, sagte Thomas Seidel, Hootsuite-Vertriebsdirektor für den regionalen Markt, dem Magazin „Horizont“. „Wirksame Kampagnen, die das Publikum in den sozialen Netzen begeistern, erfordern Verständnis für landesspezifische, kulturelle und sprachliche Besonderheiten – gerade, wenn es um soziale Netzwerke geht“, erklärte Seidel die Erfordernis für eine eigene Niederlassung in Deutschland.

Hootsuite bündelt die Social-Media-Kanäle im Web. Firmen profitieren von dem Dienst, indem sie Überblick über ihre Internetauftritte und -nennungen bekommen. Sie können sich via Hootsuite beispielsweise anzeigen lassen, wo und wie oft ihr Name auf Facebook auftaucht. Aber auch Privatleute organisieren über Hootsuite ihre Aktivitäten im Netz. Der Basis-Service der Seite ist kostenlos, Zusatzfunktionen müssen bezahlt werden. Hootsuite nutzen weltweit mehr als zehn Millionen Menschen.

Neben den Ansiedlungen aus Übersee hat sich mit Colego aktuell auch ein dänisches Internetportal für Hamburg als Sitz seiner neuen deutschen Zentrale entschieden. „Hamburg ist als Wirtschaftsmetropole und Stadt mit hoher Kaufkraft für uns attraktiv“, sagt Tine Thygesen, CMO bei Colego. Die Firma aus Kopenhagen sucht derzeit noch nach einer Immobilie, will hier aber bis spätestens Ende des Jahres eröffnen und ein Dutzend Mitarbeiter einstellen. In Dänemark sieht sich das Internetportal als Marktführer für die Vermittlung von Dienstleistern an Endkunden. Wer etwa ein Problem mit dem Vermieter hat und einen Anwalt für Mietrecht in seiner Nähe sucht, kann dies via Colego tun. Auch für Steuerberater oder Handwerker bietet der Online-Vermittler seine Dienste gegen Zahlung einer Gebühr an.

Neben den Zuzügen nach Hamburg hat ein prominenter Arbeitgeber aus den USA entschieden, hier weiter zu expandieren: Der Kurznachrichtendienst Twitter zieht von seinem vor einem Jahr bezogenen Standort in der HafenCity in größere Räumlichkeiten nach Ottensen.

Das Team unter der Leitung von Thomas de Buhr ist auf rund 20 Mitarbeiter angewachsen. Twitter hat zwar seine Deutschland-Zentrale in Berlin, organisiert von Hamburg aus aber die Vermarktung der viel besuchten Internetseite für Mitteilungen.

Die neuen Internetfirmen bereichern eine Branche, die in Hamburg offenbar eine attraktive Heimat gefunden hat: Nach einer Umfrage der Handelskammer unter hiesigen IT-Firmen sind fast zwei Drittel der befragten Unternehmen mit ihrem Standort eher zufrieden oder sogar sehr zufrieden.