Streik

Hamburgs Erzieher gehen Freitag wieder zur Arbeit

Hamburger Eltern sind erleichtert - vorerst (Archivbild)

Hamburger Eltern sind erleichtert - vorerst (Archivbild)

Foto: Marcelo Hernandez

Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich auf eine Schlichtung geeinigt. Eltern sind erleichtert und erwarten nun schnelle Einigung.

Hamburg. Am Donnerstagmorgen ist Sandra Cantzler erst einmal eine große Runde in Planten un Blomen joggen gegangen. Kurz zuvor hatte sie erfahren, dass der Streik der Erzieher in der Kita ihrer Tochter vorerst zu Ende geht. Heute läuft der Betrieb wieder regulär. „Wir freuen uns natürlich sehr“, sagt die 42-Jährige. Der Sport, ihre Arbeit, Freizeit – das war in den vergangenen vier Wochen zu kurz gekommen. Während des Streiks musste die freiberufliche Journalistin ihre fünfjährige Tochter Elinor zu Hause betreuen, oder sie übernahm mit Eltern den Notdienst in ihrer Eimsbütteler Kita. Wie Tausende andere vom Kita-Streik betroffene Eltern ist sie erleichtert, dass die bundesweiten Arbeitsniederlegungen beendet sind. Vorläufig.

Die Tarifverhandlungen zur Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe in kommunalen Einrichtungen und der Forderung nach zehn Prozent mehr Gehalt zwischen der Gewerkschaft Ver.di und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) sind zwar gescheitert, aber sie konnten sich auf eine Schlichtung einigen. Ab Freitag gehen Hamburgs Erzieher wieder in ihre Einrichtungen. Wie lange die Schlichtung dauert, steht noch nicht fest.

Nach dem Ende des Kita-Streiks: Glauben Sie, dass die Schlichtung zum Erfolg führt?

Für Ver.di schlichtet der frühere Oberbürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg (SPD), die Arbeitgeber benannten den früheren sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt (CDU). Die Schlichter müssen spätestens bis 11. Juni erstmals getagt haben und bis 18. Juni einen Vorschlag auf den Tisch legen. Damit greife eine Friedenspflicht, sagten die Verhandlungsführer Thomas Böhle und Frank Bsirske in Berlin.

Trotzdem plant die Gewerkschaft Verdi weitere Proteste. „Wir werden die Auseinandersetzung aufnehmen, um die Aufwertung der sozialen Berufe zu erreichen“, sagte Verdi-Chef Bsirske nach einer Tagung von rund 300 Delegierten in Frankfurt. Geplant sind Aktionen außerhalb der Arbeitszeit

„Wir hoffen auf ein zügiges Ergebnis, können aber nicht voraussagen, wann das vorliegt“, sagt Björn Krings von Ver.di in Hamburg.

Eltern erwarten eine schnelle Einigung

Der Landeselternausschuss (LEA) begrüßt das vorläufige Ende des Streiks und hatte die für Donnerstag geplante Demonstration abgesagt. Die Eltern erwarten eine schnelle Einigung: „Beide Seiten müssen alles daran setzen, die Schlichtung zu einem Erfolg zu führen“, sagt Björn Stachen, Vorsitzender des LEA. Eine besondere Herausforderung sei die Rückkehr in den Kita-Alltag. „Vier Wochen lang wurden unsere Kinder aus ihrer gewohnten Kita-Umgebung gerissen. Eltern und Erzieher sollten nun gemeinsam alles dafür tun, dass der Kita-Alltag wieder beginnt.“ Der LEA appelliert an beide Seiten, den Gesprächsfaden nicht mehr reißen zu lassen. „Auch die Umsetzung eines bundesweiten Tarifabschlusses für Hamburg sollte am Verhandlungstisch gelingen – ohne neuerliche Streiks.“

„Es wird eine Zeit dauern, bis die Folgen dieses ungewöhnlich langen und heftigen Streiks bearbeitet sind und wieder ein normaler pädagogischer Alltag einkehrt“, sagt Franziska Larrá, pädagogische Geschäftsführerin der Elbkinder. Sie wünscht sich, dass vor allem in den Kitas, in denen das Verhältnis zwischen Erziehern und Eltern während des Streiks stark gelitten hat, die Erwachsenen ihren eigenen Unmut und Ärger im Sinne der Kinder hinten anstellen. Die Streikzeit werde gemeinsam mit den Kinder besprochen. Larrá geht davon aus, dass die Schlichtung mehrere Wochen dauert.

"Es reicht nun"

Sandra Cantzler ist optimistisch und hofft, dass der Streik auch etwas gebracht hat und die Erzieher- und Sozialberufe tatsächlich aufgewertet werden. Für ihre Tochter Elinor habe die Arbeitsniederlegung ihrer Erzieher auch etwas Gutes gehabt: „Wenn ich beim Eltern-Notdienst dabei war, fand sie das natürlich toll.“ Die Notbetreuung mit den anderen Eltern habe sich gut eingespielt. Aber es reicht nun. „Es ist viel Arbeit liegengeblieben. Als Selbstständige hatte ich im Gegensatz zu vielen anderen Eltern das Glück, mir meine Arbeit einteilen und am Abend erledigen zu können.“

Mit Material von dpa